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Sekowitsch: "Die Bilder kommen noch"

Neubeginn für Familie Sekowitsch: Sechs Monate, nachdem Box-Champion Edip Sekowitsch vor seinem Lokal ermordet wurde, sperrt sein Sohn Emir das "Champ's Pub" wieder auf.

“Jeder, der gekommen ist, ist mit einem Lächeln gegangen”, erinnert sich Emir. Der 26-Jährige steht hinter der Bar des “Champ’s Pub”, sein Blick findet keinen Halt, wandert durch das Fenster nach draußen. Draußen liegt der Wiedner Gürtel, acht Fahrspuren dichter Abendverkehr, dahinter der Südbahnhof.

Sechs Monate sind vergangen, seit Emirs Vater, die österreichische Boxlegende Edip Sekowitsch, ermordet wurde. Da draußen, nur wenige Meter vom Eingang des Lokals entfernt. Es war der 25. August 2008: Ein ehemaliger Leutnant der tschetschenischen Armee wollte seine Mutter in der Steiermark besuchen – doch als er am Südbahnhof ankam, war der Zug schon weg. Er wartete am Bahnsteig, kam dort mit einem Mann ins Gespräch. Die beiden Männer beschlossen, die Wartezeit zu überbrücken. Sie landeten schließlich vis-a-vis des Bahnhofs, im “Champ’s Pub”.

Es war ein ganz normaler Arbeitstag für Edip Sekowitsch. Der ehemalige Box-Welt- und Europameister bewirtete die Gäste selbst. Die beiden Männer, die vom Südbahnhof herübergekommen waren, gerieten in Streit. Sekowitsch ging dazwischen, die Lage schien sich wieder beruhigt zu haben, als frühmorgens gegen 5.30 Uhr schließlich der letzte Zeuge das Lokal verließ. Wenig später starb der 50-jährige Lokalbesitzer an fünf Messerstichen. Den mutmaßlichen Täter und die Tatwaffe fand die Polizei neben Sekowitsch liegend. Der 26-jährige Tschetschene behauptet seither, sich an nichts mehr erinnern zu können. Spätestens im April soll der Prozess in Wien beginnen.

“Noch heute denke ich, Edip kommt jeden Augenblick zur Tür herein”, sagt Witwe Mira. “Die schreckliche Tat hat die ganze Familie in große Not gebracht”. Mira und die Kinder Bernhard, Emir und Anita, hatten nicht nur mit der Trauer, sondern auch mit handfesten finanziellen Problemen zu kämpfen. Die Familie musste vier Monate ohne Einkünfte durchstehen. Das offizielle Wien zeigte wenig Hilfsbereitschaft: Zwar wurde lautstark ein Ehrengrab für Sekowitsch genehmigt, die Rechnung in Höhe von 5.500 Euro für die Bestattungskosten flatterte der Familie daraufhin aber eher leise ins Haus.

“Wenn mir etwas passiert, dann schau’ auf meine Familie”, hatte Sekowitsch vor seinem letzten Box-Kampf, dem Comeback im Juni 2008, seinen Freund und Manager Thomas Hetlinger gebeten. Hetlinger mühte sich, aufgerieben zwischen Medien, Bürokratie und Gefühlen. Nachdem das Lokal gesperrt war und die Mietzahlungen trotzdem weiter liefen, wollte der Manager eine Stundung beim Vermieter erwirken. Der Hausbesitzer, ein europaweit agierender, milliardenschwerer Wiener Baukonzern, machte laut Hetlinger folgendes Angebot: Halbierung der Miete bei gleichzeitiger Kündigung…

“HC Strache war einer der wenigen, der in der Krise zu uns gestanden ist”, sagt Hetlinger. Unbürokratisch habe der FPÖ-Chef finanziell ausgeholfen. Die Partei will zukünftig auch das Sekowitsch-Projekt “Stoppt Gewalt an Schulen” unterstützen. Ein Projekt, mit dem der Champ gemeinsam mit Hetlinger ab September durch Österreichs Schulen touren wollte.

Seit 27. Februar ist das “Champ’s Pub” wieder geöffnet. In einem gemeinsamen Kraftakt hat die Familie das Pub renoviert. Emir führt das Lokal, er hat Ideen: Coffee to go wird er anbieten, im Sommer soll es wieder den kleinen Schani-Garten geben. Derzeit sind die Wände noch nackt, aber “die Bilder kommen noch”, sagt Emir.

Champ’s Pub
1040 Wien, Wiedner Gürtel 16
Öffnungszeiten:
Mo-Do 17 – 1 Uhr
Fr,Sa 17 – 3 Uhr

Martin Ucik

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