Schell fühlt sich als „Herzensösterreicher“

Er sei zwar ein „Herzensösterreicher“, aber vor allem fühle er sich als Europäer, betont der Regisseur, Schauspieler und Autor Maximilian Schell im Gespräch mit der APA.

Durch die Wahl zum „Auslandsösterreicher des Jahres“ fühle er sich nicht als „Aushängeschild“ Österreichs. Es gebe so viele Dinge, die dem Image des Landes nützten, vor allem die Kultur, wobei nicht nur die Musik gemeint sei. Vor allem wenn er sich in den USA aufhalte, spüre er die Bedeutung dessen, Europäer zu sein, merkt Schell an.

Und er zitiert den Dichter Friedrich Hölderlin: „Gott ist auf die Welt gekommen, um zu fühlen“, und fügt hinzu: „Wenn er oben ist, dann merkt er nicht, dass er Gott ist. Aber wenn er runtersteigt und stirbt, dann weiß er, dass er Gott ist.“ Genauso sei es mit dem Identitätsbewusstsein, das in einer fremden Umgebung verstärkt werde.

Im Hinblick auf die EU-Sanktionen des Jahres 2000 nach dem Eintritt der FPÖ in die österreichische Regierung, sagt Schell, die Maßnahmen der EU-Partner seien „nicht richtig“ gewesen. Es habe sich um “österreichische Innenpolitik“ gehandelt. „Wenn man schon von Demokratie spricht, dann soll man auch Demokratie walten lassen. Wir mischen uns ja auch nicht in die Belange von Kanada ein“, so Schell, der am Samstag bei der Tagung der Auslandsösterreicher im Wiener Rathaus zum „Auslandsösterreicher des Jahres 2002“ gekürt wird.

Zur Politik im Allgemeinen merkt Maximilian Schell an, dass in Wirklichkeit ja gar nicht die Politiker, sondern „alteingesessene Verwaltungsleute“ die Fäden zögen. Wie die Schweizer sagten: „Wer gibt dem Staat d’eigentlichi Gstaltig? Zweitens isch’s dr Bundesrat und erschtens di Verwaltig“ (Wer gibt dem Staat die eigentliche Gestaltung? Zweitens ist’s der Bundesrat ÄRegierungÜ und erstens die Verwaltung). „Spitzenpolitiker könnten zwar „gut reden“, die eigentlichen Entscheidungen träfen aber andere. Deshalb sei auch der amerikanische Präsident letztendlich „austauschbar“, die Leute im Hintergrund zählten viel mehr.

Zum Erfolg seines Porträtfilms „Meine Schwester Maria“ über Maria Schell, der im Mai dieses Jahres Premiere hatte, zeigte er sich zufrieden. Der Film sei durchwegs gefeiert, gar mit Namen wie „Meisterwerk“ oder Ähnlichem bedacht worden. Er werde im Oktober auch am Filmfestival von Chicago laufen und bekomme überall Preise. Zu den vereinzelten negativen Reaktionen auf den Film sagte Schell, er ignoriere sie zwar nicht, aber sehe solche Kritik oft als Produkt von Missverständnissen. Er nehme Kritik nicht auf die leichte Schulter. „Von Hundert Kritiken ist die einzige, die man sich merkt, die schlechte.“

Nachdem er vor „Meine Schwester Maria“ jahrelang keinen Film gemacht hatte, kündigt Schell an, dass er gleich zwei Regieprojekte plane: über Beethovens Oper „Fidelio“ und über „Hamlet“ von Shakespeare. „Fidelio“, mit Startenor Placido Domingo und dem Dirigenten Kent Nagano, solle nicht einfach eine Filmversion der Oper werden, sondern „wie meine anderen Filme auch – eher eine Collage“. Im „Hamlet“ – „Traum von einem alten Schauspieler, noch einmal den Hamlet zu spielen“ – werde er selbst die Hauptrolle, die eine seiner Glanzrollen auf der Bühne gewesen war, übernehmen. Eine genauere Beschreibung der Filme verweigert Schell jedoch: „Filme kann man nicht beschreiben. Filme muss man fühlen.“

Außerhalb des Filmbereichs sei er zur Zeit kaum tätig. Nach seinem Roman „Der Rebell“ aus dem Jahre 1997 plane er auch kein zweites Buch: „Ich sollte was schreiben, aber es fällt mir nichts ein.“ Im Gegensatz zu seiner Schwester Maria, die bereits zwei Memoirenbände („Die Kostbarkeit des Augenblicks. Gedanken – Erinnerungen“; “…und wenn’s a Katz is. Mein Weg durchs Leben“) veröffentlicht hat, wolle er seine Erinnerungen nicht niederschreiben: „Vergangen ist vergangen.“

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