Ukraine-Krieg beschäftigt russisch-orthodoxe Gemeinde in Wien

Der Ukraine-Krieg beschäftigt auch die russisch-orthodoxe Gemeinde in Wien.
Der Ukraine-Krieg beschäftigt auch die russisch-orthodoxe Gemeinde in Wien. ©APA/THOMAS RIEDER (Symbolbild)
Der russische Angriff gegen die Ukraine beschäftigt auch die russische-orthodoxe Kirchengemeinde in Wien.
LIVE-Blog zur Ukraine am Sonntag

Beim Gottesdienst am Sonntagvormittag blieben zwar in der Nikolauskathedrale explizite Aufforderungen an die russische Regierung aus, in seiner Predigt machte Erzpriester Wladimir Tyschuk zwischen den Zeilen seine kritische Haltung in Bezug auf den Krieg dennoch deutlich. Gemeindemitglieder bereiten sich indes darauf vor, Flüchtlingen aus der Ukraine zu helfen.

Ukraine-Krieg beschäftigt russisch-orthodoxe Gemeinde in Wien

Gemäß des orthodoxen Kirchenkalenders drehte sich der Gottesdienst am Sonntag um das Jüngste Gericht, das im Russischen auch "Furchtbares Gericht" heißt. Mit Verweis auf entsprechende Passagen des Matthäusevangeliums betonte Vater Wladimir die Wahlmöglichkeit des Menschen, Gutes oder Schlechtes zu tun, Menschen zu helfen oder sie zu erniedrigen. Gemeindemitglieder verstanden dies als implizite Positionierung gegen jenen Krieg, den Russland am 24. Februar gegen die Ukraine begonnen hat.

Turbulente Szene bei Predikt in russisch-orthodoxer Kirche in Wien

Nach Ende der Predigt kam es zu einer kurzen turbulenten Szene: Eine Ukrainerin aus der nordostukrainischen Stadt Sumy, die ihren Aussagen zufolge von russischen Truppen belagert wird, kniete sich vor den Geistlichen. Sie flehte ihn an, sich angesichts einer katastrophalen humanitären Situation für einen Korridor für Frauen und Kinder einzusetzen, damit diese über die nahe russische Grenze vor Kriegshandlungen fliehen und ihr Leben in Sicherheit bringen könnten. Richtung Süden nach Kiew sei im Moment keine Flucht möglich, erzählte sie später.

Russe nahm Kontakt mit Ukrainerin auf

Vater Wladimir ging selbst nicht weiter auf die Bitte ein, vor der Kirchentür suchte jedoch ein Russe, Ende Vierzig, den Kontakt zur Ukrainerin. Er gab sichtlich vor, für die russische Botschaft zu arbeiten und garantierte, dass eine schriftliche Mitteilung der Ukrainerin Beachtung finden würde. Trotz seines nicht zu fortgeschrittenen Alters bezeichnete er sich als Offizier der 1991 aufgelösten Sowjetunion, der später auch in Tschetschenien tätig gewesen sei. Er trug zudem jene Art von schwarzer Ledertasche, die für Geheimdienstmitarbeiter im postsowjetischen Raum typisch ist.

"Gebe die GArantie, dass zivile Objekte nicht beschossen werden"

"Ich gebe Ihnen die Garantie, dass zivile Objekte nicht beschossen werden", sagte der mutmaßliche Geheimdienstler und weckte damit den Widerspruch der Ukrainerin aus Sumy sowie eines weiteren Ukrainers aus Charkiw. Als letzterer dem Russen Videos von konkreten Zerstörungen zeigen wollte, begann ihn dieser aggressiv zu duzen, schimpfte über Amerikaner und forderte den Charkiwer auf, mit ihm auf die Straße zu gehen. Der Charkiwer wich der impliziten Drohung und einer weiteren Konfrontation aus.

Erörtert, wie man Flüchtlingen aus der Ukraine in Österreich hilft

Weniger konfrontativ ging es indes in der internen Kommunikation der Mitglieder der Kirchengemeinde zu, wo intensiv erörtert wurde, wie man konkret Flüchtlingen aus der Ukraine in Österreich helfen könne. Mit wohlwollendem Interesse wurden dabei auch die Initiativen der ukrainischen Kirchengemeinde St. Barbara beobachtet, die sich derzeit mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigt. Ohne selbst das Wort "Krieg" zu verwenden, kündigte der Administrator der Diözese von Wien und Österreich, Bischof Aleksij, am Sonntag am Ende des Gottesdienstes an, dass die Gemeinde beginne, Geld für Personen zu sammeln, die in Mitleidenschaft gezogen worden sind.

(APA/Red)

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