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Revolten sind Thema der zentralen Ausstellung der Wiener Festwochen

Wiener Festwochen - Revolutionsschau "politisch, nicht dogmatisch"
Wiener Festwochen - Revolutionsschau "politisch, nicht dogmatisch" ©APA
Die Rolle der Mittelklasse in Revolten in verschiedenen geografischen Regionen ist das Thema der zentralen Ausstellung der Wiener Festwochen, die heute, Freitag, Abend im 21er Haus eröffnet.

“Zehntausend Täuschungen und hunderttausend Tricks” lautet der Titel der Schau, die das kroatische Kuratorinnenkollektiv “What, How and for Whom” (WHW) im Rahmen des Festivals “Meeting Points 7” erstellt hat. Die Beiträge reichen von Dublin bis Kapstadt und von New York City bis Beirut. In Kooperation mit dem Belvedere wurde die bereits unter anderem in Zagreb, Hongkong und Beirut gezeigte Ausstellung um heimische Positionen erweitert. Denn auch hierzulande spielen laut Luisa Ziaja, Kuratorin des 21er Hauses, aufgrund der österreichisch-ungarischen Monarchie “gewisse postkoloniale Konditionen” sowie in Hinblick auf Österreichs Rolle im Nationalsozialismus “faschistische Tendenzen” eine Rolle.

Revolten bei den Wiener Festwochen

“Wie Sie sehen, ist das kein Schauspiel”, scherzte Schauspieldirektorin Frie Leysen am Vormittag bei der Pressekonferenz mit einem Seitenblick auf die von ihr initiierte Ausstellung: “Aber das ist die Zukunft der Festwochen, dass auch Filme und Ausstellungen präsentiert werden”, so die nach ihrer ersten Saison bereits wieder scheidende Direktorin. “Diese Kuratorinnen sind politisch, ohne dogmatisch zu sein”, unterstrich sie ihre Begeisterung für WHW und lobte “den Humor und die Eleganz, die ich sonst oft bei Ausstellungen vermisse”. “Hier sind wirklich starke Statements von hoher künstlerischer Qualität zu sehen”, sagte Leysen.

“Litanei der glücklichen Leute” heißt etwa der Beitrag des in Ljubljana (Laibach) lebenden Künstlers Karpo Godina: In seinem Kurzfilm porträtiert er eine Reihe statischer Aufnahmen von Dorfbewohnern in der Vojvodina (Ex-Jugoslawien), deren Häuser durch den Anstrich in einer bestimmten Farbe die Zugehörigkeit zu einer der vielen verschiedenen Nationalitäten signalisieren. Die Überschreitung von tradierten weiblichen Verhaltensnormen und Handlungsmustern ist wiederum Thema der türkischen Künstlerin Nilbar Güres, die in ihren im 21er Haus gezeigten Fotos “patriarchale Reglements der Normalität” herausfordert und in ihren Arbeiten beispielsweise mit dem (ruralen) Tragen des Kopftuchs versus urbaner türkischer Freizügigkeit spielt.

Die Wiener Festwochen

Mit Widersprüchlichkeit arbeitet auch die Kroatin Sanja Ivekovic in ihrer Serie “Die Richtige: Perlen der Revolution”: Die Fotos im Stil von Werbeaufnahmen zeigen die feministische Soziologin Jana Sarinic, wie sie mit einer Perlenkette in der Hand den jugoslawischen Partisanengruß nachahmt. Die Zeichnungen der russischen Künstlerin Victoria Lomasko wiederum widmen sich im Stil eines Graphic Novels dem Schauprozess rund um die russischen Aktivistinnen von Pussy Riot.

Unter den heimischen Künstlern, die die Ausstellung erweitern, findet sich unter anderen das Video “Passage a l’acte” von Martin Arnold, in dem er durch unzählige Schnitte in Robert Mulligans Film “To Kill a Mockingbird” (1962) die scheinbare Idylle einer amerikanischen Familie am Esstisch hinterfragt. Eva Egermann ist mit “Nach der Freiheit – Reproduktion” vertreten, in der sie sich auf ein Zeitungsprojekt bezieht, das sie 2005 mit Aktivistinnen des antifaschistischen Widerstands realisierte. Lisl Ponger ist schließlich mit den Tryptichen “Gleiche Rechte für Alle” und “Gute Nacht, Dogmatismus” vertreten, in denen sie bedeutende Umbrüche der Neuzeit wie die bürgerliche Französische Revolution und die proletarische kommunistische Revolution thematisiert.

Alles zu den Wiener Festwochen.

(APA)

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