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Sinn, Sinnlichkeit oder die große Erektion

Premierenglück: Die "himmlische Aida" (üb)erlebte am Mittwochabend einen Spektakel-Härtetest erster Güte.
Bregenzer Festspiele: "Aida"-Premiere
Promis bei der Premiere der Verdi-Oper "Aida"
Umfrage nach der Premiere: "Wie hat Ihnen 'Aida' gefallen?"
AIDA-Premierenfeier in Bregenz
Kurz vor der Premiere - Blick über die Ränge
Johannes B. Kerner bei den Festspielen im Interview
Einzug des Bundespräsidenten
Promis vor der Festspieleröffnung
Vor der Festspieleröffnung: Warten auf den Bundespräsidenten
Viel Prominenz bei der Eröffnung der Bregenzer Festspiele
Militärmusik
Festspiel-Shop
Catering
Vor der Festspieleröffnung: Impressionen
Festspielzaungäste verfolgen den Trubel bei der Eröffnung
Illustre Gästeschar bei der Eröffnung der 64. Bregenzer Festspiele
Feierliche Eröffnung der Bregenzer Festspiele
Bregenzer Festspiele Eröffnung 2009
Festspielmode 2009
Bundeskanzler, Vizekanzler und der Bregenzer Bürgermeister im Interview

Der Steg im Wasser, auf dem Ramses, König von Ägypten, singt, regt sich alsbald in den Himmel und entpuppt sich als Fackelarm der Freiheitsstatue. Zieht Feldherr Radames in den Krieg, wird er von einer in Gold gefassten Kanone begleitet, kehrt er zurück, reckt sein Zugtier – ein riesiger Elefant – den Rüssel in die Höh. Prinzessin Amneris hält ihre Sklaven wie Hunde, während der Gefangenen Aida lediglich der Putzfetzen samt Bürste bleibt. Emsig wienert sie damit Ruinen – als ob dadurch etwas zu retten wäre. Die Scheu vor dem Plakativen haben Regisseur Graham Vick und Bühnenbildner Paul Brown auf dem Weg von England nach Vorarlberg restlos abgelegt. Ob sie die Vulgarität, die ja doch noch in Giuseppe Verdis 1871 uraufgeführten Oper „Aida“ steckt, dazu berechtigt, oder die gewaltige Szenerie am Bodensee, sei dahingestellt.

Dirigent der Effekte

Carlo Rizzi, der Maestro am Pult der Wiener Symphoniker, muss letztlich ähnlich empfinden. Das Verhältnis zwischen laut und leise bleibt in „Aida“ ständiger Streitpunkt. Am See wird gerade bei dieser Oper deutlich, wie sinnlos manch filigrane Interpretationsidee sein kann. Dem Lauten gibt man am besten was des Lauten ist, drischt hinein bis zum Zenit, um die Handschrift dann beim Piano wirken zu lassen. Gestern Abend geschah das, Rizzi ist ein Dirigent der Effekte. Das Akustiksystem ermöglicht es, Symphoniker und Sänger folgen ihm.

Kultiviert

Kultiviert singt Rubens Pelizzari (Radames) sein „Celeste Aida“ gegen die Abenddämmerung, um beim finalen Liebesduett zwei Stunden später und in dunkler Nacht immer noch genügend Atem zu haben. Tatiana Serjan ist eine Aida, der spürbar Kraft bleibt. Die Mikrofone sind erbarmungslos, Iano Tamar lässt hören wie man haushaltet, wo es wirklich etwas einbringt, legt sie mit enormer Gefühlsskala los. Einfacher hat es der König: Kevin Short versteht zu schmettern, doch das Timbre hat etwas, kommt an. Amonasro ist nicht nur von der Rolle her ein armer Teufel. Die Regie schenkt ihm nichts. Ob es Graham Vick wert ist, sich zu verkühlen – einmal steht ihm das Wasser des Bodensees fast bis zum Hals –, beantwortet ein Sänger von der Statur eines Iain Paterson offensichtlich mit einem klaren Ja. Die Präsenz stimmt wie bei Oberpriester Ramphis (Tigran Martirossian). Nur die Priesterin (Elisabetta Martorana) braucht wenigs­tens nur scheinbar zu fliegen, mit reiner, klarer Stimme setzt sie das Geschehen – einen Krieg und eine fatale Dreiecksbeziehung – in Gang. Angesichts von 28 Aufführungen sind die Solistenrollen in Bregenz dreifach besetzt. Erwähnt seien die zauberhafte und zugleich kräftige Stimme einer Indra Thomas (Aida) und die Prägnanz einer Maria José Montiel, die bei der Generalprobe zum Einsatz kamen. Bleibt die Frage, wo der Faden ist, an dem die ganze Geschichte hängt. Witzbolde könnten ihn an den zwei hohen Kränen ausmachen, die heuer über die Aufbauzeit der Seebühne hinaus bleiben durften. Und nicht stören, denn das Kriegsdrama zwischen dem antiken Ägypten und Äthiopien verlegen Vick und Brown in irgendeine Zeit, in der sich gerade in den Trümmern einer Kulturepoche eine neue oder vielleicht auch Barbarei breitmacht. Ohne Datum ist sie nicht, denn während sich einerseits viel Kostümfilmkolorit à la irgendeine Pharaonenzeit breitmachen darf, wird man bei der Gegenwart konkret.

Kalkuliert

Die Folterszenen haben sich als Symbole der Irak-Afghanistan-Grausamkeiten in unsere Hirne gebrannt. Solche Bilder sind nicht einfach austauschbar. Wer sie auf Theaterbühnen und dazu noch in ein Spektakel bringt, macht sich angreifbar, löst Diskussionen aus. Kalkulierte Gegenwehr also. Naivität des Regieteams braucht nicht angenommen zu werden, vom Hang zum Plakativen wurde schon gesprochen. Letztlich stellt sich aber die Frage, inwieweit die viel gespielte Oper „Aida“, die Liebesgeschichte zwischen einem Soldaten und einer Gefangenen, die Geschichte vom immer wieder von Einzelpersonen ausgelösten Konflikt hier eine neue oder andere Deutung erfährt. Anders nicht, aber – bei allen Einschränkungen bezüglich der grellen Optik in der Nähe zum Kitsch – greift man ein ordentliches Stück unter die Oberfläche. Das ist viel bei diesem Werk mit einfacher Geschichte und an sich wenig Charakterzeichnung der Einzelpersonen.

Viel Szenenapplaus

„Aida“ ist auch eine Chor­oper. Die brillanten Chöre (Rundfunkchor Krakau, Camerata Silesia und der Bregenzer Festspielchor) dürfen natürlich im Trockenen bleiben. Nicht so die Tänzer, die auf dem versenkbaren Podium ein veritables Wasserballett hinlegen, nicht soe die meisten Sänger und Statisten. Alle Achtung! Und weil die Kranführer so präzise arbeiten und einmal die beiden Gesichtshälften der Freiheitsstatue als zynisches Symbol exakt zusammenbringen können, müssen Aida und Radames auch schwindelfrei sein und im Totenboot (selbstverständlich wird Radames nicht eingemauert, sondern ertränkt) zum Himmel entschweben. Viel Szenenapplaus haben sich die Solisten am Mittwochabend schon zuvor ergattert, als die Festspiele ihre Saison mit einer Operninszenierung eröffneten, die dem Motto „Sinn und Sinnlichkeit“ zu entsprechen vermag.

VOL Live: Kurz vor der Premiere – Blick über die Ränge

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VOL Live-Umfrage nach der Premiere: “Wie hat Ihnen ‘AIDA’ gefallen?”

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