Skandal um gepanschten Alkohol weitet sich aus

Nach einer beispiellosen Serie von mindestens 20 Toten geht in Tschechien die Angst vor gepanschtem Alkohol um.

Die Ansage von Gesundheitsminister Leos Heger ist klar: Solange sich weiter Menschen mit dem Industriealkohol Methanol vergiften oder gar sterben, bleibt hochprozentiger Schnaps landesweit unter Verschluss. Dennoch erfasst die gefährliche Vergiftungswelle immer mehr Regionen. Die Gastronomieszene in dem Land, in dem besonders viele Besucher aus Deutschland und Österreich Urlaub machen, fürchtet dramatische Einnahmeeinbußen wegen der Todesserie. Nicht nur die Wirtschaft, auch die Staatskasse bekommt die “Prohibition” zu spüren. Nach Prager Medienberichten entgehen dem Fiskus jeden Tag umgerechnet fast eine Million Euro an Einnahmen aus der Branntweinsteuer. Die Polizei fahndet fieberhaft nach den Giftmischern, bisher aber weitgehend erfolglos.

Auch Opfer in Polen

Neben Tschechien kämpft auch Polen mit einer wachsenden Zahl von Alkoholvergiftungen. In den vergangenen beiden Wochen seien fünf Menschen gestorben, sagte der Chef des staatlichen Toxikologie-Zentrums, Piotr Burda, am Montag. Er sieht jedoch keine Verbindung mit den Fällen in Tschechien.

Auch in der Slowakei sind erste Fälle von Vergiftungen mit gepanschtem Alkohol aus Tschechien bekanntgeworden. Das berichtete der Nachrichtensender TA3 am Montag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium.

Gesundheitsministerium warnt

Das österreichische Gesundheitsministerium wies auf mögliche Gefahren hin und riet davon ab, hochprozentigen Alkohol unbekannter Herkunft zu konsumieren. Dies gelte insbesondere bei Ausflügen in die Tschechische Republik. Nach den Vorkommnissen in Tschechien sei das EU-Schnellwarnsystem aktiv geworden. Bei den regelmäßigen Kontrollen durch die Lebensmittelaufsicht seien in den vergangenen Jahren keine Produkte wegen überhöhter Methanolgehalte als gesundheitsschädlich beanstandet worden.

Das Gesundheitsministerium der Tschechischen Republik veröffentlichte am Montag eine Fotostrecke mit möglicherweise betroffenen Spirituosen. Neun Alkoholika befinden sich auf der Liste. Sie ist online unterabrufbar. Auch das österreichische Gesundheitsministerium rät vom Konsum dieser Produkte ab.

 

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