Weniger "Vorsorge-Untersuchungen"

Einen Rückgang der Vorsorgeuntersuchungen in Vorarlberg um 20 Prozent beklagte der Leiter des Arbeitskreises für Vorsorgemedizin (aks), Günther Diem, in einem ORF-Interview.

Als Hauptursache nannte Diem die Organisation durch den Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Den möglichen Verlust der in Jahrzehnten aufgebauten Datenbank bezeichnete Gesundheitslandesrat Hans-Peter Bischof als „gesundheitspolitisches Desaster“.

Jahrzehntelang galt Vorarlberg als Vorzeigeland bei Vorsorgeuntersuchungen. Mehr als 30 Jahre lang wurden die Vorsorgeuntersuchungen durch den Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) organisiert und administriert. Ab einem bestimmten Alter erhielten alle Vorarlbergerinnen und Vorarlberger regelmäßig per Post Einladungen zur Untersuchung. Mit den anonym von den Patienten erhobenen Informationen baute der aks eine, wie Diem betonte, „einzigartige Datenbank“ auf.

„Die ’Vorsorge neu’ ist vielleicht ein Vorteil für die meisten Bundesländer, für Vorarlberg hingegen ist es ein Rückschritt“, meinte Diem. Es gebe keine schriftliche Einladungen zur Vorsorgeuntersuchung mehr, was dazu geführt habe, dass die Zahl der Untersuchungen zurückgegangen sei. Außerdem fürchtet der aks um die in Jahrzehnten aufgebaute Datenbank. Denn seit der „Vorsorge neu“ würden auch die von den Patienten erhobenen Daten vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger zentral verwaltet und dokumentiert. Dadurch könnte es mit der Vorarlberger Gesundheitsdatenbank vorbei sein, meinte Diem.

Für den Vorarlberger Gesundheitslandesrat Hans-Peter Bischof wäre das „ein gesundheitspolitisches Desaster“. Die Vorarlberger Gesundheitsdaten würden wichtige Schlüsse für die Gesundheitspolitik liefern. Als Beispiel nannte der Gesundheitslandesrat das Rauchverhalten oder die Entwicklung des Gewichts. „Der Leberwert Gamma GT, der Aussagen über das Risko einer Herz-Kreislauf-Erkrankungen bietet wurde mit der Datensammlung vom aks entdeckt,“ betonte Bischof.

„Mit der Datenbank haben wir einen Überblick von fast 40 Jahren in Vorarlberg. Und dieser Überblick sollte jetzt plötzlich zerstört werden. Das wäre ein Schaden, der nicht berechenbar ist“, sagte Bischof. Deshalb wollen sich die Landesregierung und der aks bemühen, die Vorarlberger Daten im Land zu verwalten, kündigte Bischof an. Der aks werde dem Hauptverband sogar vorschlagen, die Daten von ganz Österreich zu verarbeiten und auszuwerten. Entsprechende Gespräche sind Ende Jänner geplant.

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