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Vierter Tag im Immofinanz-Prozess: "Petrikovics über Verlust informiert"

Immofinanz-Prozess - Thornton: "Petrikovics über Verlust informiert"
Immofinanz-Prozess - Thornton: "Petrikovics über Verlust informiert" ©APA
Am vierten Tag im Immofinanz-Prozess in Wien sagte nun der angeklagte Christian Thornton, der für die Buchhaltung von Tochtergesellschaften der Constantia Privatbank (CPB) und Immofinanz-Gruppe zuständig war, aus. Er berichtete mehrere Stunden detailliert über die inkriminierten Aktienoptionsgeschäfte und meinte Petrikovics wäre über Verlust informiert gewesen. Auch Treuhänder Ernst Hable wurde befragt.
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Am Dienstag, den 22. Jänner hat am Wiener Landesgericht der Immofinanz-Strafprozess begonnen. Richterin Claudia Moravec-Loidolt eröffnete die Hauptverhandlung gegen Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics, seinen früheren Vorstandskollegen Christian Thornton, den ehemaligen Vize-Aufsichtsratschef der Constantia Privatbank, Helmut Schwager, sowie den Treuhänder Ernst Hable. Der fünfte Angeklagte, Ex-Immofinanz-Vorstand Norbert Gertner, ist wegen einer Erkrankung nicht vor Gericht erschienen.

Christian Thornton vor Gericht

Christian Thornton habe ausschließlich auf Anweisung von Ex-Bankchef Karl Petrikovics gehandelt, so der ehemals enge Mitarbeiter von Petrikovics. Er gab an, dass er Petrikovics im Jahr 2006 über drohende Verluste bei einer Banktochter aufgrund der sogenannten Hable-Optionen informiert hatte. “Wie rechtfertigt sich Ihr Gehalt, wenn Sie gar nichts alleine machen konnten?”, wollte die Richterin wissen. Er habe zwischen 80 und 100 Stunden in der Woche gearbeitet, nicht nur für die Tochtergesellschaften der Bank, sondern auch für jene der Immofinanz/Immoeast, betonte Thornton. Es habe aber generell für alle Bereiche gegolten, dass keine Entscheidungen ohne Petrikovics getroffen wurden.

Im Jänner 2006 sei er von Petrikovics informiert worden, dass der – nunmehr mitangeklagte – Treuhänder Ernst Hable als wichtiger Bankkunde bei den Immofinanz/Immoeast-Kapitalerhöhungen zu kurz gekommen wäre, sagte Thornton heute, Freitag, den 25. Jänner aus. Dass Hable damals treuhändig für Petrikovics, den angeklagten CPB-Vorstand Norbert Gertner und den Ex-Aufsichtsratsvize der Bank, Helmut Schwager, tätig war, habe er nicht gewusst. Im Februar 2006 habe er die Optionen mit Hable ausgearbeitet.

Immofinanz-Prozess in Wien

Beim Prüfen der geplanten Hable-Option sei ihm und einem Mitarbeiter aufgefallen, dass ein Verlust in Höhe von rund 7,7 Mio. Euro bei der durchführenden CPB IMV, einer Tochter der Bank, drohte. Er habe zwar Petrikovics informiert, dieser habe den drohenden Verlust aber ohne besondere Reaktion zur Kenntnis genommen, schilderte Thornton, der u.a. Geschäftsführer bei der CBM IMV war. Er habe daraus gefolgert, dass die Transaktion gebilligt wäre. “Aufgrund der Nichtreaktionen aller Organe ging ich davon aus, dass es in Ordnung war”, schilderte er heute, denn der Verlust wurde ja auch später offen ausgewiesen und im Management-Letter der Wirtschaftsprüfer dokumentiert.

Richterin Claudia Moravec-Loidolt wunderte sich immer wieder, wie Transaktionen in Millionenhöhe zwischen Töchtern der Bank und Immofinanz-Gruppe ohne schriftliche Vereinbarungen erfolgten. Darauf meinte Thornton, dass Petrikovics nicht nur als Co-Geschäftsführer in einigen Töchtern auftrat, sondern auch als Gesellschafter-Vertreter. Die Finanztransaktion sei eine “Barvorlage” einer Gesellschaft im Konzern an eine andere gewesen. Üblicherweise wurden diese kurzfristig wieder ausgeglichen, aber “dieser Fall war ein Sonderfall.”

Der Millionenverlust blieb nämlich in der Banktochter. Laut Anklage entstand dieser Verlust und damit Schaden für das Unternehmen, weil verdeckt die Aktiendeals der Angeklagten finanziert wurden. Thornton verteidigte sich, dies sei offenbar von Petrikovics so gewollt gewesen. Da hakte die Richterin energisch nach: “Die Gesellschafter-Weisung ersetzt alles?”.

Treuhänder Hable:”Vertrag wurde rückdatiert”

Mit einer kurzen Befragung des mitangeklagten Treuhänders Ernst Hable ging der heutige vierte Tag im Immofinanz-Strafprozess zu Ende.  Dass die von ihm im Februar 2006 abgeschlossenen Treuhandvereinbarungen um Jahre rückdatiert wurden, habe ihn nicht gestört. “Hat sie das weit zurückliegende Datum irritiert?”, wollte Richterin Claudia Moravec-Loidolt vom Angeklagten wissen. “Die Optionen wurden zu diesem Zeitpunkt eingeräumt, daher hab ich kein Problem gesehen, dass ich die Treuhandschaft ab dem Datum übernehme”, meinte Hable. “Es hat zeitbezogen nicht den Tatsachen entsprochen”, räumte er heute ein, “aber fachbezogen schon”. Er sehe das auf der Vereinbarung festgehaltene – falsche – Datum nicht als “Abschlussdatum”, sondern als “Wirksamkeitsdatum”.

Petrikovics habe ihm versichert, dass es für die Aktiengeschäfte einen Aufsichtsratsbeschluss gebe. Das habe er auch nicht als unüblich gesehen, da Stock Options für Vorstände oder Aufsichtsräte im Aufsichtsrat üblicherweise im Personalausschuss vertraulich beschlossen würden, damit die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat rausgehalten würden, meinte Hable.

Wie die Finanzierung dieser Aktiendeals erfolgte und ob überhaupt Aktien vorhanden gewesen waren, das habe er damals nicht gewusst, räumte Hable ein. Gegenüber dem mitangeklagten Christian Thornton, damals Leiter des Rechnungswesens bei der Constantia Privatbank (CPB) und für die Konzerntöchter zuständig, habe er seine Treuhandschaft nicht offengelegt.

Treuhänder Ernst Hable wurde befragt

Hables Treuhandschaft diente laut Ankläger Volkert Sackmann nur dazu, dass Petrikovics, Gertner und Schwager ihre Aktienoptionsgeschäfte glattstellen konnten und der Gewinn über Hable an sie überwiesen werden konnte, ohne dass dabei die Namen der drei aufschienen. Hable schilderte auch, er habe auf Anweisung von Petrikovics dann die Geschäfte glattgestellt. Der Gewinn aus dem Aktienverkauf, rund 20 Millionen Euro, wurde im Dezember 2006 bzw. im Jänner 2007 an Hable überwiesen. Dieser teilte das Geld umgehend auf Petrikovics, Gertner und Schwager im Verhältnis von 3 zu 2 zu 2 auf. Hable behielt nur 1.800 Euro für Bankspesen ein.

Wenn er gewusst hätte, was die Hintergründe waren, hätte er die Treuhandschaft nie übernommen, versicherte Hable heute auf der Anklagebank. Denn er sei dadurch nun in ein Strafverfahren verwickelt worden. Er habe die Treuhandschaft “unentgeltlich und ehrenamtlich” ausgeübt, wie alle seine Treuhandschaften, beteuerte er. Dass nun das “Faktum Hable” angeklagt sei, habe er erst beim Lesen eines “Format”-Berichts erfahren, schilderte er zur Belustigung der Zuhörer: “Man sollte mehr Zeitung lesen”. Und: “Treuhandschaften sollten verboten werden”, meinte der eloquente Angeklagte. In manchen Ländern sei das auch schon so.

Hable ist laut Firmenbuch mit Petrikovics lange verbunden gewesen: Petrikovics war über ein Jahrzehnt lang Vorstand in der “Hable Privatstiftung”, die laut Hables Angaben im Prozess 40 bis 45 Mio. Euro schwer ist.

(APA)

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