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Reaktionen auf Festnahme des ukrainischen Oligarchen Dmitry Firtash in Wien

Dmitry Firtash wurde in Wien festgenommen.
Dmitry Firtash wurde in Wien festgenommen. ©EPA
Dass der ukrainische Oligarche Dmitry Firtash in Wien festgenommen wurde, hat in seinem Heimatland für Aufregung gesorgt. Die Nachricht verbreitete sich in den Medien wie ein Lauffeuer, Firtashs eigener Sender sprach von einem "Missverständnis".
Jahrelang vom FBI gesucht
Wer wurde festgenommen?

In den Fernsehsendern und auf den englischsprachigen Internetseiten einiger Medien wurde vor allem das Faktum der Festnahme Firtashs berichtet, ergänzt mit Erklärungen von Firtash Öffentlichkeitsarbeitern. Dies gilt insbesondere für den reichweitenstarken Fernsehsender Inter, der seit 2013 von Firtash kontrolliert wird. Den russischsprachigen Nachrichten “Podrobnosti” (“Details”) auf Inter war die Verhaftung seines Besitzers am Donnerstag nur magere 39 Sekunden wert. Ohne dass auf die Rolle des Oligarchen für Inter verwiesen worden wäre, wurde von der Verhaftung erzählt und ein kurzes Statement von Firtashs Group DF referiert, demzufolge die Festnahme in Wien weder mit der aktuellen politischen Situation in der Ukraine, noch mit Investments in Europa und in den USA zu tun habe. Laut Group DF handle sich alles, so der Moderator, um ein Missverständnis, das in Kürze aus der Welt geschafft würde.

Mediales Interesse an Firtashs Festnahme groß

Der Inter-Konkurrent 1+1 räumte der Verhaftung hingegen gleich drei Minuten Sendezeit ein. In TSN, der ukrainischsprachigen Hauptnachrichtensendung dieses Fernsehsenders, wurde ein Korrespondent aus Wien zugeschaltet, der die Causa vor dem Hintergrund der abendlichen Nationalbibliothek ausführlich schilderte. Neben dem Statement der Group DF referierte der Korrespondent auch offizielle Erklärungen ukrainischer Behörden – diese hatten erklärt, dass es aus Kiewer Sicht keine Vorwürfe gegen den Geschäftsmann gäbe. Die Rede war aber auch von “historischen” FBI-Untersuchungen im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen russischen Mafiapaten Semjon Mogilewitsch sowie zum erwartenden Prozedere in Österreich, wo das Landesgericht Wien über eine Haftverhängung entscheiden müsse.

Reaktionen von Zeitungen in der Ukraine

Nahezu eine Seite und deutlich mehr Hintergründe brachte am Freitag die Tageszeitung “Westi” (“Nachrichten”), die auch den Sprecher des Wiener Bundeskriminalamtes, Mario Hejl, zitierte: “Meine Kollegen sind an ihn herangetreten und sagten: ‘Sie sind verhaftet.’ Er stimmte zu und ging mit.” Mit Bezugnahme auf eine anonymen Quelle in Firtashs Group DF schreibt “Westi”, dass das FBI zu einem Geschäftsfall in Indien ermitteln würde, in den USA diesbezüglich bereits mehrere Inder verhaftet worden wären und Firtash den amerikanischen Behörden für eine Vernehmung wichtig sei. Ein weiterer anonymer Gesprächspartner der Zeitung brachte die Verhaftung hingegen in Zusammenhang mit Semjon Mogilewitsch: “Dima (D. F., Anm.) wurde gewarnt, nicht in Staaten zu fahren, die mit den USA ein Auslieferungsabkommen haben. Aber aus unerfindlichen Gründen musste er unbedingt nach Wien.”

Oligarch hatte Wohnsitz in Wien-Wieden

Die ausführlichste Beschäftigung mit der Festnahme lieferte Serhij Leschtschenko von der “Ukrainska Prawda”, der als einer der führenden investigativen Journalist des Landes gilt. In seinem Beitrag “Firtash geht in Haft”, der in der Nacht auf Freitag auf pravda.com.ua erschien, ging Leschtschenko nicht nur detailliert auf die Mogilewitsch-Connection ein. Er beschrieb Firtash auch als einen “mysteriösen Geschäftsmann”, über den Legenden erzählt worden seien und von dem bis zu einem Treffen mit “Financial-Times”-Journalisten keinerlei Fotografien in öffentlichen Quellen existiert hätten. Zudem veröffentlichte Leschtschenko exklusiv die Videoaufnahmen eines informativen Hintergrundgesprächs mit Firtash, in dem dieser gegenüber Journalisten heftige Vorwürfe gegen Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko gemacht hatte. Der investigative Journalist zitierte aber auch aus amtlichen österreichischen Dokumenten – etwa aus der Bilanz – laut Firmenbuch – der von Firtash kontrollierten Centragas Holding AG in Wien, die 2011 einen akkumulierten Gewinn von 289 Millionen Euro auswies. Ein aktueller Auszug des Melderegisters belegt, dass der Oligarch bis zuletzt einen offiziellen Wohnsitz in der Schwindgasse in Wien-Wieden hatte.

 “Ein respektabler Geschäftsmann”

Viele Jahre habe Firtash daran gearbeitet, ein respektabler Geschäftsmann zu werden, schrieb Leschtschenko in einem abschließenden Absatz. Für diese Aufgabe von Firtash engagierte westliche Berater könnten ihm nun auch den einzigen nützlichen Rat geben, nämlich möglichst schnell mit den US-Anklägern einen Deal auszuarbeiten und über alle seine Mittäter auszusagen. “Dies ermögliche ihm, einen Teil seines Vermögens zu behalten. Im Austausch über Informationen zu politischer Korruption, an der er selbst beteiligt war, kann Firtash aber auch mit einem milderen Urteil rechnen.” (APA)

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