AA

Schimmelwohnungen in Wien: Stadt greift gegen Mietmafia durch

Die Stadt Wien geht verstärkt gegen Schimmelwohnungen vor, doch die Sanierung kann sich über Jahre hinziehen.
Die Stadt Wien geht verstärkt gegen Schimmelwohnungen vor, doch die Sanierung kann sich über Jahre hinziehen. ©Wien heute/ORF.at (Screenshots)
In Wien werden immer wieder Fälle von Schimmelwohnungen aufgedeckt, in denen die Bewohner unter unzumutbaren Bedingungen leben müssen. Besonders betroffen sind häufig geflüchtete Menschen, deren Wohnungsnot von skrupellosen Immobilienunternehmen ausgenutzt wird. Doch nicht nur Schimmel, sondern auch Schädlingsbefall und eine mangelhafte Heizung sind oft Teil des Problems. Die Stadt Wien geht nun verstärkt gegen diese Missstände vor.
Großeinsatz wegen desolaten Wohnhäusern

Die Wohnbedingungen in vielen Gebäuden in Wien sind unhaltbar. Der ORF berichtete in der Sendung "Wien heute" darüber, dass in einigen Wohnungen Schimmel in mehreren Räumen auftritt, es teilweise sogar zu Schädlingsbefall kommt und die Heizkörper nicht funktionieren. Besonders tragisch: Für diese unwürdigen Zustände müssen die Bewohner bis zu 1.000 Euro Miete im Monat zahlen.

Diese Missstände sind kein Einzelfall, wie Florian Hobl, Leiter der Wohnberatungsstelle bei der Diakonie, betont. Er spricht von einem System, das er als "Mietmafia" bezeichnet. Dabei werden gezielt alte, heruntergekommene Zinshäuser von skrupellosen Immobilienunternehmen gekauft, um die Wohnungsnot von geflüchteten Menschen auszunutzen.

Drei Immobilienunternehmen in Wien mit ähnlichen Praktiken

Für einige Firmen scheint dieses Geschäftsmodell sehr profitabel zu sein. Laut Gerhard Cech, Leiter der Baupolizei (MA 37), gibt es derzeit in Wien drei Immobilienunternehmer sowie viele ihnen zuordenbare Gesellschaften, die auf diese Weise vorgehen. Die Baupolizei ist in einigen Fällen nach Anzeigen aktiv, doch eine Sanierung kann sich oft über Monate oder sogar Jahre hinziehen. Zunächst wird der Eigentümer aufgefordert, die Mängel selbst zu beheben. Kommt keine Reaktion, wird ein Bescheid erlassen, der eine Frist zur Erfüllung setzt. Gegen diesen Bescheid kann der Eigentümer Einspruch erheben, was weitere Verzögerungen mit sich bringt. Einige Immobilienfirmen nutzen diese Verzögerungen gezielt aus.

Empörung wegen Schimmelwohnungen: Stadt Wien greift ein

Die unhaltbaren Wohnbedingungen in Wien sorgen für Empörung. Als letzte Instanz kann die Stadt selbst tätig werden und die Mängel auf Kosten der Eigentümer beheben lassen. Das Büro für Sofortmaßnahmen hat bereits diese Woche in einer Schwerpunktaktion die desolaten Wohnhäuser kontrolliert und Sofortmaßnahmen gesetzt. Walter Hillerer, Leiter des Büros für Sofortmaßnahmen, betont, dass auch die Finanzpolizei dabei war, um mögliche Hinweise auf Steuerhinterziehung oder Scheinfirmen zu überprüfen.

Problematik könnte sich verschärfen

In der Wohnberatungsstelle der Diakonie melden sich immer wieder Betroffene, die in Schimmelwohnungen leben und unter Druck gesetzt werden. Laut Florian Hobl ist es wichtig, hinzuschauen und den Mietmafiaunternehmen das Leben so schwer wie möglich zu machen. Gleichzeitig braucht es aber auch Zugang zu leistbarem Wohnraum für gesellschaftliche Randgruppen. Die Situation könnte sich in Zukunft noch verschärfen, da derzeit viele Familienzusammenführungen stattfinden.

(Red)

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Schimmelwohnungen in Wien: Stadt greift gegen Mietmafia durch
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen