UNICEF: Gewalt gegen Kinder als ungelöstes Problem

Kinder tragen ihre Erfahrungen ein Leben lang mit
Kinder tragen ihre Erfahrungen ein Leben lang mit
Von einem erschreckenden Ausmaß an "körperlichen, sexuellen und seelischen Misshandlungen", denen Kinder und Jugendliche weltweit in ihrem näheren Lebensumfeld ausgesetzt sind, berichtet der aktuelle Report des UNO-Kinderhilfswerks. Man müsse die Realität hinter den Statistiken zur Kenntnis nehmen, forderte UNICEF-Direktor Anthony Lake in einem Statement am Donnerstag.


Gewalt gegen Kinder durch Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde oder Mitschüler aus 190 Ländern wurden für den Report “Hidden in Plain Sight” untersucht. Das ernüchternde Ergebnis: “Einstellungen, die Gewalt rechtfertigen, sie stillschweigend hinnehmen oder als nicht schädlich ansehen, sind weitverbreitet” – und zwar weltweit. Drei von zehn Erwachsenen sind der Meinung, dass körperliche Züchtigungen zur Erziehung dazugehören. Meist herrschen solche Einstellungen vor allem bei Erwachsenen mit geringer Bildung und in sehr armen Familien vor.

Die Folgen bleiben mitunter lebenslang sichtbar, warnte die UNICEF, und Kinder, die in einer gewaltdominierten Umgebung aufwachsen, setzen die gelernten Strategien in Konfliktsituationen später häufig selbst ein. Schläge, Anschreien und andere Formen der Misshandlung wie Einsperren gehören für viele Kinder auf der Welt weiter zum Alltag. Daten aus 58 Staaten zeigen, dass dort 17 Prozent der Kinder immer wieder harte Schläge ins Gesicht, auf den Kopf oder schwere Prügel erhalten.

Im Fall der sexuellen Gewalt zeigte sich, dass schätzungsweise jedes zehnte Mädchen auf der Welt in ihrem Leben die Erfahrung macht, zu sexuellen Handlungen gedrängt oder gezwungen zu werden. Die Aggressoren sind in den meisten Fällen (Ehe-)Partner oder Freunde. Während das Phänomen zwar oft mit armen Ländern oder Krisengebieten in Verbindung gebracht wird, ist es jedoch auch in Industrieländern verbreitet, berichtete die UNICEF. Den Schätzungen zufolge ist nahezu jedes dritte Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren in einer formalen Partnerschaft Opfer von emotionalen körperlichen oder sexuellen Misshandlungen durch ihren Partner.

Die Hälfte aller jungen Frauen in dieser Altersgruppe ist der Meinung, dass ein Ehemann oder Partner berechtigt sei, seine Frau unter gewissen Umständen zu schlagen. Daten aus 30 Ländern dokumentieren in dem Report zudem, dass sieben von zehn Mädchen, die Opfer sexueller Gewalt waren, niemals Hilfe gesucht haben.

Was die tödliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche betrifft, so weisen hier Lateinamerika und die Karibikregion höchste Ausmaß auf – gefolgt von Westafrika. Im Jahr 2012 wurden weltweit rund 95.000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren ermordet. Der Großteil von ihnen stammt aus Entwicklungs- und Schwellenländern.

Österreich hat als viertes Land von aktuell 39 Staaten 1989 das Gewaltverbot in der Erziehung eingeführt. 2011 beschloss der Nationalrat das “Bundesverfassungsgesetz über die Rechte der Kinder”.

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