US-Orchester in der Krise

Es trommelt und dröhnt in den US-amerikanischen Orchestern. Und nicht die Pauken, Bläser und Streicher sind dafür verantwortlich - sondern die schwere finanzielle Krise, in der sich die Klassikbetriebe quer durch die Vereinigten Staaten momentan befinden. An allen Ecken und Enden wird gestreikt, sogar die Spitzenorchester des Landes sind unter massivem Zugzwang.


Nicht wenige Konzertsäle sind in den vergangenen Tagen und Wochen der Verhandlungen geschlossen geblieben, viele Saisonauftakte standen unter dem langen Schatten von Kürzungen.

Auch einige der “Big Five” sind betroffen: Chicago, Boston, New York, Philadelphia und Cleveland. In der Vorwoche streikten die Musiker des Chicago Symphony und ließen ein Konzert unter Chefdirigent Riccardo Muti ausfallen – nach 48 Stunden erreichte man eine Einigung in den Verhandlungen, und machte sich auf zum Carnegie Hall Galakonzert mit Anne-Sophie Mutter. Über die Details des neuen Kollektivvertrages ist bisher allerdings wenig bekannt.

Dass Geld fehlt, darüber herrscht Einigkeit. In die hochgelobten amerikanischen Orchester fließt so gut wie keine öffentliche Förderung, in manchen Staaten mehr, in manchen weniger, in einigen wurde auch das Wenige gestrichen. Gegründet wurden die meisten Orchester von wohlhabenden Familien, die das kulturelle Leben ihrer Stadt bereichern wollten. Viele leben von Stiftungsvermögen, das ihnen von ihren Mäzenen überlassen wurde, dazu kommen Spenden und Karteneinnahmen.

Die Einnahmen aus diesen beiden Quellen sind seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 allerdings dramatisch gesunken. Allerorts spricht man nun von einem “strukturellen Defizit” – die Sparmaßnahmen treffen hauptsächlich die Musiker. In einem über YouTube bereits tausendfach verbreiteten Video appellieren die Instrumentalisten des Minnesota Orchestra an Management, Publikum und Sponsoren, nicht “aus einem Orchester die Musik zu streichen”.

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