Prozess um Raubmord an Pensionistin in Wien-Leopoldstadt: DNA-Spur belastet Putzfrau

Die Angeklagte beim Prozess in Wien
Die Angeklagte beim Prozess in Wien ©APA
Auslöser dafür, dass sich eine 41-jährige Putzfrau am Dienstag wegen Raubmordes an einer Pensionistin in Wien verantworten musste, war ein kleiner silberner Ohrstecker, dem die Kriminalisten zunächst keine besondere Bedeutung beimaßen. Die Angeklagte soll ihr Opfer malträtiert und schließlich mit 16 Messerstichen erstochen haben.
Beim Raubmord-Prozess
Prozess gegen 41-Jährige
Unter Mordverdacht in U-Haft
Putzfrau als Tatverdächtige verhaftet
Belohnung für Hinweise im Mordfall
Pensionistin erschlagen
Tatort in Leopoldstadt

Die 41-jährige Wienerin, die sich am Dienstag wegen Raubmordes an der 85 Jahre alten Maria E. im Straflandesgericht verantworten musste, hatte jahrelang als Putzfrau bei der betagten Dame gearbeitet. Mutmaßliches Motiv: Sie wusste angeblich, dass die Pensionistin vermögend war, den Banken misstraute und daher zu Hause Bargeld aufbewahrte.

Putzfrau kam regelmäßig zu Pensionistin

Wie Staatsanwältin Judith Ziska darlegte, hatte die Angeklagte von 2006 bis 2009 jeden zweiten Dienstag in der Wohnung des späteren Opfers in der Blumauergasse in Wien-Leopoldstadt geputzt. Weil Maria E. dann eine Reinigungskraft fand, die auch die Einkäufe erledigte, stellte sie diese ein und löste das Dienstverhältnis mit ihrer bisherigen Raumpflegerin. Das gute Verhältnis zu dieser dürfte das nicht getrübt haben – als die 41-Jährige am 8. November 2011 bei ihr anläutete, öffnete ihr Maria E. die Tür, obwohl sie als äußerst vorsichtig galt und niemals Fremde in ihre Wohnung ließ.

Sie kredenzte dem unerwarteten Besuch Kekse und Kaffee. Als sich die 85-Jährige wegdrehte, weil sie einen Anruf erhielt, dürfte die Besucherin begonnen haben, nach Wertgegenständen und Bargeld Ausschau zu halten.

Opfer attackiert: Mit Krücken und 16 Messerstichen

Als Maria E. das bemerkte, soll die 41-Jährige die gehbehinderte Frau mit ihren jeweils 572 Gramm schweren Krücken attackiert und ihr damit massive Kopf- und Gesichtsverletzungen zugefügt haben. Maria E. kam zu Sturz und versuchte wimmernd wegzurobben. Da holte die Angreiferin der Anklage zufolge aus der Küche ein Messer und stach dieses der 85-Jährigen 16 Mal in den Hals. Während die Frau verblutete, fand die Täterin rund 2.000 Euro und Goldmünzen und suchte damit das Weite.

Fall landete fast bei den Akten

Der Kriminalfall drohte bereits als ungelöst zu den Akten zu wandern, weil sich unter dem Kreis der Verdächtigen über Monate hinweg niemand fand, der für das Verbrechen infrage kam. Neben Verwandten und Bekannten hatte zu diesem auch die aktuelle, nicht aber die frühere Putzfrau gezählt, die seit mehr als zwei Jahren nicht mehr für das Opfer gearbeitet hatte. Erst als der Sohn der Getöteten diese zur Sprache brachte, wurde auch der 41-Jährigen Aufmerksamkeit geschenkt.

Ohrstecker mit DNA überführte Putzfrau

Ein kleiner, neben der Leiche gefundener Ohrstecker führte schließlich im April 2013 zu ihrer Festnahme: Die DNA-Expertin Christina Stein konnte nachweisen, dass sich auf dem Schmuckstück nicht nur das Blut der Getöteten, sondern auch die genetischen Merkmale der früheren Putzfrau befanden. Sie hatte den Clip am Tatort verloren. DNA-Spuren der 41-Jährigen konnten darüber hinaus auch an noch an der Gegensprechanlage der Wohnhausanlage gefunden werden.

Tatwaffen in die Donau geworfen

Nach ihrer Festnahme legte die 41-Jährige zunächst ein Geständnis ab. Sie gab zu, nach vollbrachter Tat die Krücken und das Messer in ein Nachthemd gewickelt und später in der Donau versenkt zu haben. Sie räumte ein, auch noch die Handtasche der 85-Jährigen an sich genommen zu haben. Dass im Schlafzimmerkasten hinter einer Holzverkleidung eine Kassette mit 321.000 Euro versteckt war, war der Verdächtigen, die Ende Mai bei einer Tatrekonstruktion den Hergang des Geschehens genau schilderte, allerdings entgangen.

Lebensgefährte als Auftraggeber beschuldigt

Im Juli brachte die 41-Jährige nach dreimonatiger U-Haft plötzlich ihren damaligen Lebensgefährten ins Spiel und behauptete nunmehr, auf dessen Befehl hin nur als Beitragstäterin gehandelt zu haben. Sie habe diesem erzählt, dass Maria E. viel Geld habe, der habe sie daraufhin überredet, zu der 85-Jährigen zu fahren und diese attackiert. Der Freund der 41-Jährigen wurde umgehend festgenommen.

Rasch stellte die Staatsanwältin aber fest, dass dieser ein Alibi hatte und die 41-Jährige offenbar die Unwahrheit sagte: Der Getränke-Auslieferer hatte am fraglichen Tag den gesamten Vormittag und damit im entscheidenden Zeitraum gearbeitet, was sich mit dem Fahrtenschreiber, den Zeugenaussagen seines Chefs, eines Mitarbeiters und eines Gastwirts belegen ließ. Außerdem ergab eine Funkzellen-Auswertung, dass das Handy des Mannes – im Unterschied zu jenem der Angeklagten – im Tatzeitraum nicht am Tatort eingeloggt war. Er wurde daher nach kurzer Zeit enthaftet und seine Ex-Freundin zusätzlich wegen Verleumdung angeklagt.

(apa/red)

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