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Vienna’s Lost Daughters erfreut über neuen Ton in der Politik

Zehn Tage verbringen Hennie Edelman, Susy Orne, Susanne Perl, Anita Weisbord, Dorit Whiteman, Alice Winkler und Eva Yachnes in Österreich.

Anlass ist der Start (ab 20.3.) des Dokumentarfilms „Vienna’s Lost Daughters“ von Mirjam Unger, die mit Hilfe der Frauen die Geschichte der zahlreichen emigrierten Jüdinnen und Juden nach dem Zweiten Weltkrieg nachzeichnet. Bei einer Pressekonferenz am Freitag sprachen sieben der acht Protagonistinnen über die schwere Zeit der Flucht, den harten Beginn in den USA und ihre Gefühle, wieder in Wien zu sein.

Vor zweieinhalb Jahren haben die Fernsehjournalistinnen Sonja Ammann und Lisa Juen die Idee geboren, einen Film über jüdische Emigrantinnen in New York zu machen. Die Produktionsfirma Mobilefilm hat kurze Zeit später die Regisseurin Mirjam Unger angeheuert, im Sommer 2005 begann der siebeneinhalbwöchige Dreh in New York und Wien. Interviewt wurden schließlich acht Frauen, die in ihrer Kindheit und Jugend aus Wien zuerst nach England und später in die USA fliehen mussten.

Wenige Tage vor der Uraufführung des Films bei der Diagonale in Graz sind die bis auf Rosalie Berezow angereisten Frauen sichtlich aufgeregt, beantworten geduldig und ausführlich die Fragen der Journalisten. „Wien ist moderner geworden“, erzählt etwa Anita Weisbord, die die Vergangenheit jedoch auch jetzt immer wieder einholt. „Wenn ich junge Leute sehe, frage ich mich immer: Was hättest du unter Hitler gemacht? Hättest du uns verraten oder wärst du selbst verfolgt worden?“

Auch die Sprache ist der rüstigen Dame mittlerweile zum Teil abhanden gekommen, was wunderbare Sätze hervorbringt: „Ich liebe Wien und at the same time fühle ich mich nicht comfortable“. Als Touristin sieht sich gar Dorit Bader Whiteman, die als Psychologin und Autorin über die Vertreibung im Zweiten Weltkrieg geforscht hat. Sie spricht gar kein Deutsch mehr, da sie schon als Sechsjährige floh. Ihr und „vielen, die ich interviewt habe“, gehe es heute wesentlich besser mit Österreich als noch vor 15 Jahren: “1993 habe ich 190 emigrierte Juden befragt, viele verbanden negative Gefühle mit Österreich. Sieben Jahre später hat sich die Einstellung gewandelt.“

Dazu beigetragen habe die Art und Weise, „wie die österreichische Politik mit uns umgegangen ist.“ Ausschlaggebend für die späte Versöhnung mit Österreich sei auch die Bereitschaft gewesen, über Restitution zu sprechen, „der Ton, mit dem man mit uns verkehrt, hat sich in den letzten Jahren stark verbessert“, so Whiteman. Wie wichtig die Kindertransporte damals gewesen waren, wollen die Frauen nicht vergessen: „Innerhalb von zehn Monaten wurden 10.000 Kinder gerettet. 90 Prozent davon haben ihre Eltern nie wieder gesehen.“

Wichtig ist den Frauen aber auch, die „ganz junge Generation“ mit dem Film anzusprechen. Befürchtungen, diese Altersgruppe würde sich dafür nicht mehr interessieren, wurden bereits im Vorfeld zerschlagen. „Ich bin begeistert, wie groß das Interesse ist“, so Alice Winkler, die sich auch Mühe gegeben hat, ihre eigenen Kinder mit ihren Wurzeln vertraut zu machen. „Ich hoffe, dass der Film die Jugend dazu bringt, so etwas nie wieder zuzulassen.

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