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Umstrittene Wiener Festwochen-Aktion: Integrationscamps für Österreicher

Die Integrationscamps, eine satirische Aktion bei den Wiener Festwochen, sollen Österreicher besuchen
Die Integrationscamps, eine satirische Aktion bei den Wiener Festwochen, sollen Österreicher besuchen ©God’s Entertainment
Für viel medialen Wirbel sorgt derzeit ein aufsehenerregendes Projekt im Rahmen der Wiener Festwochen. Eine Künstlergruppe namens "God's Entertainment" veranstaltet sogenannte "Integrationscamps" in der Stadt, bei denen endlich all jene Integration lernen sollen, die es deren Meinung nach am nötigsten haben - nämlich die Österreicher.
Das Festwochen-Programm

Das “forum festwochen” widmet sich im Rahmen der Wiener Festwochen nach eigenen Angaben dem schwierigen Begriff Integration. “Neben der ‘Gastarbeiter Opera’, bei der das Publikum mitwirken darf, sind die Mehrheitsösterreicher (…) eingeladen, an den Integrationscamps von God’s Entertainment teilzunehmen. Gemeinsam mit Mitgliedern einer Minderheit, mit der man sich integrieren möchte, lernen Österreicher in in verschiedenen Paketen – für Anfänger und Fortgeschrittene – Basisfertigkeiten der Integration,” beschreiben die Veranstalter die Aktion in einer Aussendung. Wie nicht anders zu erwarten, sorgt das satirische Event für einigen Unmut – allen voran natürlich bei der FPÖ, die den Aufruf “Österreicher, integriert euch!” wie nicht anders zu erwarten als Affront empfindet.

Integrationsdebatte einmal anders

Wie es auf der Homepage der Aktivisten von God’s Entertainment heißt, soll die Aktion darauf hinweisen, dass die Integrationsdebatte “eine Chimäre” ist. “God’s Entertainment dreht deshalb den Spieß um und eröffnet ein Integrationslager für Österreicher – im eigenen Land,” so die Begründer der Integrationscamps-Aktion. Einheimische sollen ihnen zufolge die Chance nützen, sich “von Minderheitenphobien heilen” zu lassen. Hautnah will man Herrn und Frau Österreicher auf diesem Wege mitbestimmen lassen, “in welche Kreise von Migranten und anderen Anderen sie sich überhaupt integrieren lassen wollen.” Denn Integration sei “kein Honiglecken”, wie es im Programm zur Veranstaltung heißt. Man wolle, wie God’s Entertainment auf ihrer Website erklären, damit “die Integrationsdebatte vom Kopf auf die interkulturellen Füße” stellen und radikal demokratisieren. “Nach all der Leitkultur, den Integrationskursen und Sprachprüfungen, die unsere zugewanderten Mitbürger absolviert haben, fordert God’s Entertainment nunmehr die Hiergebliebenen auf, es den Hergekommenen gleichzutun: Österreicher integriert Euch!”, so die Performance-Gruppe.          

Das passiert in den Integrationscamps

Und wie funktionieren die Integrationscamps nun? Am Anfang stand eine Umfrage – um zu ermitteln, mit wem den Österreichern das tolerante und friedliche Zusammenleben besonders schwerfällt. An Informationsständen in allen Bezirken wurde erhoben, welche Minderheiten von der jeweils einheimischen Bevölkerung als besonders problematisch empfunden werden. Im Zuge dessen warb man Freiwillige an – gesucht wurden “waschechte” Österreicher, die Bereitschaft zur eigenen Integration mitbringen.

In den sogenannten Integrationsmobilen an drei verschiedenen Wiener Lagerplätzen (zwei Mal in Wien-Neubau, einmal in Wien-Meidling) werden schließlich drei Tage lang Vertreter der ermittelten Hauptproblemgruppen Integrationswillige empfangen und integrieren – täglich von 10 bis 21 Uhr. Am Urban-Loritz-Platz, an der Ecke Mariahilfer Straße/Museumsplatz sowie am Meidlinger Platzl können “Einheimische ohne Integrationsbedarf”ab 18 Uhr stündlich an Führungen durch das Integrationslager teilnehmen, um ihre integrationswilligen Landsleute und deren Integratoren kennenzulernen. “Nichtösterreichern bleibt der Besuch dieser Integrationsmaßnahme ausnahmsweise einmal ganz erspart,” so die Veranstalter der Integrationscamps mit einem Augenzwinkern. Sämtliche Termine zur Aktion, die mit Unterbrechungen von 31. Mai bis 16. Juni stattfindet, sind online zu finden.

FPÖ nennt Aktion “Ungeheuerlichkeit der Sonderklasse”

Konkret “gelehrt” werden in den Camps nach Angaben der Veranstalter dann unter anderem Schwerpunkte wie Kopftuchtraining und Zwangsverheiratung. Kooperiert soll dabei mit “Integrationshelfern” aus Serbien, Kroatien, der Türkei oder aus Afrika werden. Auch Vertreter der stärksten Zuwanderergruppe sind mit dabei, nämlich deutsche Studenten.

Die FPÖ kritisiert die Integrationscamps erwartungsgemäß scharf. Heidemarie Unterreiner, ihres Zeichens kulturpolitische Sprecherin der FPÖ spricht in einem Statement, auf das God’s Entertainment auf ihrer Homepage selbst verlinken, von einer “Ungeheuerlichkeit der Sonderklasse”. Sie wettert gegen die Lernpakete für Österreicher, für die ihrer Ansicht nach ungerechtfertigterweise erhebliche Fördergelder aufgewendet werden. “Das ist auch noch ernst gemeint, kein Spaß!”, empört sich Unterreiner, die den Wiener Festwochen in diesem Zusammenhang die Salzburger Festspiele als Positivbeispiel entgegenhält.

(DHE)

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