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Was ist die ÖVP ohne Kurz?

©APA/AFP/JOE KLAMAR
Gastkommentar von Johannes Huber. In der FPÖ sickert die Erkenntnis, dass es ein Fehler war, sich allein auf HC Strache auszurichten. Das könnte auch der neuen Volkspartei zu denken geben.

Die FPÖ ist gerade zusammengebrochen. Kein Wunder: Sie war allein auf Heinz-Christian Strache ausgerichtet und ist denn auch mit ihm gefallen. Der eine oder andere Spitzenfunktionär gibt sich hinterher selbstkritisch: Es sei ein Fehler gewesen, alles nur Strache entscheiden zu lassen, meint Ex-Verteidigungsminister Mario Kunasek. Von diesem Personenkult, den man schon unter Jörg Haider betrieben hat, müsse man sich verabschieden, folgert der oberösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner.

Das könnte auch der neuen Volkspartei zu denken geben: Sie ist ausschließlich Sebastian Kurz. Bei der Nationalratswahl ist sie konsequenterweise unter der Bezeichnung „Liste Sebastian Kurz – die neue Volkspartei“ angetreten. Nicht umgekehrt. Und schon gar nicht als „Österreichische Volkspartei“ und Punkt. Dazu passend durften Fans auf Wiener Straßen den Nachnamen „Kurz“ laufen und das auf einer Tracker-App nachzeichnen lassen. Das war Personenkult der Extraklasse.

In vielen Bundesländern mag die ÖVP die alte geblieben und breiter aufgestellt sein. Auf Bundesebene ist sie das nicht mehr. Dort haben die Landesobleute gemeinsam mit den Bündechefs 2017 beschlossen, den Laden zuzusperren und Sebastian Kurz zu übergeben, alle erdenklichen Handlungsvollmachten inklusive. Kurz hat das Beste daraus gemacht: Siehe die Wahlergebnisse, die er seither eingefahren hat.

Auf der anderen Seite aber ist die ÖVP ohne ihren Obmann heute viel weniger als es die FPÖ ohne Strache ist: Die Freiheitlichen haben zum Beispiel Norbert Hofer und Herbert Kickl in ihren Reihen. Der eine hat als Kandidat bei der Bundespräsidenten-Wahl 2016, der andere mit einer stolzen Vorzugsstimmen-Bilanz bei der jüngsten Nationalratswahl immerhin etwas zusammengebracht.

Die neue Volkspartei hat neben Kurz keine vergleichbaren Kaliber: Gernot Blümel muss bei der Wiener Gemeinderatswahl im kommenden Jahr erst zeigen, was er kann; dort wird er als Spitzenkandidat antreten. Wie er steht auf Bundesebene auch Elisabeth Köstinger nur noch unauffällig im Hintergrund. Hartwig Löger scheint sich ganz verabschiedet zu haben. Und das heißt etwas: In der Vergangenheit sind (Ex-)Finanzminister in der Bundespartei meist größere Player gewesen.

Schaden muss das der ÖVP natürlich nicht. So lange sie von Sebastian Kurz geführt wird, kann sie aus heutiger Sicht eher nur gewinnen oder zumindest stärkste Partei bleiben. Das ist für sich genommen unbezahlbar. Aber: Kaum ein großes Unternehmen und auch kaum eine Organisation der Welt, die dauerhaft erfolgreich sein möchte, wird sich zu 100 Prozent allein von einer Person abhängig machen. Das ist nicht nur demokratiepolitisch fragwürdig, sondern vor allem auch extrem riskant. Freiheitliche wissen, wohin das führen kann.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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