Salzburger Festspiele: Rolando Villazons Kampf mit der Stimme

Salzburg-Stadt - Rolando Villazon ist längst noch nicht wieder ganz gesund. Nach fünfmonatiger Bühnenpause 2007 und einer Stimmbandoperation 2009 hat der sympathisch-quirlige Mexikaner - allen umjubelten Comebacks zum Trotz - bei weitem noch nicht zurück gefunden zu seiner alten Klasse.
Im Gegenteil: In seinem Liederabend am Sonntagabend bei den SalzburgerFestspielen präsentierte sich Rolando Villazons Stimme in einem besorgniserregenden Zustand.

Das GroßeFestspielhaus war bis auf den letzten, zusätzlich auf die Bühne gestellten Sitzplatz voll besetzt. Villazons Fan-Kreis ist groß und treu. Aber am Sonntagabend sprang der Funke nicht über. Der ohnehin kurze Liederabend endete mit freundlichem Applaus, aber ohne eine einzige Zugabe. Die hätte Villazon vermutlich auch gar nicht mehr geschafft.

Programm wurde kurzerhand umgedreht
Eigentlich sollte der 38-jährige Sänger mit Schumanns “Dichterliebe” beginnen. Nach der Pause waren erst französische Lieder von Komponisten wie Massenet und Faure geplant und dann die spektakulär-wirkungsvollen Fernando-Obradors-Lieder. So stand es im Programm. Nach diesem mexikanischen Doppel mit tenoreskem Glanz wären Zugaben naheliegend und unvermeidlich gewesen. Kurzerhand aber drehte Villazon das Programm um und sorgte vor der Pause für ein paar wenige Momente mit jenem süffigen Schmelz, für den das Publikum die Kassen stürmt. Nach der Pause aber konnte er Schumanns großen Zyklus nur noch mit knapper Not über die Distanz retten.
Nur in bequem Tonlagen fantastisch
Prinzipiell sind klangliche Grundfarbe und musikalische Ausdruckskraft dieses herausragend begabten Musikers nach wie vor fantastisch. Aber nur in den bequemen Lagen. Sehr schnell muss Villazon Druck auf die Stimme geben, in der Mittellage geht ganz wenig, und auch die Spitzentöne sind ihm einige Male allzu deutlich hörbar einfach weggebrochen. Rolando Villazon wirkte wie ein Klassekicker, der einst Spiele entschied und jetzt immer wieder peinliche Fehlpässe schlägt.
Liederabend war Verzweiflungstat
In der “Dichterliebe” versuchte der angeschlagene Startenor mit verschliffenen, verschmierten Lagenwechseln zu retten, was zu retten ist. Statt die am Heine-Text orientierte Poesie plastisch zu gestalten, driftete Villazon ins Sänger-Klischee und gab einen Schumann mit der Volksfest-Lässigkeit einer neapolitanischen Schmetterei. Nur dass er dafür ja gar keine Stimmkraft mehr hat. Pianist Gerold Huber, der für die angesagte Helene Grimaud einsprang, versuchte Villazon behutsam den Rücken zu stärken. Aber es half nichts. Villazons Liederabend war eine Verzweiflungstat.

Zu raten ist Rolando Villazon ganz schwer etwas. Zu wünschen ist ihm, dass er die Balance findet für die Belastbarkeit seines Wesens und seiner Stimme. Er würde fehlen in der Musikwelt.

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