Vier Jahre Haft für „Immobilienkaiser“

Vier Jahre Haft für den ehemaligen Wiener „Immobilienkaiser“ - Für Betrügereien mit 450.000 Euro Schaden - Am Ende konnte er nicht ein Mal mehr die Wurstsemmel beim „Billa“ bezahlen.

Einst galt er als Wiener „Immobilienkaiser“, der mit Prominenten aus Politik und Kultur Gewinn bringende Geschäfte abwickelte und in der Branche einen erstklassigen Ruf genoss. Als jedoch aus einigen Großprojekten nichts wurde, ging es mit dem Makler bergab. Er verschuldete sich, und als der Schuldenberg zu groß wurde, verlegte er sich auf Betrügereien. In der vergangenen Woche wurde der mittlerweile 60-Jährige im Straflandesgericht wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs (Gesamtschaden: 450.000 Euro) rechtskräftig zu vier Jahren Haft verurteilt.

Kein Geld für Wurstsemmerl

Am Ende war der ehemals so erfolgreiche Geschäftsmann so tief unten, dass er nicht ein Mal mehr die Wurstsemmel beim „Billa“ bezahlen konnte. Statt der 1,13 Euro hinterlegte er seinen Führerschein, den er nicht mehr abholte – offensichtlich mangels Bargeld. Dafür bestellte er sich seinen eigenen Aussagen nach junge Prostituierte, die er mit dem Taxi zu sich und wieder wegbringen ließ. Für ihre Dienste wurden weder die Liebesdienerinnen noch die Lenker entlohnt.

Bei den nobelsten Juwelieren orderte der 60-Jährige sündteure Uhren. So zierte etwa eine „Roger Dubuis“ im Wert von 36.000 Euro sein Handgelenk. Er erwarb auch Kunstwerke bekannter Maler oder vergnügte sich bei einem mehrtägigen Aufenthalt auf Schloss Dürnstein, wo er sich ausgiebigst und ohne zu zahlen massieren ließ.

Vom Spittal in die U-Haft

Als ihn schließlich mehrere Gläubiger aufsuchten und bedrängten, er möge doch endlich seine Schulden begleichen, erlitt der Mann einen Herzinfarkt. Die Polizei wurde gerufen, und erst so erfuhren die Behörden vom Ausmaß seiner betrügerischen Machenschaften. Der Makler wurde zuerst im Spital behandelt und dann in U-Haft genommen.

In seiner Zelle schrieb der Mann ehemaligen Klienten und Bekannte lange und bittere Briefe. Darin klagte er, er sei ein Opfer der Justiz. Der Sohn eines ehemaligen Bundespräsidenten fragte gleich im Gerichtspräsidium nach, weshalb der 60-Jährige denn eingesperrt worden sei. Kardinal Christoph Schönborn wiederum antwortete nach Angaben des Angeklagten persönlich: „Gott wird Sie nicht hängen lassen!“

„Ich werd’ ihm zurückschreiben, mein Anwalt hat mich nicht hängen gelassen“, prophezeite der 60-Jährige seinem Verteidiger Herbert Eichenseder nach der Urteilsverkündung. Er war mit der über ihn verhängten Strafe sichtlich zufrieden. Immerhin hätte der Schöffensenat (Vorsitz: Sonja Weis) einen Strafrahmen von bis zu zehn Jahren zur Verfügung gehabt.

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