See- und Stromdienst der Wiener Polizei zuständig für Wasserleichen und Lebensrettungen

Die Aufgaben der Wiener Polizei sind vielfältig.
Die Aufgaben der Wiener Polizei sind vielfältig. ©APA
Zu den unangenehmsten Arbeitsbereichen des See- und Stromdienstes der Wiener Polizei gehört die Bergung von Wasserleichen, berichten Michaela Herold, Erich Kraus und Fritz Fiedler. Viele davon sind Selbstmörder, im Sommer kommen aber auch noch die Opfer von Badeunfällen dazu.
Wiener Exekutive zu Wasser
Polizeiboot im Einsatz

Dann gibt es noch eine Frau, die immer wieder bei der Brücke der U-Bahnlinie U2 ins Wasser springt. “Zwölfmal haben wir sie seit November aus der Donau gezogen”, schildert Fiedler. Die Polizisten patrouillieren auf dem Wasser bei jedem Wetter. Im Winter macht ihnen die Kälte zu schaffen, im Sommer neben der Hitze – Baden im Dienst ist trotzdem verboten – auch der Verkehr. Fracht- und Passagierschiffe in wesentlich größerer Zahl sind zu beachten, dazu kommen ziemlich viele Privatboote, Ruderer und manchmal auch Schwimmer. Vor allem während des Donauinselfestes meinen viele, sie müssten den Strom durchqueren.

Arbeit in der Nacht auf dem Wasser

Eine Herausforderung ist auch das Fahren in der Nacht, nur nach dem Radar. Auch wenn Schubverbände wie die “Zelenodolsk”, die Stunden nach der Kontrolle mit sieben Stundenkilometern dem 200 Kilometer entfernten Linz entgegenstampft, langsam sind, heißt es aufpassen. Die “Wien” selbst ist über 40 km/h schnell, die kleineren Polizeiboote wie die “Freudenau” flitzen mit bis zu 70 km/h über das Wasser. Und das Unglück des Ausflugsbootes “Grein” im November 2004, das mit einem Schubverband kollidierte, ist allen noch in Erinnerung. Sechs Menschen starben damals.

Doch gerade Herausforderungen wie diese lieben Kraus und seine Mitarbeiter – alles Seemänner und -frauen aus Leidenschaft. Kraus selbst fährt jedes Jahr privat auf der Donau nach Budapest, dazu kommen Segeltörns in Kroatien.

See- und Stromdienst der Wiener Polizei

Um in die Fachinspektion Handelskai zu kommen, benötigen Beamte auch eine hohe Affinität zum Wasser: “Absolvierte Polizeischule, mindestens ein Jahr im Außendienst und ausgebildeter Rettungsschwimmer, dann kann man für ein Jahr auf Zuteilung zu uns kommen”, erklärt der Chefinspektor die Anforderungen. Es folgt eine ausführliche Spezialausbildung: Grundkenntnisse der Seemannschaft werden vermittelt, und im ersten Jahr müssen die Aspiranten für den Stromdienst das Zehn-Meter-Schiffspatent absolvieren. Außerdem sind 50 Stunden auf einem Polizeiboot gefordert. Wer nach dem Jahr fix übernommen wird, muss das Schiffsführerabzeichen, eine Radar- und eine Gefahrgutausbildung sowie das Funk- und das 20-Meter-Patent absolvieren. Erst letzteres berechtigt die Polizisten dazu, die “Wien” zu steuern. Die Rettungsschwimmerausbildung muss in regelmäßigen Abständen erneuert werden.  Doch die Fachinspektion Handelskai ist nicht nur für das Wasser zuständig, sondern auch für die Boote: In der Werkstatt haben die Mechaniker alle rund 50 Polizeiboote in Österreich instand zu halten. So wartet gerade ein frisch lackiertes Boot aus Tirol darauf, abgeholt zu werden. Und die PI ist auch eine ganz “normale”: “Wir machen auch ganz normale Streifendienste zu Land”, erklärt Kraus.

All das macht die Abwechslung beim See- und Stromdienst für die 40 Mitarbeiter (Ist-Stand bei 46 Planposten, Anm.) aus: “Ich war elf Jahre in einer Inspektion in der Brigittenau. Ich wurde vor sechs Jahren gefragt, ob ich herkommen will, und ich habe sofort Ja gesagt. Ich habe es keine Sekunde bereut”, erzählt Herold. Fiedler könnte an diesem Tag aber durchaus etwas weniger Abwechslung vertragen: “Ich bin für den Abend zu einem Planquadrat eingeteilt”, meint er mit etwas gedämpfter Stimmung, während Schnee den Schirm seiner Kappe weiß einfärbt. (APA)

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