Rücktritt von Welser-Möst: Differenzen mit Direktor Dominique Meyer

Die Differenzen zwischen Dominique Meyer (l.) und Franz Welser-Möst ließen sich nicht beilegen.
Die Differenzen zwischen Dominique Meyer (l.) und Franz Welser-Möst ließen sich nicht beilegen. ©APA
Die Differenzen zwischen Staatsoperndirektor Dominique Meyer und Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst sind offenbar in den vergangenen Tagen eskaliert. Am Donnerstag soll noch ein Vermittlungsgespräch zwischen Bundestheater-Holding-Chef Günter Rhomberg, Meyer und Welser-Möst stattgefunden, bei dem es aber keine Annäherung gegeben hat.
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Auch die Telefonate, die Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) nach der Bekanntgabe von Welser-Mösts Rücktritt mit diesem sowie mit Meyer und Rhomberg geführt hat, fruchteten nichts.

“Die Entscheidung des Generalmusikdirektors ist unumstößlich. Es wird daher keine weiteren Vermittlungsversuche geben. Es bleibt uns daher nichts übrig, als die Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis zu nehmen”, erklärte ein Ostermayer-Sprecher

Dominique Meyer: Ein großer Verlust”

“Mit großem Bedauern habe ich den Brief von Franz Welser-Möst entgegengenommen, in dem er mir seinen Verzicht auf seine Verpflichtung als Generalmusikdirektor mitgeteilt sowie alle Dirigate in der laufenden Spielzeit zurückgelegt hat”, lässt Staatsoperndirektor Dominique Meyer in einer ersten schriftlichen Stellungnahme verlauten.

“Das ist natürlich ein großer Verlust – und auch persönlich tut mir dieser Schritt sehr leid, denn ich schätze Franz Welser-Möst als Künstler und Dirigenten sehr. Meine Sorge und erste Aufgabe ist es nun, so rasch wie möglich adäquaten Ersatz für die Aufführungen zu finden, die er 2014/2015 an der Wiener Staatsoper hätte dirigieren sollen: immerhin 34 Vorstellungen, darunter die zwei mit ihm geplanten Premieren von Rigoletto und Elektra.”

“Kommunikationskonflikt”

Die Bestellung eines Generalmusikdirektors sei eine alleinige Angelegenheit der künstlerischen Leitung der Staatsoper, heißt es aus der Bundestheater-Holding. Dennoch war der interimistische Holding-Chef Günter Rhomberg als Vermittler eingeschaltet. “Schon im Sommer vor Beginn meines offiziellen Amtsantritts (als Geschäftsführer der Österreichischen Bundestheater) war ich in Kenntnis der Notwendigkeit einer Lösungsfindung”, lautete seine ebenfalls schriftlich abgegebene erste Stellungnahme.

“So bedauere ich umso mehr, dass es nun zu einer definitiven Entscheidung von Herrn Welser-Möst gekommen ist, seine Funktion als Generalmusikdirektor zurückzulegen und insbesondere, dass es so scheint, dass diese mit einer Reduktion der Dirigate verbunden ist”, so Rhomberg weiter. Gegenüber dem Ö1-Mittagsjournal sagte er, es habe sich vornehmlich um einen “Kommunikationskonflikt” zwischen Meyer und Welser-Möst gehandelt, der sich leider nicht lösen lassen habe.

Welser-Möst: “Schmerzliche Entscheidung”

“Es gibt Differenzen, die nicht von heute auf morgen entstanden sind. Dominique Meyer ist als Direktor die Nummer eins. Er ist ein sehr netter Mensch und hat in künstlerischen Dingen andere Meinungen. Das steht ihm auch zu. Aber dann muss ich die Konsequenzen ziehen”, begründete Franz Welser-Möst selbst seinen Rücktritt. Sein Entschluss sei nicht ad hoc gefasst worden, sondern langsam gereift. “Ich habe den Direktor dann heute Früh um 10 Uhr persönlich davon informiert und ihm auch mein Rücktrittsschreiben überreicht. Er hat gefasst und ruhig reagiert. Er hat nichts gesagt”, so Welser-Möst.

Über Details der künstlerischen Differenzen wolle er nicht sprechen. “Da geht es um Sänger und Dirigenten, da geht es um den ganzen Bereich, der die künstlerische Ausrichtung des Hauses ausmacht.” Dass er gleichzeitig mit seinem Rücktritt als Generalmusikdirektor auch seine Dirigate zurückgelegt habe, begründete er damit, “Abstand gewinnen” zu müssen. “Das kann ich aber nicht, wenn ich ihm Haus bin. Glauben Sie mir: Das ist eine für mich sehr schmerzliche Entscheidung. Gerade nach diesem besonders glücklichen ‘Rosenkavalier’ in Salzburg fällt es mir nicht leicht, auf die weitere Zusammenarbeit mit diesem Orchester (die Wiener Philharmoniker stellen das Staatsopernorchester, Anm.) zu verzichten.”

(APA)

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