Richtlinie für Radverkehr soll Unfälle reduzieren

Neue Richtlinien für den Radverkehr in Österreich sollen Fahrradunfälle reduzieren.
Neue Richtlinien für den Radverkehr in Österreich sollen Fahrradunfälle reduzieren. ©APA/FLORIAN WIESER
Mehr als 40 Fachleute haben die bundesweite Richtlinie für den Radverkehr (RVS) überarbeitet, wonach Radanlagen zukünftig sicherer sein sollen.
Rad-Initiative im Wiener Rathaus unterzeichnet

Fahrradfahren erfreut sich besonders in den Sommermonaten in Österreich großer Beliebtheit, E-Bikes und Lastenräder prägen mittlerweile das Verkehrsbild unübersehbar mit. Gleichzeitig hat aber auch die Zahl an Fahrradunfällen zugenommen.

Richtlinie für Radverkehr soll Unfälle reduzieren

"Es gibt politischen Druck, das Radfahren zu fördern, aber oft sucht man die billigste Lösung. Man pinselt eine Linie auf den Gehsteig, nimmt dem Fußgeher den wenigen Platz, den er eh schon hat, weg": Diese halbherzigen Versuche, das Radfahren populärer zu machen, gingen aber auf Kosten der Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer, sagte Klaus Robatsch, Verkehrssicherheits-Experte vom KVF und der Forschungsgesellschaft Straße-Schiene-Verkehr (FSV). Er verwies auf eine aktuelle Statistik, wonach hierzulande das Risiko, mit dem Rad zu verunglücken, 50 Mal höher sei als mit dem Auto, und die Wahrscheinlichkeit, in Österreich am Rad das Leben zu verlieren, doppelt so hoch sei wie in Deutschland, Belgien oder der Schweiz.

Hälfte der getöteten Radfahrern in Österreich waren über 65 Jahre alt

Weil fast die Hälfte aller getöteten Radfahrerinnen und Radfahrer in Österreich über 65 Jahre alt und mit dem E-Bike unterwegs war, sei bei der Überarbeitung der neuen Richtlinien besonderes Augenmerk auf die neuen, trendigen Fortbewegungsmittel gelegt worden: die E-Bikes, E-Scooter und Lastenräder. "Im Vergleich zu den klassischen Radfahrern haben sie andere, teils längere Bremswege, größere Kurvenradien und benötigen damit auch breitere Anlagen", sagte Robatsch. Deshalb wurde auch die empfohlene Mindestbreite von Radfahrstreifen neben längsparkenden Autos von 1,50 auf zwei Meter erhöht. "So können Unfälle mit aufgehenden Autotüren verhindert werden", sagte Robatsch.

Sichtweiten für Autofahrer bei Radfahrüberfahrten vergrößert

Neu sind auch die Empfehlungen, die Sichtweiten für Autofahrer bei Radfahrerüberfahrten zu vergrößern, "um Tote-Winkel-Unfälle zu verhindern", flächendeckend Bike-Boxen bei Kreuzungen anzubringen und Haltelinien von Mehrzweckstreifen vorzuziehen, "damit der Lkw-Lenker den Radfahrer sehen kann", so der Experte. Außerdem sollten dort, wo der Verkehr langsamer fließt, etwa in 30er-Zonen, Radfahrer mit dem Kfz-Verkehr gemeinsam geführt werden: "Weil da die Geschwindigkeiten zusammenpassen, was zwischen Radfahrern und Fußgängern nicht der Fall ist."

Ampel-Phasentrennung für Autos und Fahrräder

Eine weitere Maßnahme, die helfen würde, die Unfallhäufigkeit zu senken, könnte laut Experten auch der Ausbau der Phasentrennung an Kreuzungen sein: "Zuerst eine Grünphase für rechts abbiegende Autofahrer und dann für Radfahrer und Fußgänger." Das bedeute vielleicht eine längere Umlaufzeit, aber eben gleichzeitig auch ein großes Plus an Sicherheit.

Neue Rad-Richtlinien werden von Bundesländern übernommen

Die neuen Richtlinien werden von den Ländern übernommen - eine rechtliche Verpflichtung bestünde zwar nicht, "aber auch Städte übernehmen die RVS gerne. Die Stadt Graz wendet sie bei Neuanlagen an und baut, wenn möglich, alte Anlagen auf die neuen Standards um," sagte Martin Fellendorf vom FSV und richtete einen Appell an Verkehrsplaner von Gemeinden und Ländern, sich an die Vorgaben zu halten, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu erhöhen, "auch wenn der eine oder andere Parkplatz dadurch einmal wegfällt".

(APA/Red)

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