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Saliera: Vier Jahre Haft für Mang

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Zu vier Jahren unbedingter Haft ist am Donnerstag Robert Mang verurteilt worden, der am 11. Mai 2003 mit dem Diebstahl der wertvollen Saliera aus dem KHM für Schlagzeilen gesorgt hatte.

„Es war nicht schwierig“, erzählte der 50-Jährige dem Schöffensenat (Vorsitz: Walter Stockhammer). „Da hätte jeder von uns raufgehen können“, beschrieb er, wie er über ein Baugerüst zu jenem Fenster gelangt war, hinter dem das Salzfass des Renaissance-Künstlers Benvenuto Cellini aufgestellt war.

Der Schuldspruch wegen schweren Einbruchsdiebstahls und versuchter Nötigung ist nicht rechtskräftig. Während sich Verteidiger Richard Soyer Bedenkzeit erbat, meldete Staatsanwältin Susanne Waidecker unverzüglich Rechtsmittel an. Damit steht fest, dass sich in jedem Fall noch ein Berufungssenat des Wiener Oberlandesgerichte mit dem Fall auseinander setzen muss, wo sich die Strafe erhöhen könnte. Immerhin hatte der Schöffensenat bei einem Strafrahmen von bis zu zehn Jahren das Strafausmaß im eher unteren Bereich angesiedelt.

Das Gerüst, das er zunächst „probeweise“ empor geklettert war, ehe er aus seinem Fahrzeug das Einbruchswerkzeug holte, sei beleuchtet und mit Treppen versehen gewesen, berichtete Mang: „Wenn Sie 30 Jahre auf Gerüsten verbringen, gehen’s dort oben herum, als würden Sie spazieren.“ 1975 hatte der aus ärmlichen, schwierigen familiären Verhältnissen stammende Mann sein Medizinstudium abgebrochen und sich als Spezialist für Alarmanlagen selbstständig gemacht. Die Geschäfte gingen gut, so dass finanzielle Motive für den spektakulären Kunstdiebstahl nicht Ausschlag gebend gewesen sein dürften.

Verteidiger Soyer verwies vielmehr auf persönliche Krisen, die seinen Mandanten auf die Idee gebracht hätten: Einerseits habe er die Scheidung und den Umstand nicht verkraftet, dass seine Frau eine neue Lebensgemeinschaft eingegangen war. „Die Bilder, die ihn als Frauenheld zeigen, sind daher völlig verfehlt“, betonte der Anwalt. Andererseits sei bei Mang eine Krebserkrankung ausgebrochen. Die Ärzte hätten ihm prophezeit, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent binnen zehn Jahren wieder mit schweren Metastasen zu rechnen sei.

„Da ist er innerlich gleichgültig geworden. In ihm ist ein Gefühl der Wurschtigkeit und Gleichgültigkeit entstanden“, sagte Soyer. Der damals 47 Jahre alte Mann sei an den Wochenenden bis in die frühen Morgenstunden in Discos gegangen, habe Ablenkung gesucht. Als er eines Morgens am Nachhauseweg das Baugerüst an der Außenfassade des Kunsthistorischen Museums wahrnahm, habe er kurzerhand beschlossen, dort „einzusteigen“. „Der Tatentschluss ist spontan entstanden“, formulierte der Verteidiger.

Er sei durch jenes Fenster eingestiegen, „das am nächsten beim Fluchtfahrzeug gewesen ist“, so der Angeklagte. Direkt dahinter war die Saliera platziert. „Wenn dort etwas anderes gestanden wäre, hätte ich das genommen. Die Saliera war reiner Zufall“, bemerkte Mang.

Seiner Schätzung zufolge eine Minute benötigte der Eindringling, um mit einem Brecheisen die Vitrine zu zerschlagen, sich das Salzfass unter den Arm zu klemmen, diese am Baugerüst in einem Ikea-Sackerl zu verstauen und unbehelligt den Heimweg anzutreten. „Da hab’ ich dann 30 Minuten Parkplatz gesucht“, erinnerte sich Mang.

Als er am nächsten Tag von seinem Coup in den Nachrichten hörte, „war ich putzmunter“. Grund: Er habe es nicht für möglich gehalten, ausgerechnet das wertvollste Stück des Museums entwendet zu haben. „Ich hab zwei Wochen nur Angst gehabt. Auf so einen Wert wäre ich nie gekommen“, gab der 50-Jährige zu Protokoll. Die 26 Zentimeter große, in den Jahren 1540 bis 1543 im Auftrag von König Franz I. von Frankreich entstandene Skulptur soll mindestens 36, anderen Schätzungen nach gar 50 Millionen Euro wert sein.

Finanzielle Überlegungen hätten bei der Tat keine Rolle gespielt, behauptete Mang: „Es war rein das Reinkommen und denen was Wegnehmen!“ Daheim verstaute er die Saliera in einem Samsonite-Koffer und platzierte diesen unter seinem Bett, wo sie die nächsten zwei Jahre blieb: „Ehrlich gesagt hab’ ich mich gewundert, dass man mich nicht erwischt hat.“ Anschließend habe er die Tat zu verdrängen versucht. Als er die Saliera ins Waldviertel brachte und vergrub, habe er sich erleichtert gefühlt: „Mir ist es um ein Eck besser gegangen, wie sie weg war.“

Auf die Idee, Lösegeld zu verlangen, hätten ihn erst Medienberichte gebracht, legte der Angeklagte dar. Zunächst forderte er in einem Brief fünf Millionen Euro. Später erhöhte er die Summe auf zehn Millionen und drohte, er werde die Saliera einschmelzen, sollte nicht bezahlt werden. Das habe er in Wahrheit aber nie ernsthaft erwogen, beschwor der 50-Jährige den Schöffensenat.

Für Schmunzeln beim Richter und im Saal sorgte der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums (KHM), Wilfried Seipel, bei seiner Zeugenaussage. Auf die Frage, ob er gewusst habe, dass die Sicherheitsvorkehrungen im KHM nicht die besten gewesen seien, meinte Seipel: „Das ist in dieser Form nicht zutreffend“ – worauf der Richter ihm mit einem kurzen Grinsen vorhielt, anschließend ja rund zwei Millionen Euro für Sicherheitsmaßnahmen investiert zu haben. Seipel blieb allerdings dabei, die Vorkehrungen wären „grundsätzlich ausreichend“ gewesen. Der Raum sei durch drei Bewegungsmelder gesichert gewesen und der Alarm ja auch angegangen. Allerdings habe der Wachdienst vorschriftswidrig nicht das Licht eingeschaltet und auf dem Bildschirm nachgesehen. Hätte er dies getan, hätte er den Eindringling bemerken und den Alarm weiterleiten müssen. Innerhalb von drei Minuten wäre dann eine Alarmfahndung ausgelöst worden.

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