Statt Waffenverkauf zweimal Trafiküberfall: Prozess beginnt

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Eigentlich wollte er seine Gasschreckschusspistole verkaufen, um an Bares zu kommen - als er aber an einer Trafik vorbei kam, entschied sich ein 33-jähriger Kroate um und überfiel das Geschäft. Doch bei dem einen Mal blieb es nicht - Nun steht der Mann vor Gericht!

Weil es beim ersten Mal “gut gegangen” war, raubte er die Trafik innerhalb eines Monats gleich noch einmal aus. Dafür musste sich der Suchtgiftabhängige, der neun einschlägige Vorstrafen auf dem Kerbholz hat, am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht verantworten.

Der 33-Jährige, der laut Staatsanwaltschaft seit 1993 keiner geregelten Arbeit mehr nachgeht, litt an Geldnot: Bares, das er bei seiner Haftentlassung rund zwei Monate zuvor erhalten hatte, war aufgebraucht; seine Mutter warf ihn aus ihrer Wohnung. Also machte sich der Mann am 25. September des Vorjahres auf, um seine Waffe zu verkaufen. “Die ist 40 Jahre alt oder so, es ist kein Schlitten mehr drinnen. Ich bin in Lokale gegangen in den Bezirken, wo ich aufgewachsen bin. Hab’s aber nicht verkaufen können”, so der Angeklagte. “Dann bin ich bei einer Trafik vorbei und eins hat zum anderen geführt.”

Soll heißen: Er hielt der Verkäuferin die ungeladene Pistole vors Gesicht und forderte Geld. Als ihm die Frau einige Scheine ausgehändigt hatte, wollte er mehr. Laut Angaben des Opfers wiederholte er sein Verlangen insgesamt dreimal ziemlich eindringlich. “Aber ich wär’ nicht weitergegangen. Ich hätt’ nicht hingehauen oder so”, erklärte der 33-Jährige. “Das klingt aber nicht danach, dass Sie sofort zurückziehen, wenn sie nicht pariert”, meinte Richterin Eva Brandstetter.

Wie viel der Mann an diesem Tag erbeutete, darüber war man sich recht uneinig. Genau 1.320,31 Euro fehlten laut Computerabrechnung in der Trafik-Kassa, 735 Euro oder 535 Euro – “da kann sein, dass ich mich heute vertan hab” – waren es nach Angaben des Angeklagten. Jedenfalls war es offensichtlich nicht genug, denn rund einen Monat später, am 21. Oktober, wiederholte der 33-Jährige sein kriminelles Vorgehen.

“Es ist mir beim zweiten Raub nicht mehr ums Geld gegangen. Am liebsten wär’ ich zur Polizei gegangen”, so der Angeklagte. “Warum sind Sie denn nicht, die hätten sich auch gefreut”, meinte die Richterin. Mitarbeitern einer Reinigungsfirma neben der Trafik gelang es, den Mann auf seiner Flucht zu überwältigen. “Die haben mir fast den Arm ausgekugelt”, beklagte sich der 33-Jährige.

Das Opfer hatte vor Gericht mit den Tränen zu kämpfen. Beim Versuch einer Entschuldigung des 33-Jährigen wandte sich die Frau ab und konnte erst aussagen, als man ihn aus dem Raum geführt hatte. “Ich hatte Todesangst”, sagte sie. Die Frau arbeitet noch immer in der Trafik, allerdings nicht mehr allein. “Wir haben jetzt einen Wachhund”, erklärte sie der Richterin. “Jetzt fühlen Sie sich sicherer?” – “Psychologischer Weise: Ja.”

Der Prozess wurde Donnerstagmittag vorübergehend unterbrochen, um einen Sachverständigen für Waffen hinzuziehen zu können. Ein Urteil wurde für den späteren Nachmittag erwartet.

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