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Schwere Schlacht für Chirac

Bei Scheitern seiner Wiederwahl müsste sich Frankreichs Staatschef wegen Schmiergeldaffären vor Gericht verantworten. Chirac steht eine schwere Schlacht bevor.

Nun ist Jacques Chirac doch aus der Deckung gekommen. Mit 69 Jahren stürzt sich der französische Staatspräsident in die Schlacht um seine Wiederwahl – die möglicherweise schwerste seiner langen Politikerkarriere. „Ja, ich bin Kandidat“, verkündete er am Montag feierlich vor zahlreichen Anhängern in Avignon. Damit gab er dem Druck seiner Berater nach und eröffnete doch schon jetzt, gut zwei Monate vor der ersten Wahlrunde am 21. April, das Rennen um das höchste Amt. Sein voraussichtlicher Hauptkonkurrent wird – wie schon vor sieben Jahren – der heutige sozialistische Premierminister Lionel Jospin sein.

Seit der Neogaullist Chirac 1995 seine lange Politikerlaufbahn mit dem Einzug in den Elysee-Palast krönte, suchte er mit sonorer Stimme und großen Gesten die Position Frankreichs in der Welt zu verteidigen. Meist war dem Charmeur die Volksgunst gewiss. Diesmal jedoch ist es fraglich, ob sie noch ausreicht. Seit fast zwei Jahren kommen immer neue Enthüllungen zur Schmiergeldaffäre um Chiracs RPR-Partei zu Tage und setzen den Staatschef gewaltig unter Druck.

Für den Präsidenten geht es um alles: Wird er wiedergewählt (die Amtszeit wurde inzwischen von sieben auf fünf Jahre verkürzt), schützt ihn weiter seine Immunität. Scheitert er, muss er sich vermutlich wie ein normaler Bürger vor der Justiz verantworten.

Die Visite in der alten Päpstestadt Avignon war für den Neogaullisten ein Heimspiel. Dort fügten seine Leute vor einem Jahr der sozialistischen Arbeitsministerin und Bürgermeisterkandidatin Elisabeth Guigou bei den Kommunalwahlen eine empfindliche Niederlage zu. Die Sonne schien, und Chirac postierte sich vor der malerischen Kulisse der mittelalterlichen Festung Saint-Andre’ – ein Bild der „France profonde“ (dem ländlichen, „wahren“ Frankreich), fern der Pariser Affären und wie es Chirac so liebt.

Der 69-Jährige hatte allen Grund, die Ankündigung seiner Wiederkandidatur vorzuziehen. Einerseits ist da der Linksrepublikaner Jean-Pierre Chevenement, ehemaliger sozialistischer Mehrfach-Minister, der als „Dritter Mann“ im Präsidentschaftsrennen für Furore sorgt und mit seiner Law-and-order-Politik dem Amtsinhaber rechte Wähler streitig macht. In Umfragen liegt Chevenement schon bei 14 Prozent. Zum anderen kehrte in der vergangenen Woche ein gewisser Didier Schuller nach langer Abwesenheit nach Frankreich zurück, ein ehemaliger Parteifreund, der viel Unangenehmes über das Schmiergeldsystem um Chirac „Rassemblement pour la Republique“ (RPR) zu Tage fördern könnte.

Schließlich wurde auch Regierungschef Jospin immer offensiver, der zwar selbst erst Ende Februar offiziell in den Ring steigen will, aber in den Umfragen allmählich zulegt. Ein weiteres Zögern, so rieten Chiracs Berater, könnte Geländeverlust bedeuten. Bei seinem Auftritt in Avignon machte der Präsident und Kandidat klar, dass er die Kampagne für seine Wiederwahl auf die klassischen Themen der Rechten konzentriert: innere Sicherheit und wirtschaftliches Wohlergehen. Dort vermutet er die Achillesferse Jospins, da die Arbeitslosigkeit, bei deren Bekämpfung der Premier noch bis Mitte 2001 eine Erfolgsbilanz vorweisen konnte, seit Monaten wieder konstant steigt.

Für den „Bulldozer“, wie der Staatschef auch genannt wird, ist es bereits der vierte Präsidentschaftswahlkampf nach 1981, 1988 und 1995. Immer wieder wird seine Fähigkeit gerühmt, Krisen wendig und wie ein Stehaufmännchen zu meistern. Und gegenüber seinem stets etwas steif wirkenden Premierminister hat Chirac einen Riesenvorteil: Für viele Franzosen verkörpert er den herzlichen Bonvivant, das charmante Schlitzohr, den eleganten Staatsmann, der seinem Land Glanz verleiht.

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