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Rekord-Schlepperbande vor Gericht

Auch hartgesottene Richter erleben am Wiener Landesgericht immer wieder etwas Neues: Etwa eine Schlepperbande, die pro Monat rund 1.000 Menschen verschiebt. Vertagt auf 2.10.

Im Fall von Peter Liebetreu war das am Dienstag der Prozessauftakt gegen eine moldawisch-ukrainisch-litauische Schlepperbande, die es allein in den beiden Monaten der Telefonüberwachung auf rund 2.000 Fälle gebracht haben soll. „So ein Akt ist auch bei uns einmalig“, sagte Liebetreu, Vorsitzender des Schöffensenats, in Anspielung auf die hochprofessionelle und arbeitsteilige Vorgangsweise der Gruppe.

Vor Gericht standen acht Angeklagte, sechs Männer und zwei Frauen, im Alter von 27 bis 46 Jahren. Tatsächlich wird vermutet, dass zahlreiche weitere Täter sich auf freiem Fuß befinden. Das betrifft auch die Köpfe des Schlepperrings, die sich laut den teils geständigen Angeklagten in der Ukraine aufhalten sollen. Die beiden Hauptangeklagten sind ein 30-jähriger Moldawier und eine 35-jährige, in Moldawien geborene Staatenlose.

Weit ist die Verhandlung heute noch nicht gediehen: Der Prozess wurde auf 2. Oktober vertagt.

4.000 Euro für ein Ticket nach Italien

Laut Anklage soll sie für die Organisation der Schleppergruppe in Österreich zuständig gewesen sein und die Route geplant haben. Die vor allem aus der Ukraine und Moldawien stammenden Menschen wurden via Ungarn, der Slowakei oder Tschechien nach Österreich gebracht und von hier weiter nach Italien transportiert. Dafür sollen sie bis zu 4.000 Euro gezahlt haben. Die Angeklagte bekannte sich teilweise schuldig und hielt es durchaus für möglich, dass sie die ihr zur Last gelegten rund 430 Schleppungen begangen hatte.

Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft machte aber die 35-Jährige den Erstbeschuldigten dafür verantwortlich, dass sie mit dieser Branche Bekanntschaft machte: „Ich bin da hineingerutscht“, sagte sie. Manche der Geschleppten ließ sie im Kinderzimmer ihrer beiden zehn und 13 Jahre alten Söhne schlafen.

Laut Anklage sollen die beiden auch sonst für Schlepper- und Betreuertätigkeiten herangezogen worden sein. Ermittler berichteten im Juli, dass sie das Geld für Schönheits-Operationen und Ähnliches ausgegeben hatte. Neben der Beschuldigten saß auch ihr Mann, der laut Liebetreu aber „im Vergleich zu ihr eher einer geringfügigen Beschäftigung nachging“ und nur manchmal an Schleppungen teilnahm.

Der Erstangeklagte gab nur etwa 200 der ihm zur Last gelegten mindestens 1.145 in zwei Monaten zu. Insgesamt wollte er nur etwa 2.000 Euro dabei verdient haben. Die großen Gewinne sollen die Bosse in der Ukraine gemacht haben.

90% erreichten ihr Bestimmungsziel

Auffallend an der Organisation war laut Liebetreu erstens die hohe Erfolgsquote bei den Geschleppten. Sie lag bei 90 Prozent, normalerweise betrage sie etwa 50 Prozent, sagte der Richter. Möglich wurde dies durch ein ausgeklügeltes System mit arbeitsteiliger Vorgangsweise. Die Geschleppten wurden mit Autos an die grüne Grenze gebracht. Von dort mussten sie zu Fuß auf die österreichische Seite gelangen, wo sie wieder von Autos abgeholt wurden. Jeder der Verdächtigen hatte mehrere Mobiltelefonen und SIM-Karten. Außerdem kommunizierte man nur mit Spitznamen, um es der Polizei schwerer zu machen.

Befanden sich die Flüchtlinge erst einmal im Auto, waren sie vor Entdeckungen praktisch sicher. Mit Vorausfahrzeugen wurden potenzielle Polizeikontrollen aufgespürt und die Schleppautos im Fall des Falles gewarnt. In Wien gab es für die Flüchtlinge ein Durchgangslager, bevor sie einige Tage später nach Italien weiter transportiert wurden.

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