Prozess zu Fesselmord in der Innenstadt: Opfer war "ausgehungert nach Liebe"

Beim Fesselmord-Prozess in Wien
Beim Fesselmord-Prozess in Wien ©APA
Am Dienstagnachmittag saßen die 74-jährige Mutter von Mordopfer Elisabeth W. und ein Freund von Lotfi D., der den Fesselmord in der Innenstadt begangen haben soll, im Zeugenstand. Die Mutter von W. beschrieb die Persönlichkeit ihrer Tochter als "ausgehungert nach Liebe", der Freund belastet den Angeklagten schwer.
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Nach einer kurzen Pause wurde die Verhandlung um den Fesselmord-Fall Elisabeth W. im Wiener Straflandesgericht mit der Einvernahme der Mutter des Mordopfers fortgesetzt. Die sichtlich immer noch erschütterte Brigitta W. (74) ließ dabei mit einigen Aussagen aufhorchen.

So ein Mensch war Elisabeth W.

Die 74-jährige gab an, ihre Tochter hätte niemals jemanden in ihre Wohnung gelassen, schon gar nicht fremde Männer. Allerdings sei Elisabeth W. nach einer gescheiterten langjährigen Beziehung sehr einsam und “ausgehungert nach Liebe und Zärtlichkeit” gewesen.

Die schwer herzkranke Frau beschrieb ihre ermordete Tochter als überaus “pedantischen” Menschen, der nicht nur sehr viel Wert auf teures Gewand und kostbaren Schmuck, sondern auch auf Sauberkeit und Ordnung gelegt habe. Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 2007 seien sie, Brigitta W. und Elisabeth auch beste Freundinnen geworden und hätten sich “alles erzählt”.

Nach Trennung riet Mutter zu Treffen mit Lotfi D.

Von etlichen sexuellen Beziehungen zu Männern, wie der Verteidiger von Lotfi D., Farid Rifaat, der Frau vorhielt, habe sie allerdings nichts gewusst. “Das ist doch alles Blödsinn”, so Brigitta W. Zu einem gemeinsamen Essen mit dem Angeklagten habe sie ihrer Tochter sogar geraten. “Damit sie einmal wieder rauskommt. Sie hatte sich ja nach dem Ende einer fünfjährigen Beziehung total zurückgezogen. Es war ihre große Liebe.”

Noch am Abend vor dem Verbrechen hatte Elisabeth W. ihre Mutter versucht zu erreichen, doch diese habe bereits geschlafen. “Als ich am nächsten Tag, gleich in der Früh, zurückgerufen hab, war das Handy abgeschaltet. Das war sehr ungewöhnlich.” Erst zwei Tage später hat dann der Ex-Mann von Elisabeth W., der im Besitz eines Wohnungsschlüssels war, wovon die Mutter wusste, die Leiche der 48-Jährigen gefunden.

Zeigte Angeklagter dem Freund Schmuck von W.?

Überaus langwierig gestaltete sich anschließend die Befragung von Hassan R., einem Freund, bei dem der Angeklagte in den frühen Morgenstunden des 15. September 2011 um ein Schlafquartier gebeten hatte. R. gab an, dass ihm Lotfi D. einen Ring und eine Halskette gezeigt habe. Außerdem soll der 27-Jährige in einer schwarzen Sporttasche mehrere Schmuckbehälter transportiert haben, von denen er behauptet habe, sie einer Frau gestohlen zu haben, mit der er auch Geschlechtsverkehr hatte.

Hassan R. zeigte sich überaus verängstigt und wies darauf hin, dass man ihm seitens des Angeklagten hätte ausrichten lassen, er solle seine Aussagen ändern. “Sonst wird nicht nur meine, sondern auch deine Mutter weinen”, so R. im Zeugenstand.

Die Verhandlung um den Fesselmord dauerte am späteren Dienstagnachmittag noch an und wurde mit der Einvernahme von Omar H. fortgesetzt, bei dem es sich um einen weiteren Freund des Angeklagten handelt.

(apa/red)

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