Prozess gegen „Zöpfchen“ beginnt

Eine gefürchtete Größe aus dem Wiener Rotlichtmillieu steht ab heute vor Gericht. Der mutmaßliche Schutzgeld-Erpresser war angeblich auch Polizei-Informant.

Wien (APA) – Am Montag musste sich im Wiener Straflandesgericht jener Mann verantworten, vor dem angeblich die Rotlicht-Szene zitterte: Laut polizeilichen Ermittlungen soll Dragan J. alias „Repic“ (serbisch für „Zöpfchen“, Anm.) mit einer Schlägertruppe Lokalbetreiber mit Schutzgeldforderungen erpresst haben. Zugleich soll ein mittlerweile suspendierter Chefinspektor der Kriminaldirektion (KD 1) den Mann offiziell als Informanten geführt und dafür mit Mitteln des Innenministeriums entlohnt haben.

Vor Geschworenen hatte sich der 39-jährige „Repic“ nun wegen schweren Raubes zu verantworten, wobei sich die beiden inkriminierten Fakten „in der Szene“ abgespielt haben sollen: Im ersten Fall soll der bullige Serbe den 17-jährigen Sohn einer einstigen Rotlichtgröße – der Mann verbüßt wegen Suchtgifthandels neun Jahre Haft – auf offener Straße mit einer Pistole bedroht und dem Burschen 100 Euro abgenötigt haben.

„Absoluter Schwachsinn“, hielt dem Verteidiger Andreas Duensing entgegen, „so einen Aufwand würde mein Mandant wegen 100 Euro nie betreiben!“ Laut Staatsanwältin Susanne Kerbl-Cortella dürfte die Aktion den Sinn gehabt haben, den inhaftierten Ex-Konkurrenten und dessen Hintermänner bzw. Sympathisanten einzuschüchtern.

Blutiger ging es am 12. Juni 2006 im Lokal „XS“ zu, als „Repic“ mit einem mitangeklagten Komplizen drei der Konkurrenz zuzurechnende Männer grün und blau schlug. Die Opfer wurden am frühen Morgen mit Stahlrohrsesseln zusammengeschlagen, einer mit dem Lauf einer Pistole außer Gefecht gesetzt. „Repic“ soll ihnen auch gedroht haben, ihnen die Fingerkuppen abzuschneiden, wobei diese Drohung mit einem Messer „veranschaulicht“ wurde. Anschließend wurden dem Trio 1.700 Euro Bargeld und der Goldschmuck abgenommen.

Am frühen Morgen wurden die drei Männer dann aufgefunden und mit schweren Verletzungen in verschiedene Krankenhäuser eingeliefert. Anzeige erstatteten sie erst, nachdem „Repic“ wegen eines anderen Delikts verhaftet worden war. „Aus Angst“, erklärte die Staatsanwältin. „Aus Rache“, widersprach „Repics“ Rechtsbeistand:
„Man will ihm schaden! Aus Rache! Man will ihm ganz eindeutig eins auswischen!“

Als Polizei-Informant habe sein Mandant für die Verurteilung des früheren Gürtel-Bosses Harald H. gesorgt und auch andere Personen hinter Gitter gebracht. Erst nach der Entlassung von Harald H. seien die falschen Beschuldigungen aus der „Szene“ aufgetaucht.

Dabei stritt „Repic“ gar nicht ab, im „XS“ handgreiflich geworden zu sein – allerdings nur, weil ihn die anderen beschimpft hätten. „Es ist im Rotlicht nicht so wie im normalen Milieu, dass man Auseinandersetzungen ausdiskutiert“, gab der Verteidiger den Geschworenen zu verstehen. Die Männer auch noch beraubt zu haben, stellte „Repic“ jedoch eben so wortreich wie entschieden in Abrede.
(Forts.) sso/gu

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