Salzburger Mozartwoche: "Reservisten" Blomstedt und Tetzlaff souverän

Die "Reservisten" Herbert Blomstedt und Christian Tetzlaff haben Nikolaus Harnoncourt und Gidon Kremer am Mittwoch, bei der Salzburger Mozartwoche würdig vertreten.

Im Großen Festspielhaus erstickten die beiden Einspringer die eventuelle Enttäuschung des Publikums über die kurzfristige Absage von zwei der prominentesten Mozartwochen-Musiker im Keim. An der Seite der Wiener Philharmoniker bewältigten Blomstedt und Tetzlaff vor allem das hoch komplizierte Violinkonzert von Alban Berg sicher und souverän.

Mag sein, dass im Klassikbetrieb vieles standardisiert ist – wer ein Werk wie das späte Violinkonzert von Berg einstudiert hat, kann es jederzeit abrufen. Geprobt wird zwei, höchsten dreimal kurz vor dem Auftritt. Viel Raum für individuelles Musizieren bleibt da nicht. Im Reproduzieren des Repertoires wird die Regel vom Betrieb und den Finanzen bestimmt – es ist ein Jonglieren mit Namen und nicht mit musikalischen Inhalten.

Rein technisch wirkte Christian Tetzlaff gestern Abend im Großen Festspielhaus, als hätte er sich lange und intensiv mit diesem sperrig-komplexen Werk auseinandergesetzt. Dirigent Blomstedt hingegen hatte den Kopf in der Partitur und nicht umgekehrt. Aber die Einsätze stimmten, das Orchester folgte, wenn auch gelegentlich zu laut. Kunsthandwerkliche Routine auf philharmonischem Niveau. Wirklich nahe gekommen ist Berg in diesem Konzert aber wahrscheinlich kaum jemandem.

Alles andere als außergewöhnlich klang auch Mozarts große g-Moll-Symphonie KV 550 – die Philharmoniker präsentierten in diesem extrem häufig gespielten Werk ihren bekannten Weichzeichner-Sound. Blomstedt konnte (oder wollte) Klang und Spielweise des Orchesters nicht beeinflussen. So war romantisierender, eher breit angelegter Klang eines vergleichsweise groß besetzten Orchesters zu hören, in dem die Musiker auf modernen Instrumenten überwiegend Legatostriche verwendeten und sich beim Spielen nur mäßig ins Zeug legten. Zur Ehrenrettung: Etwa ab der Mitte der Symphonie engagierten sich die Philharmoniker deutlich mehr und drehten im Finale sogar ein wenig auf. Viel mehr als gediegene Hübschheiten kamen dabei trotzdem nicht heraus.

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