Störfunk in Hadersdorf

Durch die Errichtung von sechs Handymasten fürchten Anrainer in der Cottagestraße um ihre Gesundheit.

Großer Aufruhr herrscht derzeit in der Cottagestraße in Hadersdorf. In dem ruhigen Wohnviertel steht die Errichtung einer UMTS-Sendeanlage durch die „Mobilkom Austria“, bestehend aus sechs UMTS-Sendern, unmittelbar bevor. Die Sendeanlage soll in der Cottagestraße 11, am Dach eines Privathauses errichtet werden. Ein Umstand, den die Anrainer nicht so ohne weiteres hinnehmen wollen. Die Hadersdorfer fürchten sich vor möglichen gesundheitsschädlichen Strahlungen und haben sich zu der Bürgerinitiative HAWEI (Hadersdorf-Weidlingau) zusammengeschlossen, die den Bau der Mobilfunkantennen verhindern will.

„Die ‚Mobilkom Austria‘ hat schon seit langer Zeit einen Aufstellungsort für ihre Sendeanlage gesucht und nahezu alle Grundstücksbesitzer im Grätzel kontaktiert“, berichtet der Allgemeinmediziner Roland Stocker, der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt. Trotz der hohen Miete, welche die „Mobilkom“ bereit sei zu zahlen, seien mehrere Projekte dank dem Widerstand der Bürger in den letzten Jahren nicht zustande gekommen. Stocker: „Die Menschen fürchten die möglichen Auswirkungen auf ihre Gesundheit, Lebensqualität und Werterhalt ihrer Liegenschaft.“ Der Mediziner verweißt dabei auf den Paragraphen 73, Absatz 2 des Telekommunikationsgesetzes, der folgendermaßen lautet: „Bei der Errichtung und dem Betrieb von Funkanlagen und Telekommunikationsendeinrichtungen müssen der Schutz des Lebens und der Gesundheit von Menschen (…) gewährleistet sein.“ Nach Ansicht der Initiative HAWEI ist diese Gewährleistung aber nicht gegeben.
Die „Mobilkom“ verweist hingegen darauf, dass die von der internationalen Strahlenschutzkommision empfohlenen Grenzwerte ohnehin eingehalten würden. Dieser Grenzwert liegt bei 9.000 Milliwatt pro Quadratmeter (mW/m2). Nach Ansicht von HAWEI ist er aber zu hoch angesetzt. „Kurioserweise hat sich die Stadt Wien von den Mobilfunkbetreibern für Gemeindebauten einen Wert von 10 mW/m2 ausbedungen“, wundert sich Stocker. „Warum muss sich der Rest der Bevölkerung mit 9.000 mW/m2 sicher fühlen?“

Der Streit über die Handymasten sorgt auch auf bezirkspolitischer Ebene für Reibereien. BV-Stellvertreter Franz E. Lerch (ÖVP) mokiert sich in einer Aussendung darüber, dass die „SPÖ erneut eindrucksvoll demonstriert hat, wie wenig ihr die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger in Wien am Herzen liegen“. Kein Vertreter der Sozialdemokraten würde es für notwendig befinden, die Sorgen und Anliegen der Hadersdorfer ernst zu nehmen. Bezirkschefin Andrea Kalchbrenner (SPÖ) kann Lerchs Kritik nicht nachvollziehen. Bereits Anfang September sei auf Kalchbrenners Initiative eine negative Stellungnahme gegen das Projekt abgegeben worden: „In der Präsidialsitzung der Penzinger Bezirksvertretung haben alle, in der Bezirksvertretung vertretenen Fraktionen, diese negative Stellungnahme mitgetragen.“ Die Einsprüche werden nun von der Baupolizei geprüft.

Alexander Schöpf

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