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Wieder Schweizer Triumph in Kitz-Abfahrt

Wie 2008 hat es auch 2009 bei der Ski-Weltcup-Abfahrt der Herren in Kitzbühel einen Schweizer Triumph gegeben. Ein Jahr nach Didier Cuche setzte sich am Samstag Landsmann Didier Defago auf der Streif durch.

Drei Tage nach dem Schock wegen des Horrorsturzes von Dani Albrecht hat es im Schweizer Ski-Lager am Samstag wieder Grund zur Freude gegeben. Und zwar dank zwei Abfahrts-Siegen von Dominique Gisin (Cortina) und Didier Defago. Der 31-jährige Defago gewann vor über 40.000 Zuschauern die erste Hahnenkamm-Abfahrt vom Originalstart seit 2004 in “Eberharter-Manier” und siegte am Samstag in 1:56,09 Min. vor den beiden Österreichern Michael Walchhofer und Klaus Kröll.

 

Der neuerliche Triumph von Defago, der eine Woche davor in Wengen erstmals in der Abfahrt gesiegt hatte, war Balsam für die immer noch vom Albrecht-Sturz geschockten Eidgenossen. Defago gewann, weil er – unfreiwillig – am Hausberg eine ähnlich direkte Linie wählte wie zuletzt Stephan Eberharter bei dessen “Traumfahrt” vor vier Jahren. Degafo ist der zwölfte Läufer und der erste seit Eberharter 2002, der damit die beiden Klassiker in Wengen und Kitz im selben Jahr gewonnen hat.

Nach tagelangen Wettersorgen empfing Kitzbühel die Zuschauer, darunter Bundespräsident Heinz Fischer, Niki Lauda, F1-Zampano Bernie Ecclestone usw. am Samstag mit strahlend blauem Himmel und einer perfekt präparierten Streif. Die aber wegen des nächtlichen Regens brutal eisig und noch schneller geworden war. Auch “Kaiser” Franz Klammer, selbst mehrfacher Streif-Sieger, sprach seinen Respekt aus. Prompt erlitt der US-Amerikaner Thomas Lanning mit Startnummer drei beim Sturz an der Traverse eine Knieverletzung. Er blieb aber letztlich das einzige Sturzopfer an diesem Tag.

Für die Besten der Welt wurde die Abfahrt hingegen zu einem Derby, in dem sich Risiko bezahlt machte. Defago profitierte bei seiner beherzten Fahrt von einem sehr schnellen Ski, mit dem er alleine im flachen Mittelteil sieben Zehntel gut machte. Dann “versprang” er sich an der Hausbergkante, machte aber aus der Not eine Tugend und zog die direkte und enge Linie perfekt durch.

Es reichte am Ende zum Sieg, 0,17 Sek. vor Walchhofer und 0,29 vor Kröll, der am Vortag im Super-G seinen ersten Weltcupsieg gefeiert hatte. Titelverteidiger Didier Cuche (SUI) wurde zeitgleich mit Bode Miller (USA) Vierter. Hermann Maier (“Die Strecke war perfekt, meine Fahrt nicht”) landete auf Platz zehn. Überraschend viertbester ÖSV-Fahrer war der nach wie vor in der Weltcup-Gesamtwertung führende Benni Raich als Zwölfter. “Jetzt muss ich am Sonntag einen guten Slalom machen. Aber Miller ist sechs Zehntel voraus”, erklärte Raich vor dem abschließenden Kampf um den Hahnenkamm-Titel des Kombi-Siegers.

Kitzbühel brachte somit ein starkes Abfahrts-Ergebnis aus rot-weiß-roter Sicht, auch wenn auf Heimatboden die Revanche für das Debakel und die Sticheleien nach dem Wengen-Debakel nicht ganz gelang. Walchhofer war zunächst sogar sauer. “Ich war voll auf Sieg programmiert. Als der Zweier aufleuchtete, war ich gar nicht zufrieden”, gestand der Salzburger. “Am Hausberg hat die letzte Konsequenz gefehlt, da wäre es drin gewesen”, meinte der Salzburger und lobte Defago. “Didier ist dort sensationell gefahren. Er hat eine risikoreiche Linie genommen.”

Auch Kröll musste eingestehen, einen Tag nach seinem Premierensieg zu wenig Risiko genommen zu haben. “Ich bin schon den Steilhang nicht wirklich souverän gefahren und habe unten nicht ganz so viel riskiert wie Defago. Seine war heute eindeutig die schnellere Linie. So wie er fuhr, hat er viel mehr Tempo in den Zielschuss mitgenommen”, sagte der Steirer, der zu seinen 50.000 Euro im Super-G weitere 16.000 Euro Preisgeld kassierte.

Walchhofer ist dennoch überzeugt, dass Kröll wie Defago nun der berühmte “Knopf” aufgegangen ist. “Die beiden werden sicher noch ein Wörtchen mitreden in dieser Saison”, ist sich der im Abfahrtsweltcup weiterhin vor Defago führende Salzburger sicher.

Defago strahlte über seinen dritten Weltcupsieg fast noch mehr als über seinen Wengen-Triumph eine Woche davor. Das lag auch am 70.000 Euro-Scheck, womit er gleich dreimal so viel kassierte wie in Wengen. “Das ist einfach sensationell. Die ganze Woche war ein Wahnsinn. Ich genieße es, denn hier zu gewinnen, war immer ein Traum von mir”, sagte der Sieger.

Der Schweizer gestand, zwar an die “Eberharter-Linie” gedacht zu haben, die direkte Linie nach dem Sprung sei ihm aber wider Willen passiert. “Ich wollte Druck wegnehmen und fand mich plötzlich ganz wo anders wieder, ich war total verwirrt.” Wenn man nicht in Form sei, könne so etwas auch schlecht ausgehen. “Aber Wengen hat mir Kraft gegeben”, gestand Defago. Als WM-Favorit sieht er sich jetzt dennoch nicht. “Ich muss erst mal zwei Wochen diese Form behalten. Außerdem ist die Strecke dort ganz anders.”

 

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