"Schlecker+": Feiert Marke Schlecker ein Comeback?

Die Marke Schlecker soll wiederbelebt werden.
Die Marke Schlecker soll wiederbelebt werden. ©APA/GEORG HOCHMUTH
Das Unternehmen Kitzventure will die Marke Schlecker unter der Bezeichnung "Schlecker+" wiederbeleben. Ab Oktober sollen sieben Filialen in Österreich öffnen.

Der unter Betrugsverdacht stehende Geschäftsführer des Unternehmens Kitzventure, Patrick Landrock, wirbt derzeit für eine mit sechs Prozent verzinste Anleihe und will die Marke Schlecker wiederbeleben. In einer Aussendung kündigte er am Montag einen Neustart unter der Bezeichnung "Schlecker+" mit zunächst 39 Filialen, davon sieben in Österreich und 32 in Deutschland, ab Oktober an. Finanziert werde das Projekt von einem "Family Office" im Raum EU, sagte Landrock zur APA.

Kitzventure will Marke Schlecker wiederbeleben

Der Familienbetrieb wolle nicht öffentlich auftreten, bewerte aber das Projekt mit 1,5 Mrd. Euro und stelle 150 Mio. Euro über Wandeldarlehen zur Verfügung. Im Herbst hatte Landrock noch angekündigt, im ersten Halbjahr mit Schlecker+ starten zu wollen. In der dabei vorgesehenen Investorengruppe seien aber auch Geldgeber aus Russland involviert gewesen, so Landrock am Montag im Gespräch mit der APA. Deshalb habe er nach dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine die Finanzierung neu aufgestellt. Mit der Familiengruppe, die nun Geld geben soll, sei er langjährig verbunden, auch als Berater. Trotz der großen Finanzspritze bleibe Landrock - über zwei Gesellschaften - hundertprozentiger wirtschaftlicher Eigentümer beim Projekt Schlecker-Neu. Die Zentrale soll "in Nordrhein-Westfalen" entstehen, so der gebürtige Stuttgarter Landrock.

Kitzventure wirbt derzeit auch offensiv für eine mit sechs Prozent verzinste Anleihe, über die knapp 2 Mio. Euro aufgenommen werden sollen. Dieses Geld habe aber nichts mit Schlecker zu tun, sondern sei für "verschiedene Projekte im Hintergrund", auch im Zusammenhang mit Corona, und "Digitalprojekte" seines Unternehmens Kitzventure vorgesehen, so Landrock zur APA. Das Geld wird als Crowdfunding unter den Regeln des Alternativfinanzierungsgesetzes aufgenommen - die Anleihe wird damit nicht von der FMA oder anderen Behörden geprüft. Es handelt sich um nicht besicherte Orderschuldverschreibungen, bei denen das Risiko eines Totalverlustes besteht, wie Kitzventure auf seiner Homepage erinnert. Auch könne es sein, dass die Papiere in Zukunft nicht weiterverkauft werden können.

FMA zeigte Tiroler Unternehmen an

Kitzventure gibt zwar für 2021 11 Mio. Euro Umsatz und einen auf 5 Mio. Euro verzehnfachten Gewinn an, veröffentlicht aber keine Details, aus welchen Geschäften der Erfolg stamme. Im Wesentlichen stehen auf der Aktivseite per Ende 2021 Forderungen von 7,5 Mio. Euro. Diese seien aus Projekten im vierten Quartal entstanden, die Anfang 2022 bezahlt werden, so Landrock.

Die FMA hatte Kitzventure bei einer früheren Kapital-Aufnahme angezeigt. 2016/2017 hatte das Tiroler Unternehmen für eine Anlage 9,75 Prozent Verzinsung versprochen und damit 79 Personen zu einer Veranlagung verleitet. Das Geld soll dann aber nur zu einem kleinen Teil wie versprochen in Aktien investiert worden sein, so der Vorwurf. Das Gericht hielt ein Pyramidenspiel für möglich. Landrock versichert, dass - nach dem Eingriff der FMA - das ganze Geld inklusive Zinsen zurückgezahlt worden sei. Von Anlagebetrug könne daher keine Rede sein. Der - dritte - Gerichtstermin in Innsbruck zu dem Fall musste im Jänner wegen eines Coronafalls verschoben werden, noch gebe es keinen neuen Termin, so Landrock am Montag zur APA.

Jedenfalls ist vor Gericht noch zu klären, wer damals Werbung für die hochverzinste Veranlagung in Medien um rund 650.000 Euro in Auftrag gegeben hat. Landrock bestreitet, dass seine Unterschrift auf den Aufträgen echt ist (mit Ausnahme eines Betrags von 12.000 Euro). Das Gericht müsse bis zur Ansetzung eines neuen Termins ein grafologisches Gutachten erstellen lassen. Außerdem gibt es den Vorwurf, dass Anwälte und Berater beigezogen, dann aber nicht bezahlt worden seien, was zu einem Schaden von 136.000 Euro geführt haben soll.

(APA/Red)

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