"Rocky" sagte im Prozess um mutmaßlichen Wiener Rotlichtboss aus

Richter Stefan Erdei hatte am Donnerstag den Angeklagten "Rocky" vor sich.
Richter Stefan Erdei hatte am Donnerstag den Angeklagten "Rocky" vor sich. ©APA
Der Prozess gegen Richard St. und fünf Mitangeklagte ist am Donnerstag mit der Einvernahme des Viertangeklagten Dusko R. - genannt "Rocky" - fortgesetzt worden. Dem 57-Jährigen werden die Beteiligung an der kriminellen Vereinigung, Schutzgelderpressung, Beteiligung an absichtlicher schwerer Körperverletzung und an einem Buttersäureattentat im Tullner Nachtklub "Lili Marleen" vorgeworfen.
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Impulsiv versuchte der Ex-Boxer – zwölf Jahre als Amateur bei Roter Stern Belgrad, dann acht Jahre als Profi in Wien im Halbweltergewicht -, die Vorwürfe zu entkräften.

Das Boxen sei in Wien nicht wirklich gewinnbringend gewesen, 1980 habe er bei Harald H. – Richard St.’s Vorgänger und nunmehriger Konkurrent im Rotlicht-Milieu – angefangen. Danach habe er für Freddy K., ein weitere Größe der Wiener Rotlichtszene, gearbeitet. Bis St. gekommen sei und gesagt habe: “Rocky, so geht das nicht.” 2004 habe er offiziell als Bodyguard beim Hauptangeklagten begonnen, 2.500 Euro plus eine Prämie von 500 Euro, wenn nichts passiert, sowie Kleidung waren der Lohn. “Richard hat neue Gesetze am Gürtel gemacht, und alles war ruhig”, erklärte “Rocky”.

“Rocky” als rechte Hand von Rotlichtboss

“Rocky” galt als rechte Hand von Richard St. Im Verein “Freies Wien” alias “Nokia-Club”, über den laut Anklage Schutzgelderpressungen von Rotlichtlokalen im Bereich des Gürtels organisiert worden sein sollen, soll Dusko R. demnach organisiert haben, wer ausrückt, wenn es Probleme gibt.

Das hieß entweder “kleines Taxi”, bestehend aus dem Zweitangeklagten Peter A. und “Rocky” selbst, allenfalls noch dem Fünftangeklagte Christian R., oder “großes Taxi”, bei dem dann zumindest fünf Vereinsmitglieder auf der Bildfläche erschienen.

Als der Vorsitzende Stefan Erdei ihn konkret auf Schutzgeldzahlungen ansprach, meinte Rocky: “Was heißt Schutzgeldzahlungen? Wenn ich mit meinem Hund spazieren gegangen bin, sind die Leute (gemeint: Lokalbetreiber, Anm.) zu mir gekommen und haben gesagt: ‘Endlich ist Ruhe, können wir verlängern?’.”

Vorwurf der schweren Körperverletzung

Die ihm zur Last gelegte absichtliche schwere Körperverletzung soll er am 17. Oktober 2008 im Rotlichtlokal “Tete-a-Tete” begangen haben. Laut Anklage soll Dusko R. das Opfer Omer D. mit Fäusten bearbeitet haben, während der Zweitangeklagte Peter A. D. von hinten festhielt. Ein Kieferbruch links und Prellungen sollen die Folge gewesen sein. “Rocky” sah das – wie zuvor schon Peter A. – ganz anders: Es sei ein Anruf gekommen, dass sich im Lokal ein Mann mit Waffe befindet. “Sie haben uns angerufen, weil sie nicht wollten, dass die Polizei das Lokal stürmt.”

Im “Tete-a-Tete” sei “Zeljko” gestanden: “Ich bin hin zu ihm und habe ihn gefragt: ‘Zeljko, was ist denn los mit dir?'”, schilderte “Rocky”. Zeljko habe plötzlich eine Waffe in der Hand gehabt, ihm sei aber das Magazin heruntergefallen, und dann habe man ihn hinausbefördert. Sogar die Polizei sei gekommen und habe gemeint: “Lassen wir’s mit einer Anzeige.”

Dass es letztlich sogar drei Verletzte bei dem Vorfall gegeben haben soll, könne er sich nicht erklären. “Peter und ich haben nie Blödsinn gemacht, immer gab es Niveau, immer Haltung, immer Respekt.”

Lesen Sie mehr Details zu dem Prozess hier.

(APA)

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