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Stantejsky-Prozess: Ex-Burgtheaterdirektor Hartmann im Zeugenstand

Die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin des Burgtheaters, Silvia Stantejsky (r.), und der als Zeuge Geladene Ex-Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann, am Montag
Die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin des Burgtheaters, Silvia Stantejsky (r.), und der als Zeuge Geladene Ex-Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann, am Montag ©APA
Montagnachmittag war zur fünften Tagsatzung im arbeitsrechtlichen Prozess um die Entlassung der ehemaligen kaufmännischen Geschäftsführerin des Burgtheaters, Silvia Stantejsky, der ebenfalls entlassene Burg-Chef Matthias Hartmann am Arbeits- und Sozialgericht Wien als Zeuge geladen.
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Zum Auftakt der Befragung skizzierte Hartmann, wie er die Suspendierung von Stantejsky in Erinnerung hatte.

Vorwurf: “Psychokrieg” und “Mobbing”

Stantejsky hatte Hartmann bei ihrer Einvernahme zuvor u.a. einen “Psychokrieg” und Mobbing vorgeworfen. Hartmann wird sich in der Befragung durch Richter Helge Eckert wohl zudem zu jenen Geldern äußern müssen, die Stantejsky für ihn als Privatperson verwaltete.

Hartmann an Zahlen uninteressiert

Dass Hartmann “kein anhaltendes Interesse an Zahlen” gehabt habe, hatten sowohl Stantejsky als auch der frühere Bundestheater-Holdingchef Georg Springer, der am Montag als Zuhörer im Saal war, zuvor zu Protokoll gegeben. Während Stantejsky die hohe Anzahl an Produktionen unter Hartmann für ihre Erschöpfungsdepression mitverantwortlich machte, widersprach Springer dem ehemaligen Burgtheaterdirektor, wonach die Beiziehung des deutschen Theaterexperten Peter F. Raddatz dessen Idee gewesen sei.

Hartmanns eigener Arbeitsgerichtsprozess – er ficht seine Entlassung ebenfalls an – liegt unterdessen auf Eis. In dem Verfahren sollen zuerst die Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) u.a. wegen Verdachts der Untreue, Bilanzfälschung und Steuerhinterziehung abgewartet werden.

Für Hartmann blieb Rolle des “Bad Guy”

Die Periode der Suspendierung von Silvia Stantejsky bis hin zu ihrer Entlassung am 18. November 2013 stand im Mittelpunkt der Einvernahme von Ex-Burg-Chef Matthias Hartmann im Zeugenstand. Die Suspendierung von Stantejsky hielt Hartmann angesichts der Überweisung von 9.000 Euro auf ihr eigenes Konto für ein “probates Mittel”, die spätere Entlassung hätte er aus menschlicher Sicht gerne vermieden.

In der Woche bis zur Entlassung sei sein Bild von Stantejsky ins Wanken geraten, da entgegen ihrer Angaben noch zwei weitere Überweisungen auf ihr eigenes Konto aufgetaucht seien und sich in ihrem Arbeitsvertrag eine “illegale Zusatzpension” fand. Diese sei noch von Ex-Burg-Chef Klaus Bachler und Ex-Geschäftsführer Thomas Drozda unterzeichnet worden – im Übrigen u.a. auch für die nunmehrige Direktorin Karin Bergmann.

“Vertrauen war erschüttert”

“Das Vertrauen war zu diesem Zeitpunkt maßgeblich erschüttert”, sagte Hartmann. Am Tag der Entlassung habe man noch einen “Fächer an Möglichkeiten” diskutiert, den man prüfen wollte – darunter die Variante, dass Stantejsky als Referentin mit deutlich reduzierten Bezügen (“etwa 6.000 Euro”) am Haus gehalten werden könnte. Dieser Vorschlag sei für Stantejsky “unannehmbar” und, wie sich herausstellte, auch juristisch nicht möglich gewesen. Die Entlassung sei somit unumgänglich gewesen.

Laut Hartmann schien Stantejsky kurz vor der Suspendierung krank zu sein, am Tag der Entlassung habe sie sehr niedergeschlagen ausgesehen. An ein ärztliches Attest bezüglich einer depressiven Störung kann sich Hartmann erinnern, grundsätzlich sei sie aber sehr vital gewesen und habe sich stets aller Probleme, die an sie herangetragen wurden, angenommen. “Sie war eine Wünschelrutengeherin für Probleme, wenn man so will.”

Paradoxe Situation am Burgtheater

Die Situation am Burgtheater habe er etwas paradox empfunden, erinnerte sich Hartmann. Stantejsky hätte als kaufmännische Geschäftsführerin eigentlich die “Bad Guy”-Position einnehmen, also die mahnende Stimme hinsichtlich der Grenzen des Möglichen sein müssen. Sie habe das Spiel aber umgedreht: “Die Rolle des ‘Good Guy’ war mit Stantejsky besetzt, mir fiel nur noch die Rolle des ‘Bad Guy’ zu.”

Er sei bestrebt gewesen, auch nach der Entlassung viel Ärger vom Burgtheater fernzuhalten, sagte Hartmann, weil er gewusst habe, dass das Bekanntwerden der Klage von Stantejsky eine “Bombe” sein würde. Stantejsky selbst sei nach der Entlassung in Begleitung eines Wirtschaftsprüfers von der KPMG oft ins Burgtheater gekommen, um ihr Büro aufzuräumen. “Das war eine Sisyphos-Aufgabe, das ging sehr schleppend vonstatten.”

Schulden aktiv vor Hartmann “versteckt”?

Die Einvernahme Hartmanns führte auch zu einem Papier aus dem Jahr 2012, aus dem hervorging, dass Bühnenbilder verschrottet wurden, gleichzeitig in der Bilanz aber aktiv gehalten werden sollten, sowie zum Wechsel Stantejskys von der kaufmännischen Geschäftsführung zur Vize-Direktorin. Hinsichtlich des Liquiditätsengpasses am Haus kündigte Hartmann an, dass bei den Ermittlungen der kommenden Monate noch herauskommen werde, dass die Schulden aktiv vor ihm versteckt wurden.

Richter würde Klage nicht stattgeben

Die Aussichten von Silvia Stantejsky auf eine erfolgreiche Klage gegen das Burgtheater sind nach der fünften Tagsatzung im Arbeitsgerichtsprozess nicht überaus gut. In seinem Zwischenresümee sagte Richter Helge Eckert am Montagabend in Wien, dass er der Klage hinsichtlich der Rechtzeitigkeit der Entlassung und des Gesundheitszustands der früheren Geschäftsführerin derzeit nicht stattgeben würde.

Er glaube nicht, dass Stantejsky durch ihre gesundheitliche Belastung daran gehindert war, ihre Arbeit ordentlich zu machen, sagte Eckert und bezog sich dabei nicht zuletzt auf die Aussagen der Klägerin selbst. Bezüglich des Entlassungszeitpunkts sieht der Richter die Unverzüglichkeit tatsächlich erst mit dem Prüfbericht vom 11. November 2013 gegeben, der unmittelbar zur Suspendierung und eine Woche darauf zur Entlassung geführt habe.

Hartmann hätte Entlassung gerne vehindert

Genau diese Zeitspanne war auch bei der Einvernahme von Matthias Hartmann am Montagnachmittag das Hauptthema. Hartmann gab zu Protokoll, dass er aus menschlicher Sicht die Entlassung gerne verhindert hätte, das Vertrauen in Stantejsky sei angesichts von Überweisungen auf ihr eigenes Konto und einer “illegalen Zusatzpension” in ihrem Arbeitsvertrag in diesen Tagen jedoch “maßgeblich erschüttert” worden.

Am Tag der Entlassung habe man – u.a. gemeinsam mit Bundestheater-Holdingchef Georg Springer – dennoch einen “Fächer an Möglichkeiten” diskutiert, den man noch prüfen wollte – darunter die Variante, ob Stantejsky als Referentin zu deutlich reduzierten Bezügen (“etwa 6.000 Euro”) am Haus gehalten werden könnte. Diese Lösung wäre juristisch jedoch nicht möglich gewesen, so Hartmann, daher war die Entlassung unumgänglich.

Kopfschütteln bei Stantejsky

Die Frage, ob Stantejsky für die Zeit nach der Entlassung bereits ein konkretes Vertragsangebot vorlag, ist – neben der Rechtzeitigkeit der Entlassung – für die Rechtsvertreterinnen der ehemaligen kaufmännischen Geschäftsführerin ein zentraler Punkt. Richter Eckert bestätigte, dass das natürlich “ein absolutes No Go” wäre, sah jedoch aktuell nicht, dass Springer “so fahrlässig gegenüber der Republik agieren würde”.

Hartmann, dessen eigener Arbeitsgerichtsprozess derzeit auf Eis liegt, sorgte mit seinen Aussagen wiederholt für Kopfschütteln bei Stantejsky und Springer, der die Einvernahme von den Besucherreihen aus verfolgte. In seinem Verfahren sollen zunächst die Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKSta) u.a. wegen Verdachts der Untreue, Bilanzfälschung und Steuerhinterziehung abgewartet werden.

Fortsetzung im März

Der Vorschlag von Richter Eckert, ebenfalls zuzuwarten, da auch gegen Stantejsky entsprechende Ermittlungen laufen, wurde von deren Rechtsvertreterinnen abgelehnt. Zum nächsten Termin am 2. März (9.30 bis 18 Uhr) im Wiener Arbeits- und Sozialgericht sollen u.a. der derzeitige Burg-Geschäftsführer Thomas Königstorfer, Holding-Prokurist Othmar Stoss und der Leiter der Internen Revision, Peter Stransky, als Zeugen geladen werden.

Die Vertretung des Burgtheaters erklärte zum Schluss, dass innerhalb der nächsten acht Wochen ein Schriftsatz mit weiteren Entlassungstatbeständen eingebracht werden soll. Mit einem ersten Ergebnis der WKSta sei übrigens “sehr rasch” zu rechnen, so die Burg-Anwälte. Laut Stantejskys Anwältin kann jedoch frühestens im Sommer mit einer Fertigstellung des Gutachtens gerechnet werden.

(apa/red)

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