Polizei ignorierte Hilferuf einer Frau in Wien - Nehammer verteidigt Einsatz

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verteidigte das Vorgehen der Polizei im Fall eines Hilferufs einer Frau in Wien-Floridsdorf.
Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verteidigte das Vorgehen der Polizei im Fall eines Hilferufs einer Frau in Wien-Floridsdorf. ©APA/ROBERT JAEGER
Im Sommer soll die Polizei eine um Hilfe bittende Frau in Wien nicht ernst genommen haben. Die 37-Jährige hat die Beamten wegen ihres aggressiven Mannes alarmiert. Karl Nehammer (ÖVP) verteidigt den Einsatz.

Im Sommer waren Vorwürfe publik geworden, die Polizei hätte eine um Hilfe vor ihrem aggressiven Mann bittende Frau in Wien nicht ernst genommen. Der Einsatz endete mit einer Anzeige gegen die 37-Jährige unter anderem wegen Lärmerregung. In Beantwortung einer von den Grünen eingebrachten parlamentarischen Anfrage stellte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) fest, dass "auf Grund der durchgeführten Gefahrenprognose" Voraussetzungen für Verhängung eines Betretungsverbotes "nicht vorlagen".

Hilferuf: Polizei soll Frau als "inkompetent" bezeichnet haben

Zu der Amtshandlung war es am Abend des 21. Juni in Floridsdorf genommen. Ihr Noch-Ehemann sei laut der 37-Jährigen betrunken und aggressiv gewesen und habe sie und eine Freundin bedroht, wie die Anwältin der Frau der Tageszeitung "heute" berichtete. Die Polizisten hätten das mutmaßliche Opfer und ihre Angst vor dem Mann nicht ernst genommen, der auch nicht weggewiesen wurde. Die 37-Jährige soll die Beamten während der Amtshandlung als "inkompetent" und "blöd" bezeichnet haben, was diese bestreitet. Unter anderem auf diese Vorwürfe bezieht sich eine Geldstrafe über 200 Euro, die der Frau übermittelt wurde.

Nehammer verteidigte den Einsatz

Ob die Beamtinnen und Beamten an Ort und Stelle aufgrund der von der Frau gemachten Angaben eine Gefahrenanalyse durchgeführt haben, wollte nun Frauensprecherin der Grünen, Meri Disoski, von Nehammer wissen. Was dieser bejahte: "Einem fairen Verfahren entsprechend wurden beide Seiten gehört." Laut Sicherheitspolizeigesetz seien Organe des Sicherheitsdienstes ermächtigt, einem Gefährder das Betreten einer Wohnung samt einem Bereich im Umkreis von 100 Metern zu untersagen, wenn die Annahme eines gefährlichen Angriffs auf Leben, Gesundheit oder Freiheit besteht. "Für eine derartige Annahme ergaben sich jedoch für die einschreitenden Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes keine ausreichenden Anhaltspunkte", so Nehammer.

Mann soll aggressiv und betrunken gewesen sein

Diosoki fragte außerdem, "wieso der aggressive, alkoholisierte Mann" nicht "der Wohnung verwiesen" wurde? "Da auf Grund der durchgeführten Gefahrenprognose die gesetzlichen Voraussetzungen für die Verhängung eines Betretungsverbotes nicht vorlagen, wurde ein solches auch nicht ausgesprochen, obwohl die Frau verlangte, dass ihr Ehegatte aus der Wohnung weggewiesen werde", antwortete der Innenminister. Die Beamten hätten die 37-Jährige über die Möglichkeit der Beantragung einer einstweiligen Verfügung beim Bezirksgericht und eine sicherheitspolizeiliche Beratung informiert.

Diosoki: Gefahrensituation sei nicht richtig eingeschätzt worden

"Der Fall beweist, wie viel Schulungs- und Aufklärungsbedarf es auf der Ebene der Polizei noch gibt", kommentierte die Grüne-Frauensprecherin. "Dass in Gefahrensituationen für Frauen die rechtlichen Möglichkeiten zu ihrem Schutz nicht ausgeschöpft werden, ist inakzeptabel und kann Leben kosten."

Polizisten hätten Schulung zur Gewaltprävention erhalten

In der Anfragebeantwortung sagte Nehammer, dass alle drei mit dem Einsatz betrauten Organe eine "spezielle Schulung für das Einschreiten in Bezug auf Gewaltprävention bei häuslicher Gewalt" absolviert hatten. In jeder Polizeiinspektion sollen künftig "speziell geschulte Polizistinnen und Polizisten als Sicherheitsbeauftragte und Ansprechpartnerinnen und -partner für Frauen speziell im Bereich Gewalt und Gewaltschutz zur Verfügung stehen und proaktiv mit den Opferschutzeinrichtungen vernetzt sein".

(APA/Red)

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