Tausende Frauen jährlich verkauft

Tausende Mädchen und Frauen werden jedes Jahr aus Nepal an Zuhälter in der indischen Hafenstadt Bombay verkauft, und dort infizieren sich viele von ihnen mit Aids.

Es gibt internationale Abkommen gegen den Menschenhandel in Südasien, einzelne Täter wurden schon zu hohen Haftstrafen verurteilt – aber die Vergewaltigung und Versklavung der Frauen geht weiter.

Genaue Zahlen gibt es nicht. Offiziell ist in Nepal von 5.000 Frauen und Mädchen die Rede, die jedes Jahr verkauft werden. Anuradha Koirala von der Hilfsorganisation „Maiti Nepal“ geht von 18.000 Opfern jährlich aus. 200.000 Nepalesinnen müssen in Bordellen in Indien arbeiten, 40.000 von ihnen sind noch keine 18 Jahre alt, schätzt die Regierung Nepals.

Die Ursache ist die extreme Armut in den abgelegenen Dörfern des Himalaya-Königreichs. „Es ist sehr schwer, in den Dörfern genug zu verdienen, um für sich und seine Familie zu sorgen. Für jeden sind gutes Essen, guter Lohn und gute Kleidung Versuchung genug, das Dorf zu verlassen“, sagt T.P. Pradhan, der in ländlichen Regionen auf die Gefahren hinweist, in die Eltern ihre Töchter schicken.

„Es wäre falsch anzunehmen, dass die Eltern der Mädchen immer mit den Zuhältern zusammenarbeiten, um sie in die Prostitution zu verkaufen“, sagt Koirala. Viele glauben nur zu gerne den Agenten, die den Mädchen legale Jobs versprechen und den Eltern einen angeblichen Vorschuss auf den Lohn in die Hand drücken.

Für 5.000 Rupien (75 Euro) geben Familien ihre Töchter weg. Die Menschenhändler kassieren das Zehn- bis Dreißigfache, wenn sie sie bei den Bordellbesitzern in Bombay abliefern. Manche Familien wissen allerdings genau, was sie tun. Uma, die aus den Händen von Zuhältern befreit wurde, sagt, ihre Tante und ihr Onkel hätten sie selbst nach Bombay gebracht.

Auch Heiratsschwindler verkaufen Mädchen. Nabraj Lamsal wurde festgenommen, weil er innerhalb eines Jahres 14 Mädchen geheiratet und dann an Bordelle verkauft hatte. Wie auch immer die Täter vorgehen – Menschenhandel wird auch in Nepal hart bestraft. Ende vergangenen Jahres wurde ein Täter, der sechs junge Frauen nach Indien geschmuggelt hatte, zu 90 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Problem ist, dass die meisten Menschenhändler unerkannt bleiben. Die Grenze zwischen Indien und Nepal ist offen. „Maiti Nepal“ postiert eigene Leute an den Übergängen, um die Zuhälter abzufangen und anzuzeigen, wenn sie Mädchen ins Nachbarland bringen. Koirala ist aber sicher, dass sie alleine wenig ausrichten kann.

Die Frauen und Mädchen werden in Indien nicht nur vergewaltigt und sexuell ausgebeutet. Koirala, deren Hilfsorganisation sich auch um Heimkehrerinnen kümmert, hat festgestellt, dass 80 Prozent der Frauen HIV-positiv sind, wenn sie nach Nepal zurückkommen. Außerdem leiden viele unter Tuberkulose oder Hepatitis. Manche sind schwanger.

Die südasiatische Staatengemeinschaft SAARC, zu der auch Indien und Nepal gehören, vereinbarte im Jänner, etwas gegen den Menschenhandel zu tun. Konkrete Schritte stehen aber noch aus.

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