Premier Valls: IS bereitet weitere Angriffe vor

Premierminister Manuell Valls
Premierminister Manuell Valls ©EPA
Die Terrormiliz "Islamischer Staat" IS bereitet nach den Worten von Frankreichs Premierminister Manuel Valls weitere Anschläge auf europäische Länder vor. "Wir wissen, dass Operationen vorbereitet wurden und noch vorbereitet werden, nicht nur gegen Frankreich, sondern auch gegen andere europäische Länder", sagte Valls am Montag in der Früh dem Sender RTL.

Liveticker

Nach Terroranschlag in Paris - Montag 16.11.

Als Reaktion auf die Anschlagsserie in Paris sollen die Geheimdienste der USA und Frankreichs enger zusammenarbeiten. US-Verteidigungsminister Ashton Carter und Geheimdienst-Direktor James Clapper hätten entsprechende Anweisungen an die Streitkräfte erteilt, erklärte Carters Ministerium am Montag.

Der gesuchte Terrorverdächtige Salah Abdeslam ist laut seinem Bruder Mohamed "ein ganz normaler Bursch". Der 26-Jährige sei in Brüssel aufgewachsen und habe dort studiert. "Wir wissen nicht, wo er jetzt gerade ist", sagte Mohamed Abdeslam am Montag vor seinem Haus im Brüsseler Stadtbezirk Molenbeek vor Journalisten. "Wir wissen nicht, ob er (...) sich traut, sich der Justiz zu stellen oder nicht."

Mohamed gab das Interview nach seiner Freilassung. Er war seit Samstag in Polizeigewahrsam gewesen, kam aber am Montag auf freien Fuß, da er für den Abend der Pariser Anschläge (Freitag) ein Alibi hatte. Sein Bruder Ibrahim (oder: Brahim) war ein Selbstmordattentäter von Paris, der andere Bruder Salah soll ebenfalls beteiligt gewesen sein und ist zur Fahndung ausgeschrieben.

Bei der Geiselnahme im Pariser Konzertsaal Bataclan am Freitagabend sind zwei Streifenpolizisten als Erste am Tatort eingetroffen. Ein Kommissar und sein Fahrer seien ins Bataclan eingedrungen und hätten mit ihren Dienstwaffen einen der Attentäter getötet, sagte die Vize-Generalsekretärin der Polizeigewerkschaft SCPN, Celine Berthon, am Montag dem Sender France Inter.

Leider hätten sie, da sie allein waren und nur ihre Pistolen und eine Schutzweste hatten, nicht im Gebäude bleiben können. Sie hätten sich dann zurückgezogen und draußen auf das Sondereinsatzkommando gewartet.

Medienberichte: Harvard-Universität evakuiert Campus nach Bombendrohung

Wie "focus.de" berichtet, wurden vier Gebäude evakuiert, nachdem eine Bombendrohung einging. Ob diese ernst zu nehmen ist, sei derzeit noch unklar. Die Drohung beziehe sich auf das Wissenschaftszentrum, den Server sowie zwei Säle des Campus in Massachusetts, berichtet "focus.de" weiter.

Heuer bereits 43 Anklagen nach dem Terrorparagrafen

Österreichs Staatsanwaltschaften hatten sich heuer bis 1. November mit rund 150 Fällen auseinanderzusetzen, bei denen es um mögliche Straftaten nach dem Terrorparagrafen 278b (Bildung einer terroristischen Vereinigung) Strafgesetzbuch ging. 43 davon mündeten auch in Anklagen. 23 Personen wurden heuer laut einer Statistik des Justizministeriums nach diesem Paragrafen verurteilt.

Weitere rund 40 Fälle betrafen andere Terrorstraftatbestände wie Terrorismusfinanzierung, Ausbildung für terroristische Zwecke oder Anleitung zur Begehung einer terroristischen Straftat. Das ergab sieben weitere Anklagen. Drei Personen wurden wegen Ausbildung für terroristische Zwecke (Paragraf 278e) und eine für die Anleitung zur Begehung einer terroristischen Straftat (278f) verurteilt.

Mit 1. November saßen 31 Personen wegen der Paragrafen 278b ff in Haft. 24 davon waren in Untersuchungshaft, der Rest verbüßte eine Haftstrafe.

Zwei Festgenommene in Belgien dringen verdächtig

Zwei der nach den Pariser Anschlägen in Belgien festgenommenen Männer stehen unter dringendem Terrorverdacht. Gegen beide am Samstag gefassten Personen sei Haftbefehl erlassen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag in Brüssel mit. Der Vorwurf lautet, dass sie an einem terroristischen Attentat und den Aktionen einer terroristischen Vereinigung beteiligt gewesen waren.

Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga saßen beide Verdächtigen am Samstag gemeinsam mit Salah Abdeslam in dem Auto, das von der Polizei im nordfranzösischen Cambrai im Zuge der verschärften Grenzkontrollen überprüft worden war. Die Beamten ließen den Wagen allerdings weiterfahren, die beiden Verdächtigen wurden später in Brüssel festgenommen. Laut Belga handelt es sich bei den Männern um den Besitzer und einen Passagier des grauen VW Golf.

Fünf weitere der am Samstag festgenommenen sieben Terrorverdächtigen seien wieder auf freiem Fuß, so die Brüsseler Staatsanwaltschaft.

Nach wie vor fahndet die belgische Polizei unter Hochdruck nach Salah Abdeslam. Der 26-Jährige ist der Bruder eines Selbstmordattentäters von Paris und zur Fahndung ausgeschrieben. Ein vierstündiger Spezialeinsatz der belgischen Polizei in dem als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek brachte am Montag keinen Erfolg. "Die Hausdurchsuchung war negativ und es wurde kein Haftbefehl ausgesprochen", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Unterdessen ist ein zweites deutsches Todesopfer der Anschläge von Paris identifiziert worden. Dies teilte das Auswärtige Amt am Montag in Berlin mit. "Wir müssen leider bestätigen, dass ein weiterer deutscher Staatsangehöriger unter den Todesopfern ist", sagte ein Ministeriumssprecher. Nähere Angaben machte er zunächst nicht. Bisher war nur bekannt, dass ein 28-jähriger Architekt aus Oberbayern getötet wurde.

Die Terrorserie hatte am Freitagabend in der Nähe des Stadions Stade de France begonnen, wo gerade das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Frankreich stattfand. Insgesamt starben mindestens 129 Menschen. Mehrere hundert wurden verletzt.

Hollande will UNO-Resolution gegen Islamischen Staat

Der französische Präsident Francois Hollande will nach den Terroranschlägen von Paris den UNO-Sicherheitsrat im Kampf gegen des "Islamischen Staat" (IS) anrufen. Die Notwendigkeit der Zerstörung des IS sei eine Aufgabe der internationalen Gemeinschaft, sagte Hollande am Montag bei einer gemeinsamen Sitzung der Nationalversammlung und des Senats in Versailles.

Außerdem will Hollande den Ausnahmezustand in Frankreich auf drei Monate verlängern. Einen entsprechenden Gesetzentwurf werde er dem Parlament vorlegen, sagte Hollande.

Die Franzosen rief Hollande zu Einheit und Durchhaltevermögen auf. "Die Terroristen glauben, dass sich die freien Völker vom Horror beeindrucken lassen", sagte Hollande am Montag vor den im

CIA-Chef befürchtet weitere IS-Anschläge im Westen

Nach den Anschlägen von Paris befürchtet der US-Geheimdienst CIA weitere Attacken der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) gegen Ziele im Westen. "Ich würde damit rechnen, dass dies nicht die einzige Operation ist, die der IS in der Vorbereitung hat", sagte CIA-Direktor John Brennan am Montag in Washington.

Die Anschläge von Paris seien "sorgfältig und überlegt geplant" worden. "Das ist nicht etwas, was in wenigen Tagen erledigt wurde", sagte Brennan. Es sei "klar", dass die IS-Miliz eine "externe Agenda" habe.

Der CIA-Chef beklagte, dass die Arbeit der Geheimdienste durch die Enthüllungen über die US-Spähprogramme in den vergangenen Jahren schwieriger geworden sei. Die Terrornetzwerke hätten ihre Kommunikation entsprechend umgestellt. "Sie haben gelernt, was zu tun ist, um ihre Aktivitäten vor den Behörden zu verschleiern", sagte er.

"Ich hoffe, dass dies ein Weckruf sein wird, vor allem in bestimmten Gegenden Europas, wo es eine verzerrte Darstellung der Tätigkeiten der Geheimdienste gegeben hat", sagte Brennan. Vor allem in Deutschland hatte die vom früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden ans Licht gebrachte weltweite Überwachung von Internet- und Telefonkommunikation durch die NSA und verbündete Geheimdienste für Empörung gesorgt.

Bei den islamistischen Anschlägen auf eine Konzerthalle, Restaurants, Cafes und in der Nähe des Fußballstadions Stade de France waren am Freitagabend in Paris 129 Menschen getötet und 352 weitere verletzt worden. Brennan sagte, dass die Geheimdienste derzeit "fieberhaft" arbeiteten, um mögliche Anschlagspläne aufzudecken. Die IS-Miliz kontrolliert große Gebiete in Syrien und im Irak, wo die Jihadisten einen islamistischen Gottesstaat ausgerufen haben.

Orban: Flüchtlingsquoten verbreiten Terrorismus in EU

Der ungarische Regierungschef Viktor Orban hat angesichts der Terroranschläge in Paris erneut die europäische Flüchtlingspolitik heftig kritisiert. Die verbindlichen Quoten zur Umverteilung der Flüchtlinge innerhalb der EU würden den Terrorismus in Europa verbreiten, erklärte Orban am Montag in einer Rede im ungarischen Parlament.

Der rechtskonservative Politiker kritisierte die Quotenregelung als "Einladung an die Flüchtlinge". Brüssel habe nicht das Recht, einem Land etwas aufzuzwingen, was es nicht wolle. Die Ereignisse von Paris hätten erneut bestätigt, dass die Flüchtlingskrise eine "Völkerwanderung" sei, die eine tatsächliche Terrorgefahr darstelle. Es hätte sich gezeigt, dass Terroristen bewusst und gut organisiert die "Völkerwanderung" dazu nutzen, sich unter die Massen der Flüchtlinge zu mischen, so Orban, ohne Beweise für seine Behauptung vorzulegen.

Die Europäische Union sei "schwach und gelähmt", kritisierte der ungarische Premier. Es gebe Konferenzen und Tagungen in Hülle und Fülle, doch keine Lösungen. Die europäischen Bürger würden nicht wollen, dass Hunderttausende von Flüchtlingen ihre Länder überrennen. "Es geht um die Existenz Europas", so der Premier. Alle Spitzenpolitiker Europas hätten von der bestehenden Gefahr gewusst und die Griechen hätten bereits seit langem gewarnt, dass die Ankunft von Jihadisten nicht ausgeschlossen sei, so Orban.

Italienische Polizei fahndet nach Terrorverdächtigem

Die italienische Polizei fahndet nach einem möglichen flüchtigen Terroristen der Anschläge von Paris. Der 32-jährige Franzose sei in einem schwarzen Seat unterwegs, nach dem Auto werde im Großraum Turin gesucht, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Montag.

Demnach hat die Turiner Polizei alle Einheiten alarmiert und angeordnet, nach dem verdächtigen Wagen im Gebiet rund um die norditalienische Stadt Ausschau zu halten. Bereits zuvor war der Ansa zufolge die Polizei im Grenzgebiet alarmiert worden. Demnach war der Wagen möglicherweise bei Ventimiglia über die Grenze gekommen.

Rektor der Großen Moschee von Paris ruft zu Gebet auf

Der Rektor der Großen Moschee von Paris hat die Imame in Frankreich aufgerufen, am Freitag ein Gebet im Gedenken an die Opfer der Anschläge von Paris abzuhalten. Mit dem Gebet solle das Mitgefühl mit den trauernden Familien ausgedrückt werden, sagte Dalil Boubakeur am Montag. Er äußerte seine "Verzweiflung" angesichts "dieser unsäglichen Taten", die "absolut unschuldige Opfer" getroffen hätten.

Er bat zudem, die Muslime nicht mit den Attentätern zu vermischen, die "sich Muslime nennen, aber auch Barbaren heißen könnten". Der frühere Präsident des Zentralrats der Muslime in Frankreich (CFCM) sagte, die französischen Muslime könnten "nur den nationalen Zusammenhalt betonen, um gemeinsam dieses Unglück zurückzuweisen, das uns unterschiedslos trifft". Boubakeur hielt um 12.00 Uhr auf den Stufen seiner Moschee mit seinen Mitarbeitern und einigen Gläubigen die Schweigeminute für die Opfer der islamistischen Anschläge ab, bei denen am Freitagabend in Paris 129 Menschen getötet und 352 weitere verletzt worden waren.

Abdelhamid Abaaoud: Drahtzieher der Terrorserie?

Sechs Tatorte, mehr als ein halbes Dutzend Attentäter, schwere Waffen und fast 130 Tote - die Terrorserie von Paris war bis ins Detail geplant. Der mutmaßliche Drahtzieher ist für die Polizei kein Unbekannter.

Den Namen Abdelhamid Abaaoud dürfte mancher Franzose künftig im selben Atemzug nennen mit dem früheren Al-Kaida-Terrorführer Osama bin Laden. Der 28-Jährige, meistgesuchter Islamist Belgiens, lebte früher in dem als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Er soll aus Marokko stammen und wurde bereits seit einem vereitelten Terroranschlag auf Polizisten im ostbelgischen Verviers im vergangenen Jänner gesucht. Bei dem Einsatz von Polizei-Spezialkräften waren zwei gesuchte Terroristen ums Leben gekommen, Abaaoud soll Kopf der gesprengten Terrorzelle gewesen sein.

Auch bekannt als Abu Umar al-Baldshiki verheimlicht Abaaoud seine Terrorpläne keineswegs: Nach Angaben der englischen Tageszeitung "Guardian" rühmte er sich in einem Interview mit dem über das Internet verbreiteten Propagandamagazin "Dabik" des Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) mehrerer Terrorplanungen gegen den Westen. Diese habe er von Belgien aus und "direkt vor der Nase des belgischen Geheimdienstes" organisiert. Als bereits gesuchter Islamist sei er sogar kontrolliert worden, behauptet er, der Polizist habe ihn aber nicht erkannt. Später soll er nach Syrien gereist sein, um sich dort dem Kampf des IS anzuschließen.

Europaweite Gedenk-Momente für die Opfer

Millionen Europäer sind am Montag dem Aufruf gefolgt, der Opfer der Anschläge von Paris zu gedenken. In Frankreich hielten die Menschen auf den Straßen, in Büros und Schulen um 12.00 Uhr eine Minute lang inne. Präsident François Hollande begab sich mit Premierminister Manuel Valls an die Universität Sorbonne, da unter den Opfern viele junge Leute waren.

Auch an den Anschlagsorten versammelten sich hunderte Menschen. Vor der Konzerthalle Bataclan und den Cafes und Restaurants, die am Freitagabend angegriffen worden waren, legten Menschen Blumen nieder, entzündeten Kerzen und hängten Zettel auf, in denen sie ihre Solidarität mit den Opfern ausdrückten. Landesweit waren die Flaggen auf halbmast gesetzt.

Das britische Parlament versammelte sich zu einer Schweigeminute, als Big Ben Mittag schlug. Das englische Fußballteam unterbrach sein Training. Innenministerin Theresa May kam in die französische Botschaft in London, die von bewaffneten Polizisten bewacht wurde. Auf dem Platz vor der St. Paul's Kathedrale hielten rund 20 Touristen inne. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen wurde das Glockenspiel des Rathauses ausnahmsweise abgeschaltet.

Vor dem spanischen Parlament in Madrid hielten rund hundert Abgeordnete eine Schweigeminute ab, in der ein Glockenspiel die französische Nationalhymne erklingen ließ. Am Rathaus der spanischen Hauptstadt versammelten sich rund 300 Menschen unter einer französischen Flagge und dem Spruchband "Flüchtlinge willkommen", das dort seit Wochen hängt.

Am Brandenburger Tor in Berlin versammelte sich eine dichte Menschenmenge, vor der französischen Botschaft wurden hunderte Blumensträuße niedergelegt.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg verlas in Brüssel nach einer Schweigeminute für die Opfer der Anschläge eine Erklärung des Nordatlantikrates. "Sie waren ein Angriff auf unsere Kernwerte der Freiheit, der Demokratie und der Menschenrechte", sagte Stoltenberg.

Beim G-20-Gipfel in der Türkei kamen der britische Premierminister David Cameron, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi, der spanische Regierungschef Mariano Rajoy, der polnische Ministerpräsident Donald Tusk und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit dem französischen Außenminister Laurent Fabius zusammen, den sie als Zeichen der Solidarität umarmten.

Rupprechter: Keine Verschiebung des Weltklima-Gipfels

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) glaubt nicht an eine Verschiebung des Weltklima-Gipfels in Paris, der am 30. November beginnen soll. Rupprechter erklärte am Montag in Brüssel, der EU-Agrarrat sei natürlich im Zeichen der jüngsten schrecklichen Terrorereignisse in Paris gestanden.

Alle Delegationen hätten ihre tiefe Betroffenheit geäußert. Gerade in diesen schwierigen Zeiten sei es wichtig, Frankreich zur Seite zu stehen. Die Anschläge seien nicht nur gegen Frankreich gerichtet gewesen, sondern gegen die europäischen Werte. Deshalb "müssen wir gemeinsam dem Terrorismus begegnen", sagte Rupprechter.

Frankreich setzt nicht auf NATO-Bündnisfall

Frankreich wird nach den verheerenden Terroranschlägen von Paris nach Angaben aus EU-Ratskreisen nicht den NATO-Bündnisfall ausrufen. Auch über die erstmalige Anwendung der europäischen Solidaritätsklausel im Lissabon-Vertrag gebe es bisher keine Diskussion, hieß es am Rande des EU-Außenministertreffens in Delegationskreisen in Brüssel.

Frankreich habe bei dem EU-Außenministerrat auch nicht mehr militärische Unterstützung von den europäischen Partnern in Syrien angefordert. Gleichwohl wird erwartet, dass die Partnerländer in den kommenden Tagen und Wochen ihr militärisches Engagement in Syrien verstärken werden.

Vom Sondertreffen der EU-Innenminister am Freitag in Brüssel wird eine bessere Umsetzung von Maßnahmen gegen den Terrorismus erwartet, nicht aber neue Gesetze, hieß es in EU-Ratskreisen. Auch ein besserer EU-Außengrenzschutz sollte auf der Tagesordnung stehen, nicht zuletzt wegen der Signalwirkung.

Keine konkrete Bedrohung für ÖFB-Länderspiel

Es gibt keine konkrete Terror-Bedrohung für das am Dienstagabend im Wiener Ernst-Happel-Stadion über die Bühne gehende Fußball-Länderspiel Österreich - Schweiz. Nichtsdestotrotz wird die Wiener Polizei ihr Aufgebot verstärken und der ÖFB einige Zusatzmaßnahmen zur Sicherung des Spiels einziehen. Das wurde am Montag nach einem Sicherheitsmeeting bekannt.

Europol bei Ermittlungen eingeschaltet

In die Ermittlungen zu den Terroranschlägen von Paris ist die europäische Polizeibehörde Europol eingeschaltet worden. Europol unterstütze aktiv die französischen Ermittler, teilte ein Sprecher am Montag in Den Haag mit. Terrorismus- und Waffenexperten sowie andere Spezialisten seien seit Freitag in der Den Haager Zentrale rund um die Uhr im Einsatz.

IS-Video droht mit neuen Angriffen gegen Frankreich

In einer neuen Videobotschaft hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Frankreich und seinen Verbündeten mit weiteren Terrorangriffen gedroht. "Wir erneuern unseren Aufruf an die Muslime in Europa, im ungläubigen Westen und überall, die Kreuzfahrer in ihrer Heimat und wo immer sie sind zu attackieren." Paris. Das sagte ein Sprecher in einem rund elfminütigen Film, der am Montag über das Internet verbreitet wurde. Darin droht ein Kämpfer: "Ich schwöre bei Gott, wir werden Amerika auf seinem eigenen Boden schlagen. Wir werden Rom erobern."

Zusammenfassung der Ereigenisse vom Montag

Die Terroranschläge in Paris seien von Syrien aus “organisiert” und “geplant” worden. Frankreich werde zudem lange mit der Bedrohung durch den Terrorismus leben müssen. Er könne auch weitere Anschläge in den kommenden Tagen oder Wochen nicht ausschließen, nachdem am Freitagabend bei einer beispiellosen Terrorserie in Paris mindestens 129 Menschen getötet und über 350 verletzt wurden. Valls bekräftigte, Frankreich wolle den IS zerstören.

Wie zuvor Präsident Francois Hollande kündigte Ministerpräsident Valls eine “gnadenlose” Jagd nach den Hintermännern der Anschlagserie an. Zehn Kampfflugzeuge hätten 20 Bomben auf ein Kommandozentrum, ein Rekrutierungszentrum, ein Munitionsdepot und ein Ausbildungslager abgeworfen, hieß es. Frankreich gehört zu den Gründungsmitgliedern der US-geführten Koalition gegen den IS und hat sich von Anfang an an Luftangriffen im Irak und in Syrien beteiligt. Die Extremisten-Miliz bezeichnete die Anschläge als Vergeltung dafür.

Cameron fordert Unterstützung

Als Reaktion auf die Anschläge von Paris forderte der britische Premierminister David Cameron vom Parlament Unterstützung für die Beteiligung seines Landes an Luftangriffen gegen die Terrororganisation “Islamischer Staat” (IS) in Syrien. “Wir müssen das Parlament überzeugen”, sagt er in der BBC. Großbritannien beteiligt sich an den Luftangriffen im Irak, aber eine Ausweitung dieser auf Syrien scheiterte am Parlament.

Bei der Suche nach den Hintermännern der Anschläge weisen die meisten Spuren in die belgische Islamisten-Szene. In Brüssel wurden deswegen sieben Verdächtige festgenommen. Die französische Polizei sucht zudem nach einem Verdächtigem mit französischem Pass, der in Belgien geboren sei. Er soll mit zwei seiner Brüder Justizkreisen zufolge an der Vorbereitung der Anschläge beteiligt gewesen sein.

Verwirrung um angebliche Festnahme

selh
selh
Einer der Brüder sei bei den Attentaten ums Leben gekommen, der andere sei in Belgien festgenommen worden. Bei der Fahndung gab es allerdings eine Panne. Der 26-Jährige wurde am Samstag an der belgischen Grenze in einem Auto angehalten und kontrolliert, durfte aber weiterfahren.

Die belgische Polizei hat einem Rundfunkbericht zufolge bei einer Razzia im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris einen Mann festgenommen. Bei dem im Brüsseler Stadtteil Molenbeek Festgenommenen handle es sich aber nicht um den gesuchten mutmaßlichen Paris-Attentäter Abdeslam Salah, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender RTBF.

Zuvor hatte der belgische Rundfunksender RTL gemeldet, der Franzose sei in der belgischen Hauptstadt aufgegriffen worden. Die Polizei nahm den Vermummten fest. Der Einsatz der Sicherheitskräfte konzentrierte sich auf die Rue Delaunoy und die Rue Ransfort.

Reporter berichteten, eine Polizeiaktion in Molenbeek dauere an. Von den Behörden war zunächst keine Information darüber zu erhalten.

Bombenalarm in Brüssel

Im Zentrum von Brüssel gab es am Montag Bombenalarm. Konkret wurde im Europaviertel ein in Frankreich zugelassenes Auto in der Rue Joseph II entdeckt, das einen verdächtigen Koffer enthielt. Dies teilte der belgische christdemokratische Abgeordnete Georges Dallemagne nach Angaben der Tageszeitung “Le Soir” mit. Der Entminungsdienst leitete die Untersuchungen ein, die Straße wurde abgesperrt

Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere zeigte sich alarmiert über die mögliche Flucht eines oder mehrerer der Attentäter. “Es ist besorgniserregend, dass möglicherweise eine Tätergruppe noch unterwegs ist”, sagte er im ZDF. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat indes als Reaktion auf den Terror von Paris einige Sofortmaßnahmen in die Wege geleitet. Ab sofort soll es eine verstärkte Schleierfahndung, eine Stärkung der Analyseabteilungen des Staatsschutzes, erhöhte Observationsmaßnahmen und zusätzliche Investitionen in Strukturermittlungen geben, heißt es in einem Papier des Innenressorts.

Die französischen Ermittler waren durch zwei in unmittelbarer Nähe der Tatorte abgestellte Autos mit belgischen Nummernschildern auf die Spur nach Belgien gekommen. Die Fahrzeuge sollen von den Attentätern genutzt worden sein. Unter anderem soll der gesuchte Verdächtige die Autos in Belgien gemietet haben.

Debatte über schärfere Kontrollen

Mindestens einer der Attentäter könnte getarnt über Griechenland als Flüchtling in die Europäische Union gelangt sein. Dies löste eine Debatte über Begrenzungen und schärfere Kontrollen der Flüchtlingsströme aus. Bayern forderte die sofortige Verschärfung der Kontrollen an der österreichischen Grenze. Die bisher auf ausgewählte Orte beschränkten Grenzkontrollen der deutschen Bundespolizei solle es künftig an sämtlichen Übergangsstellen wieder geben, forderten der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann am Sonntag in München.

Nach den verheerenden Anschlägen wurden bei Durchsuchungen in Lyon ein Raketenwerfer und andere Waffen gefunden. Zudem seien fünf Verdächtige festgenommen worden, verlautete am Montag aus Ermittlerkreisen. In der Nacht auf Montag liefen im Rahmen des nach den Anschlägen verhängten Ausnahmezustands auch in Bobigny, Toulouse, Grenoble und anderen Städten Frankreichs dutzende Durchsuchungen im islamistischen Milieu, die aber nicht in direktem Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris standen.

Insgesamt habe es mehr als 150 Durchsuchungen in Frankreich gegeben, sagte Ministerpräsident Manuel Valls Montagfrüh im Radiosender RTL. Präsident Francois Hollande hatte am Freitagabend nach den islamistischen Anschlägen mit 129 Toten den Ausnahmezustand verhängt. Er erlaubt insbesondere Durchsuchungen ohne richterlichen Beschluss in der Nacht. Aus Ermittlerkreisen verlautete, die meisten Durchsuchungen seien nicht direkt verbunden mit den Ermittlungen zu den Hintermännern und Komplizen der Attentäter von Paris.

Waffenfund bei Hausdurchsuchungen

Allein in der Region von Lyon und Villefranche-sur-Saône gab es 13 Durchsuchungen. Laut Ermittlerkreisen wurden bei einem Verdächtigen ein Raketenwerfer, Splitterschutzwesten, mehrere Pistolen und ein Sturmgewehr gefunden. In der Region von Grenoble wurde laut der Zeitung “Dauphiné Libéré” “mehr als ein halbes Dutzend” Menschen festgenommen sowie Geld und Waffen beschlagnahmt. Laut Ermittlerkreisen richteten sich die Durchsuchungen gegen Verdächtige an der Grenze von Kriminalität und politischem Extremismus.

In Toulouse wurden in der Nacht bei Durchsuchungen drei Verdächtige festgenommen. Die Razzien fanden in dem Viertel statt, in dem der islamistische Attentäter Mohammed Merah lebte, der im März in Toulouse und Montauban drei Soldaten und einen Lehrer und drei Schüler einer jüdischen Schule ermordet hatte. Auch im Großraum Paris gab es laut Ermittlern rund 30 Durchsuchungen.

Medien: Belgischer Jihadist plante Anschläge

Der Drahtzieher der Anschläge von Paris könnte nach Medienberichten der polizeibekannte belgische Jihadist Abdelhamid A. sein. Mindestens einer, wenn nicht zwei der Selbstmordattentäter seien Freunde von A. gewesen, berichtete die belgische Tageszeitung “De Standaard” am Montag unter Berufung auf belgische Sicherheitsdienste.

Der Sender RTL meldete ohne Angabe von Quellen, Ermittler hätten A. als Drahtzieher identifiziert. A. gilt bereits seit längerem als der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er soll sich zuletzt in Syrien aufgehalten haben. Früher lebte er in dem als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek.

Weiterer Flüchtling mit Attentäter-Pass

Im südserbischen Grenzort Presevo ist unterdessen ein Mann entdeckt worden, dessen offensichtlich gefälschter syrischer Pass auf denselben Namen lautet wie jener, der in Paris neben einem der getöteten Attentäter gefunden worden war. Das berichtete die Belgrader Tageszeitung “Blic” am Montag. Der mit einer Gruppe von Flüchtlingen angekommene Mann sei am Samstag angehalten worden, berichtete das Blatt.

Die Polizei geht laut der Tageszeitung davon aus, dass der Mann in keiner Verbindung zu dem Attentäter von Paris steht. Vielmehr dürfte beide ihren gefälschten syrischen Pass von derselben Person in der Türkei erworben haben. Alle Daten des Passes seien identisch mit jenem des in Paris gefundenen gewesen, nur das Foto sei anders gewesen, hieß es. Die beiden Pässe lauteten laut “Blic” auf einen 26-jährigen Ahmad Almohammad.

G20 wollen gemeinsam kämpfen

Die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Schwellen- und Industrieländer (G-20) riefen zu Beginn ihres Gipfeltreffens in der Türkei zum gemeinsamen Kampf gegen den internationalen Terrorismus auf. “Wir setzen hier beim G-20-Gipfel ein entschlossenes Signal, dass wir stärker sind als jede Form von Terrorismus”, sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Angreifer hatten abgestimmt in drei Teams in einem Pariser Ausgeh-Viertel sowie beim Stade de France während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland am Freitagabend willkürlich Menschen getötet. Insgesamt kamen mindestens 130 Menschen ums Leben. Rund 100 Menschen wurden verletzt, unter ihnen ein 20-jähriger Tiroler. Der Patient sei “stabil” und man gehe davon aus, dass er Mitte nächster Woche “flugbereit” sei und nach Österreich zurückkehren kann, sagte der Arzt Hermann Köhle am Sonntag in Paris zur APA. Zurzeit läge der Mann noch auf der Intensivstation, er sei aber “außer Lebensgefahr”.

  • VIENNA.AT
  • Politik
  • Premier Valls: IS bereitet weitere Angriffe vor
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.