Ulrike Lunacek: Spitzenkandidatin der Grünen im Portrait

Nationalratswal 2017: Portrait von Ulrike Lunacek - Die Grünen.
Nationalratswal 2017: Portrait von Ulrike Lunacek - Die Grünen. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Just am Tag ihrer Kür zur Spitzenkandidatin kam es zur Scheidung von Grünen und Peter Pilz, der Absturz in den Umfragen begann. Vom stärker werden am 15. Oktober ist längst keine Rede mehr, Schadenbegrenzung ist angesagt. Grünen-Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek im Portrait.
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Steckbrief von Ulrike Lunacek (Die Grünen)

Ulrike Lunacek (60 Jahre) Geboren am 26.05.1957 in Krems an der Donau
Beruf: Dolmetscherin (Englisch, Spanisch), Journalistin, Mitglied des Europäischen Parlaments, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments
Wohnort: Wien-Leopoldstadt, Brüssel-Ixelles
Familienstand: Lebensgemeinschaft
Beruflicher Werdegang:
1963 – 1967 Volksschule Amstetten und Wien
1967 – 1975 Gymnasium Kleine Sperlgasse, 1020 Wien
1973 – 1974 AFS-Schülerin an der High School in Boone, Iowa, USA
1975 – 1983 Dolmetsch-Studium für Englisch und Spanisch an der Universität Innsbruck
1981 – 1982 Aufbau des und Sozialhelferin im Frauenhaus Innsbruck
1984 – 1986 Referentin für die Organisation Frauensolidarität
1986 – 1988 Deutschlehrerin für politische Flüchtlinge aus Lateinamerika, Irak und Iran
1989 – 1992 Journalistin Südwind-Magazin
1993 – 1995 Pressereferentin des Österreichischen Informationsdienstes für Entwicklungspolitik (ÖIE) – heute “Südwind-Agentur”
1994 NGO-Delegierte bei der UNO-Weltbevölkerungskonferenz in Kairo
seit 1994 Obfrau der Frauensolidarität
1995 Koordination der Pressearbeit für die nichtstaatlichen Organisationen für die Weltfrauenkonferenz in Peking
Politischer Werdegang:
1995 erstmals Kandidatur für die Grünen für den Nationalrat
1996 – 1998 Bundesgeschäftsführerin der Grünen
1999 – 2009 Abgeordnete zum Nationalrat; stellvertretende Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses; Grüne Sprecherin für Außen- und Entwicklungspolitik sowie die Gleichstellung von LGBTI-Personen
2006 – 2009 Ko-Vorsitzende der Europäischen Grünen Partei (EGP)
seit 2009 Abgeordnete zum Europäischen Parlament; Berichterstatterin des Europäischen Parlaments für den Kosovo; Ko-Präsidentin der Intergroup für LGBTI-Rechte
2009 – 2013 Europasprecherin der österreichischen Grünen
2013 – 2014 Vizepräsidentin der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament
seit 2014 Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments

Ulrike Luncek: Die Grünen-Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl 2017

Von Anfang an sprachen viele von einem Himmelfahrtskommando, als Lunacek gemeinsam mit Ingrid Felipe einsprang, um die Partei nach dem abrupten Abschied Eva Glawischnigs im Frühjahr 2017 zu übernehmen. Die langjährige, bei der Wahl 2014 höchst erfolgreiche Europamandatarin – zuletzt war sie Vizepräsidentin des EU-Parlaments – ließ sich davon nicht beirren. “Es wird uns gelingen zuzulegen, stärker zu werden und ein Wörtchen mitzureden bei den Regierungsverhandlungen”, peilte sie beim Bundeskongress Ende Juni im Linz einen Zuwachs gegenüber dem Rekordwert von 12,4 Prozent bei der Nationalratwahl 2013 an.Inzwischen reden die Grünen gerade noch von der Zweistelligkeit, und auch dies halten Meinungsforscher, die teils schon die Liste Pilz und die NEOS weiter vorne sehen, für höchst unwahrscheinlich. Lunacek brennt dennoch weiter für ihre Partei: Weil es die Grünen in der Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtspolitik brauche, weil sie sich dem Nationalismus und dem Rechtsruck im Land entgegenstellen will. Angesichts des Dreikampfs von ÖVP, SPÖ und FPÖ und der Konkurrenz durch die Liste Pilz bleibt abzuwarten, ob sie sich damit Gehör verschaffen kann.

Mit Kampfgeist durch den Wahlkampf

Gekämpft hat Lunacek für so ziemlich alles, was sie bisher erreicht hat. Ihr Selbstbewusstsein schöpfte die offen lesbische Politikerin unter anderem aus ihrem Einsatz für die Rechte Homosexueller. Die Tochter des Generaldirektors der Raiffeisenwarenzentrale wuchs schnell zu einer weltoffenen Frau heran. Als Dolmetschstudentin für Englisch und Spanisch in Innsbruck unternahm sie unter anderem mehrere Südamerika-Reisen.

Schon früh war Lunacek für die Rechte von Frauen aktiv. Sie war etwa beim Aufbau des Innsbrucker Frauenhauses involviert, war Redakteurin des Magazins “Südwind” und Obfrau des Vereines “Frauensolidarität”. Weitere Stationen der passionierten Schwimmerin: Der Sportverein für Lesben und Freundinnen “Marantana”, das Österreichische Lesben- und Schwulenforum und das Wiener “TheaterBrett”, wo sie als Pantomime auftrat.

In denkbar schlechten Zeiten stieß Lunacek zu den Grünen. Sie kandidierte 1995 erstmals für den Nationalrat und erlebte eine vernichtende Niederlage der Partei. Ein Mandat blieb ihr vorerst verwehrt. Entschädigt wurde Lunacek ein Jahr später, als sie zur Grünen Bundesgeschäftsführerin avancierte. 1999 gelang schließlich der Sprung in den Nationalrat.

Im Hohen Haus angelangt, konnte Lunacek unbeirrt für die rechtliche Gleichstellung und soziale Akzeptanz homosexueller Menschen auftreten. Das tat sie stets mit Selbstbewusstsein, einengen ließ sie sich auf eine derartige Rolle allerdings nicht. Als außenpolitische Sprecherin holte sie sich auch – neben ihrer regen Reisetätigkeit und Sprachgewandtheit – das notwendige Rüstzeug für das Europaparlament, aus dem sie für die Nationalratswahl nach Wien zurückgekehrt ist.

Hier finden Sie alle Infos zur Nationalratswahl 2017.

(APA/Red)

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