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Wie viel Geld bekommt ein Bettler in Wien? - "20 Euro sind das Maximum"

Maximal 20 Euro am Tag "verdient" ein Bettler in Wien.
Maximal 20 Euro am Tag "verdient" ein Bettler in Wien. ©dpa
Seit etwa einem Jahr lebt Ivan Stoev (Name geändert, Anm.) aus Bulgarien in Wien, die meiste Zeit davon auf der Straße.  Damit er über die Runden kommt, muss er betteln. Viel bekommt er jedoch nicht. "15 bis 20 Euro sind das Maximum, vielleicht einmal 40 Euro", berichtet er.
Kein Bettelverbot in Wien
Bettler gefoltert

Stoev ist ein Romni. Früher, in der kommunistischen Ära Bulgariens unter Todor Schiwkow bis 1989, habe er es besser gehabt. Stoev hatte Jobs: “Verschiedene Arbeiten habe ich gemacht, vor allem auf Baustellen. Mit Ende der Schiwkow-Ära haben andere Zeiten begonnen.” Fabriken, Landwirtschaften seien verkauft worden, “für uns gab es keine Arbeit mehr”. Die Situation habe sich für alle verschlechtert, “aber vor allem für Roma”.

Keine Arbeit bedeutete umsatteln, und für Stoev hieß das Sammeln in Mülltonnen: Papier und Metall. Firmen hätten die Altwaren bei ihnen gekauft und sie dabei oft über das Ohr gehauen: “Wenn ich 20 Kilo Papier gesammelt und das bei der Käuferfirma auf die Waage gelegt habe, zeigte diese oft nur mehr zehn Kilo an”, schilderte der ältere Mann.

Keine Arbeit in Wien gefunden

Dass er nach Österreich kam, hatte aber andere Gründe: Es seien immer wieder Roma vom Land in die Stadt gekommen – Stoev lebte zuvor in Sofia -, weil mehr in den Mülltonnen gewesen sei. “Mittlerweile ist jede Minute jemand bei einer Mülltonne, es gibt nichts mehr”, erläuterte er. Und nicht nur Roma würden sammeln, auch Pensionisten mit zu wenig Rente.

“Und deshalb beschloss ich hierherzukommen”, erzählte Stoev. Er habe eine Nachbarin aus Bulgarien kontaktiert, die mit ihrer Familie schon länger in Wien war, und sie gebeten, ihm Geld für die Busfahrt zu borgen, was rund 60 Euro ausmachte. “In Bulgarien habe ich gehört, dass es hier viel Arbeit gibt.” Doch in Wien musste er eine andere Erfahrung machen. So kam er zum Betteln.

Betteln als letzter Ausweg

“Es gibt für mich hier keine andere Möglichkeit, aber zum Glück geben die Leute ein paar Cent”, sagte Stoev. Dass dabei 300 Euro durchschnittlich und bis zu 1.000 Euro in Spitzenzeiten wie Advent pro Tag herausschauen können – diese Zahlen hatte der Leiter der Zentralstelle Menschenhandel im Bundeskriminalamt, Oberst Gerald Tatzgern, für einen Fall genannt -, hält Stoev für eine Mär: “Man kann vielleicht 100 Euro verdienen, wenn man eine ‘spektakuläre’ Behinderung hat. Ich kann das nicht glauben. Ich bin ein Jahr hier und habe nie gehört, dass jemand so viel verdient hat.”

Bettler hoffen auf Arbeit

Menschenhandel und Ausbeutung hat Stoev bisher nicht miterlebt, wie er sagte: “Ich treffe viele Bettler, und wir reden. Niemand hat mir gesagt, dass er gezwungen wird, für jemand anderen zu betteln. Die sind wie ich hergekommen. Die Leute hoffen auf Arbeit und finden keine. Und dann betteln wir eben.” Das Bitten um Geld war am Anfang alles andere als selbstverständlich: “Für mich war das am Beginn total unangenehm zu betteln, aber irgendwann habe ich mich daran gewöhnt.”

Probleme mit der Polizei

Mit den Wienern hat Stoev keine Probleme: “Es gibt auf der Welt gute und schlechte Menschen. Die Guten geben was, manchen kommen sogar zurück und geben dann was, nachdem sie zuerst vorbeigegangen sind. Die Schlechten nehmen keine Rücksicht”, sagte er.

“Probleme habe ich immer nur mit der Polizei”, erklärte Stoev. “Wenn sie mich gesehen haben, haben sie mich mitgenommen.” Er habe sich ausziehen müssen, und sie hätten ihm 200 Euro Strafe aufgebrummt. In den Anzeigen hieß es, er habe die Beine ausgestreckt und würde die Leute zupfen. “Dabei bin ich nur da gesessen und habe gar nichts gemacht.” (APA)

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