Wenn Häftlinge flüchten: Chronologie der spektakulären Gefängnisausbrüche

Gefängnisausbrüche passieren - wie etwa im Herbst 2011 aus der Justizanstalt Hirtenberg
Gefängnisausbrüche passieren - wie etwa im Herbst 2011 aus der Justizanstalt Hirtenberg ©APA/HERBERT PFARRHOFER
Am 3. Mai floh ein verurteilter Vergewaltiger aus dem Heeresspital in Wien-Floridsdorf. Nicht der erste spektakuläre Fall eines Ausbruchs, wie ein Blick in die Chronologie zeigt. Erinnern Sie sich etwa an die Flucht von Adolf Schandl, Walter Schubirsch und Alfred Nedjedly?
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Gefängnisausbrüche geschehen zwar nicht allzu häufig, doch ein paar Kriminelle machten in den letzten Jahren durch derlei durchaus Schlagzeilen. Im Folgenden eine Chronologie von ausgewählten Fällen.

Chronik: Gefängnisausbrüche in Österreich

3. Mai 2012 – Am 3. Mai floh ein verurteilter Vergewaltiger aus dem Heeresspital in Wien-Floridsdorf. Der Mann sitzt eine mehrjährige Haftstrafe in der Justizanstalt Mittersteig ab. Er dürfte während eines Ganges auf die Toilette geflohen sein. Der 41-jährige Niederösterreich hat noch neun Jahre seiner Freiheitsstrafe zu verbüßen.

7. Oktober 2011 – Aus der Justizanstalt Hirtenberg im Bezirk Baden flüchten vier Häftlinge. Die Häftlinge entkommen “aus dem Bereich eines Anstaltsbetriebes”. Zwei Männer werden bereits 20 Minuten später wieder gefasst. Die anderen beiden werden wenige Wochen später verhaftet. Alle vier sind wegen gewerbsmäßigen Diebstahls inhaftiert.

7. August 2011 – Zwei Häftlinge brechen aus dem Landesgericht Eisenstadt aus. Bei den Flüchtigen handelt es sich um zwei Strafhäftlinge mit albanischer Staatsbürgerschaft. Beide Männer sind wegen mehrfachen Einbruchs nicht rechtskräftig verurteilt. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs sind die Häftlinge bei der Essensausgabe kurz alleine in der Küche beschäftigt. Diesen Augenblick nützen sie, um durch ein manipuliertes Fenstergitter zu entkommen.

Flucht bei Elektrikerarbeiten

26. Februar 2009 – Ein Häftling der Justizanstalt Josefstadt in Wien flieht bei Elektrikerarbeiten außerhalb des Gefangenenhauses. Der 29-Jährige sitzt wegen Raubverdachts in Untersuchungshaft. Vier Tage später endet seine Flucht. Auf einem Feld im niederösterreichischen Ort Gaming (Bezirk Scheibbs) klicken für den Mann nach einer Verfolgungsjagd über Wald, Wiese und Bach neuerlich die Handschellen.

3. Juli 2005 – Der Fluchtversuch zweier Häftlinge aus der Justizanstalt Graz-Karlau wird gerade noch vereitelt. Die beiden Männer wollten mit einer Leiter über eine Mauer entkommen. Die Leiter aus Metall und Holz dürften die Insassen selbst zusammengebaut haben.

Verkleideter Anwalt als Komplize beim Ausbruch

13. April 2005 – Ein als Anwalt verkleideter Mann spaziert in die Justizanstalt Wien-Josefstadt und lässt sich einen beschuldigten Großkriminellen vorführen. Diesen übergibt er einen in einem Pilotenkoffer mitgebrachten Anzug, Schuhe und eine Brille und verlässt mit dem Geldfälscher nach Vornahme des Kleiderwechsels seelenruhig und unbehelligt das Gefängnis. Dass es soweit kommen kann, soll ein Wiener Rechtsanwalt ermöglicht haben, der dem eigentlichen Fluchthelfer seinen Anwaltsausweis überlassen hat, den dieser unter Verwendung eines erfundenen Namens und eines Fotos verfälscht.

21. Juli 2004 – Drei Georgier fliehen aus der Justizanstalt Hirtenberg in Niederösterreich. Sie reißen ein Gitter aus der Verankerung und gelangen so auf die Straße. Die Männer haben Haftstrafen wegen Einbruchsdiebstählen verbüßt.

Mit dem Traktor geflüchtet – betrunken gefunden

29. März 2003 – Mit einem Traktor flieht ein Häftling aus der Justizanstalt Hirtenberg, Außenstelle Münchendorf. Beamte finden den alkoholisierten Mann im Zuge einer Sofortfahndung bald in einer Wiese neben dem Traktor liegend. Er wird zu diesem Zeitpunkt bereits von zahlreichen Passanten “bestaunt”. Ein Alko-Test ergibt einen Wert von 1,9 Promille Alkohol im Blut.

31. Dezember 2002 – Kurz vor Jahreswechsel türmen drei Häftlinge, ein Kärntner und zwei Steirer, aus der Justizanstalt Rottenstein bei St. Georgen am Längsee. Das Trio bricht im Duschraum der Justizanstalt eine Oberlichte auf, durch die sie das Weite suchen.

Über Kapellendach entkommen

7. Mai 1999 – Aus der Justizanstalt Suben in Oberösterreich brechen in der Nacht vier Häftlinge aus. Sie haben die Gitterstäbe ihres Zellenfensters durchgesägt und die Außenmauer überwunden. Über das Dach einer benachbarten Kapelle fliehen sie. Obwohl sie bereits während des Ausbruches von einem Justizwachebeamten entdeckt werden, bleibt die sofort eingeleitete Fahndung vorerst erfolglos. Einen Tag später werden alle vier Häftlinge wieder gefasst.

Bekanntester Fall: Ausbruch mit Geiselnahme

4. November 1971 – Der bekannteste Gefängnisausbruch Österreichs: Drei zu langen Strafen verurteilte Insassen der Strafanstalt Stein bei Krems nehmen zwei Personen als Geiseln und machen sich auf die Flucht. Adolf Schandl bemächtigt sich gemeinsam mit seinen Haftgenossen Walter Schubirsch und Alfred Nejedly bei einer Einvernahme in Stein der Waffen ihrer Bewacher und nehmen eine Schriftführerin sowie eine Untersuchungsrichterin als Geiseln.

Freiwillig lassen sich der Polizeichef von Krems und ein Untersuchungsrichter gegen die beiden Frauen austauschen. Mit den Männern als Geiseln verlassen die drei Täter in einem Auto die Strafanstalt. Mit wechselnden Geiseln fahren sie im Raum der Bundeshauptstadt herum, ehe sich Schubirsch und Nejedly am 6. November – total erschöpft – in Wien-Donaustadt ergeben. Schandl, der sich am Tag zuvor von seinen Komplizen getrennt hat, wird erst am 20. November in Wien-Hernals gefasst.

Gefängnisausbrüche kommen also immer wieder vor und sind in den seltensten Fällen erfolgreich – wie lange es dauert, bis auch der zuletzt entkommene Häftling gefasst ist, wird sich zeigen.

(apa/red)

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