Prozess gegen Ewald Stadler: Johann Gudenus belastet Angeklagten

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (L) begrüßt den früheren FPÖ- und jetzigen REKOS-Politiker Ewald Stadler beim Prozess am Montag.
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (L) begrüßt den früheren FPÖ- und jetzigen REKOS-Politiker Ewald Stadler beim Prozess am Montag. ©APA
Bei der Fortsetzung des Nötigungsprozesses gegen Ewald Stadler in Zusammenhang mit der "Paintball-Affäre" hat Johann Gudenus am Montag die FP-Version bestätigt, wonach der Angeklagte mittels Fotos Druck auf Parteichef Heinz-Christian Strache ausgeübt haben soll.
Beim Prozess am Montag
Anklage wegen Nötigung
Beim Stadler-Prozess
Straches "Jugendsünden"

Stadler steht im Zusammenhang mit der “Paintball”-Affäre vor Gericht – also mit den 2007 öffentlich bekannt gewordenen “Wehrsport”-Jugendfotos Straches.

Staatsanwältin Stefanie Schön wirft Stadler in der Anklage schwere Nötigung und falsche Zeugenaussage in einem Medienprozess vor: Stadler habe im Dezember 2006 Strache gedroht, diese Fotos zu veröffentlichen, um damit die Förderung der von ihm geleiteten “Freiheitlichen Akademie” zu erzwingen. Denn Strache – der damals Stadlers parteiinterne Demontage betrieb – hatte eine zweite Bildungseinrichtung, das Freiheitliche Bildungsinstitut, gegründet. Stadler hat diese Darstellung bestritten.

Gudenus belastet Stadler

Am Montag berichtete Zeuge Johann Gudenus (im Jahr 2006 u.a. RFJ-Vorstand, mittlerweile stellvertretender FPÖ-Parteichef), er sei 2006 von Stadlers Mitarbeiter Stelzl zu einem Treffen gedrängt worden, das dann am 22. Dezember auch stattgefunden habe – und zwar in einem chinesischen Restaurant in Wien-Landstraße.

Bei dem Treffen im China-Restaurant sei er dann mit zahlreichen Vorwürfen gegenüber Strache konfrontiert worden, wobei ihm auch die als “Wehrsportfotos” (“fünf bis zehn Fotos”) bekannt gewordenen Aufnahmen vorgelegt worden seien, sagte Gudenus aus. Dabei sei er darum gebeten worden, Strache zu kontaktieren. Dieser solle noch am gleichen Tag eine Aussendung über APA-OTS herausgeben, dass die alte FPÖ-Akademie weiterhin förderungswürdig sei. Bis 23. Dezember müsse die FPÖ außerdem eine entsprechende Erklärung an das zuständige Bundeskanzleramt gehen.

Drohung mit Fotos

Sollte dies nicht passieren, so sei als Drohung im Raum gestanden, dann komme “das Ganze” an die Öffentlichkeit. Sollten die Forderungen nicht erfüllt werden, dann würden die Fotos nach den Feiertagen, in den Medien “losgetreten”, habe man ihm erklärt, so Gudenus. Wer die Fotos dann letztlich an die Medien weitergegeben hat, wisse er nicht, sagte Gudenus.

Nach dem Gespräch mit Stadler und Stelzl habe er sich dann sofort mit Strache in dessen Büro getroffen und ihm berichtet. Danach sei “relativ schnell” ein Treffen einberufen worden, an dem u.a. Hilmar Kabas, Herbert Kickl, Johann Herzog, Eduard Schock sowie Strache und Gudenus teilgenommen hätten. Dabei habe er das Ganze noch einmal geschildert, so Gudenus. Über dieses Treffen existiert auch ein Aktenvermerk, unterzeichnet von Strache und Gudenus.

Bei dem Treffen habe man beschlossen, nicht auf die Drohungen zu reagieren, so Gudenus. Strache habe gesagt, dass er die Situation nicht so schlimm einschätze. Im Nachhinein habe sich ja auch herausgestellt, dass von den Vorwürfen nichts hängen geblieben sei. Bei den anderen Vorwürfen – u.a. einer im Zusammenhang mit behauptetem Drogenmissbrauch Straches – sei es schon vorher klar gewesen, “dass das völliger Humbug war”.

“Ich esse nie beim Chinesen”

Stadler stellte es in Abrede, bei dem Treffen am 22. Dezember 2006 überhaupt dabei gewesen zu sein: “Ich halte fest, ich esse nie beim Chinesen”. Gudenus entgegnete, Stadler selbst habe bei einer Bundespartei-Sitzung am 13. Jänner 2007, bei der laut Gudenus auch dieses Thema debattiert wurde, dann erklärte, er sei bei dem Treffen dabei gewesen.

Thematisiert wurde auch eine eidesstattliche Erklärung von Gudenus aus dem Jahr 2009. Diese habe er unterfertigt, da er für ein Buch über Strache Interviews gegeben habe, sagte Gudenus. Mit der Erklärung habe er seinen Aussagen “mehr Gewicht” verleihen wollen, so Gudenus. Die Berichte aus dem Buch waren ja auch Anlass für die Staatsanwaltschaft, Ermittlungen aufzunehmen – die FPÖ selbst hatte keine Anzeige gegen Stadler eingebracht.

(APA)

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