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Weitere Frau in Wien umgebracht: Ehemann sprang aus dem Fenster

In Wien-Leopoldstadt wurde eine weitere Frau getötet.
In Wien-Leopoldstadt wurde eine weitere Frau getötet. ©APA/Max Slovencik
Am Freitag hat die Polizei kurz nach der Bekanntgabe eines Tötungsdelikts an einer Frau in Wien-Liesing auch den mutmaßlichen Femizid an einer 54-Jährigen in Wien-Leopoldstadt vermeldet.

Die WEGA verschaffte sich am Vormittag nach einem Anruf von besorgten Verwandten der Frau Zutritt zu der Wohnung am Mexikoplatz und fand das Opfer leblos mit Stichverletzungen vor. Kurz zuvor dürfte der 64-jährige Ehemann aus einem Fenster gesprungen sein. Auch er erlag seinen Verletzungen.

Frau in Wien-Leopoldstadt hatte mehrere Messerstiche

Die Frau wies mehrere Messerstiche auf, erläuterte Polizeisprecher Markus Dittrich an Ort und Stelle. Das Tatmesser lag am frühen Nachmittag noch in der Wohnung und sollte kriminaltechnisch untersucht werden. Vorerst gingen die Ermittler von einem Tötungsdelikt durch den 64-Jährigen an seiner Frau aus.

Die Einsatzkräfte waren gegen 9.15 Uhr alarmiert worden. Der aus dem zweiten Stock gesprungene Ehemann der Getöteten wurde noch von der Berufsrettung Wien notfallmedizinisch versorgt, sein Leben konnte jedoch wie das der Frau nicht mehr gerettet werden. Derzeit gehen die Ermittler von einem Tötungsdelikt durch den 64-Jährigen an seiner Frau aus. Das Landeskriminalamt, Außenstelle Zentrum/Ost, führt die weiteren Ermittlungen.

Hilfe bei Gewalt

In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, u.a. Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter: 0800-222-555, www.frauenhelpline.at; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at; der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie/Gewaltschutzzentrum Wien: www.interventionsstelle-wien.at und beim 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien: 01-71719 sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722 und den Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800/700-217; Polizei-Notruf: 133

Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.

Österreich: 74 Prozent der Femizide durch (Ex-)-Partner

Die mit Abstand meisten Femizide werden in Österreich von (Ex-)-Partnern der Opfer begangen. Laut einer Studie des "Instituts für Konfliktforschung", die die Femizide in Österreich untersucht hat, waren die Partner in 74 Prozent der Fälle die Täter. Bei rund 30 Prozent dieser Morde war demnach eine Trennung ausschlaggebend.

Wien. In etwa 30 Prozent der Fälle von Frauenmorden und -mordversuchen war eine mitunter jahrelange Gewaltvorgeschichte aktenkundig. Etwa ein Viertel der Opfer hatte den gewalttätigen (Ex-)Partner bereits angezeigt. Rund zehn Prozent der Täter waren bereits einmal wegen Gewalt gegenüber der (Ex-)Partnerin verurteilt.

Hochrisikoindikatoren bei Tätern wurden ausgewertet

Bei der Studie wurden auch Hochrisikoindikatoren bei Tätern ausgewertet, die zu erkennen wichtig in der Prävention wäre. Bei rund 47 Prozent lagen demnach psychische Erkrankungen vor, "traumatische Erfahrungen", dazu zähle etwa auch Arbeitsplatzverlust, bei rund einem Drittel. Ebenso viele hatten bereits körperliche und sexualisierte Gewalt ausgeübt, mehr als ein Viertel psychische Gewalt. Weitere häufige Faktoren seien Waffenbesitz (22 Prozent) und patriarchales Denken (ca. 20 Prozent). Zudem wurden Morddrohung, ökonomische Abhängigkeit, Suiziddrohung und Substanzenmissbrauch genannt, wie die Autorinnen Viktoria Eberhardt und Brigitte Temel (Projektleitung Birgitt Haller) schrieben.

Aufgeschlüsselt nach Nationalitäten hatten 72 Prozent der Täter in den untersuchten Fällen die österreichische Staatsbürgerschaft, davon ca. 57 Prozent autochthon, fünf Prozent waren EU-Bürger, 19 Prozent Bürger von Drittstaaten, zwei Prozent staatenlos, bei einem Prozent gab es keine Angaben.

Die meisten tatverdächtigen Personen (33,5 Prozent) verwendeten im Zuge des Angriffs eine Stichwaffe. Beinahe ebenso häufig (31,3 Prozent) wurde die Tat ohne eine Waffe verübt. Eine Schusswaffe erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Tat tödlich endet, enorm: 57 der 92 Opfer (62,6 Prozent) eines Angriffs mit Schusswaffengebrauch starben - ein Angriff mit einer Stichwaffe endete für 36,7 Prozent der Opfer tödlich.

Im Vergleich der Zeiträume 2010 bis 2016 und 2017 bis 2020 sei deutlich geworden, dass zunehmend mehr legale Schusswaffen zum Einsatz kommen: Zunächst sei nur rund jede vierte verwendete Schusswaffe legal gewesen, in den letzten vier Jahren des Untersuchungszeitraums lag ihr Anteil hingegen bei 46,6 Prozent.

(APA/Red)

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