Vikings-Präsident Karl Wurm: "Wir haben Fehler begangen – trotz des Meistertitels"

Vikings-Präsident Karl Wurm: "Wir haben bei weitem nicht alles richtig gemacht"
Vikings-Präsident Karl Wurm: "Wir haben bei weitem nicht alles richtig gemacht" ©vienna.at/sportsshooter.at
Die Feierlichkeiten rund um den zehnten Meistertitel für die Raiffeisen Vikings sind vorüber. Vienna Online sprach mit Präsident Karl Wurm über die Saison. Im ersten Teil des Interviews mit Thomas Muck erklärt Wurm, was die Wiener Wikinger - trotz Meistertitel - falsch gemacht haben.
Interview mit Karl Wurm, Teil 2
Football-Special auf Vienna Online

Vienna Online: Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des 10. Staatsmeistertitels! Die Vikings haben im Kalenderjahr 2009 scheinbar alles richtig gemacht…
Karl Wurm: Wir haben bei weitem nicht alles richtig gemacht. Wir hatten ja einen sehr ehrgeizigen Plan. Dieser wurde mit allen abgesprochen. Also Coaches und Spieler waren immer vollständig informiert. Natürlich war zu Beginn eine Euphorie da. Die Situation erinnerte stark daran, als würden wir in einen Krieg ziehen. So nach dem Motto „Hurra wir sind dabei – koste es was es wolle“. Als dann die ersten Verletzten von der „Front“ heimgekommen sind war dann alles nicht mehr ganz so einfach. Dann kommt jeder drauf, dass dieser Plan doch nicht so einfach ist. So ist es uns heuer über weite Strecken der Saison ergangen. Einige mögen daran gezweifelt haben, aber am Ende wird dieser Weg wohl der richtige sein.

Vienna Online: Welcher Teil des Wikinger-Plans konnte 2009 schon erfolgreich umgesetzt werden?
Karl Wurm: Wir haben Matthias Kovacev als Konditionstrainer verpflichten können. Er hat seine Aufgabe sensationell gut gemacht. Die Mannschaft war noch nie so gut in Schuss wie heuer. Das war der wichtigste Punkt für uns in diesem Jahr!

Vienna Online: Blicken wir auf die Saison 2009 zurück. Wie war die Saison aus Ihrer Sicht?
Karl Wurm: Begonnen hat alles mit einem Heimspiel gegen die Blue Devils aus Hohenems. Gut das Spiel selbst war eher eine Schlammschlacht. Danach haben wir eigentlich massiv begonnen zu verlieren. Dann ist uns bewusst geworden, dass die Saison heuer sehr schwierig wird.
Wir haben dann eigentlich das genommen was uns die Liga gegeben hat. Wir haben aufgrund des Modus gewusst, dass du eigentlich nur drei Spiele (Anm.: Wildcardspiel, Semifinale, Austrian Bowl) gewinnen musst, um österreichischer Meister zu werden – und genau das haben wir ausgenutzt. Was jetzt nicht heißt, dass wir absichtlich nicht gewinnen wollten. Aber Chris Calacay hat mir beigebracht, dass du nicht immer nur rein das Resultat betrachten darfst. Es gilt auch das Spiel zu filtrieren. Wir haben gewusst es fehlt nicht viel zum Erfolg. Der Wendepunkt war mit Sicherheit das Heimspiel gegen die Graz Giants. Als ich nach dem Spiel gesehen habe wie euphorisch der Sieg von der Mannschaft gefeiert wurde habe ich gewusst, dass der Weg stimmt.

Vienna Online: Herr Präsident, Sie haben Fehler angesprochen. Welche wurden hier gemacht?
Karl Wurm: Beispielsweise der Umgang mit den beiden Spielmachern. Wir haben hier schlecht und teilweise falsch kommuniziert. Aber auch hier mussten wir lernen. In den Jahren zuvor wurde ein Amerikaner geholt. Der hat alle mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Heuer hatten wir zwei junge, hungrige Österreicher, die gleichwertig waren. Das war auch für uns neu!

Vienna Online: Was war neben dem Gewinn der Austrian Bowl für Sie das Schönste an der Saison 2009?
Karl Wurm: Wir haben wieder Freude am Spiel. Es ist wieder Feuer in der Mannschaft. Bestes Beispiel dafür war die Trainingsbeteiligung vor der Austrian Bowl. Alle Spieler des kompletten Kaders waren beim letzten Training. Auch die verletzten Spieler. Das war in der Phase unserer erdrückenden Dominanz anders! Da kamen zum Abschlusstraining vor einem Euro Bowl Finale 17 Spieler. Der Erfolg hat uns alle gesättigt. Aber jetzt ist es anders! Wir freuen uns über jeden schönen Spielzug und sind wieder eine Einheit.

Vienna Online: Vieles deutete heuer auf ein zweites Jahr ohne Titel für die Kampfmannschaft hin. Die Fans der Vikings haben aber dem Team immer die Treue gehalten…
Karl Wurm: Heuer war für die Fans auch kein leichtes Jahr. Nach Jahren der Dominanz kamen logischerweise viele Fragen auf, warum wir den Schritt getan haben. Das war logisch. Es ist auch klar, dass viele in der Niederlagenserie unzufrieden waren. Aber ich muss unseren Fans generell ein großes Kompliment aussprechen. Sie haben uns auch in den schwierigsten Phasen grandios unterstützt. Selbst als wir massiv verloren haben sind die Zuschauerzahlen nicht eingebrochen – im Gegenteil! Wir hatten einen zwölften Mann an unserer Seite der die Mannschaft bedingungslos unterstützte.

Vienna Online: Sie haben Kritik von Seiten der Fans angesprochen. War das nicht zu erwarten nach den Jahren der Dominanz?
Karl Wurm: Wenn ich es im Vergleich zu anderen Sportarten sehe, dann ist Kritik wohl das falsche Wort. Denn es gab zwar kritische Stimmen aber dass ist doch völlig legitim und sogar erwünscht. Denn ohne Kritik aus den eigenen Reihen kannst du das eigene Konzept nicht nachbessern.

Vienna Online: Abschließende Frage: Was wird ihnen von der Kampfmannschaftssaison 2009 in Erinnerung bleiben?
Karl Wurm: (überlegt) Viel! Sehr viel! Wohl am stärksten wird das Gefühl bleiben, dass die Vikings wieder über eine hungrige Mannschaft verfügen!

Im zweiten Teil des Interviews spricht Karl Wurm über die B-Europameisterschaft in Wolfsberg und über die bevorstehende Weltmeisterschaft im Jahr 2011!

Das Gespräch führte Thomas Muck
In Kooperation mit sportreport.at

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