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Placido Domingo überzeugt als „Goya“

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KlangBogen: Herausragende Stimmen retten inszenatorisch und musikalisch schwächelnden Abend im Theater an der Wien. Eine Kritik von Georg Leyrer.

Allzu lange Vorankündigungen von Highlights vermindern zuweilen die Freude, die das tatsächliche Ereignis dann letztendlich auslösen kann. Nicht so beim Wiener KlangBogen: Der in jeder Hinsicht geglückte Auftritt des gut aufgelegten Startenors Placido Domingo gestern, Montag, zum Auftakt des Festivals endete in berechtigtem Jubel des Publikums. Domingo überzeugte in der ihm von Gian Carlo Menotti auf den Leib geschriebenen, musikalisch allzu braven Oper „Goya“ vokal auf der ganzen Linie, auch darstellerisch bot Domingo alles, was Menottis Libretto und die ebenso dürftige Inszenierung von Kasper Bech Holten ihn ließen. An Domingos Seite glänzten Michelle Breedt als Dona Cayetana und Iride Martinez als Maria Luisa.

Reißer ist sie auch in der für den Klangbogen (der bis 19. August läuft) überarbeiteten Version keiner, die Oper des mittlerweile 93-jährigen Menotti, der bei der Premiere im Theater an der Wien persönlich anwesend war und beim Schlussapplaus bejubelt wurde. 1986 in Washington uraufgeführt und schon damals von Kritikern abgelehnt, bietet das Werk weder Einblicke hinter die Oberfläche der Seelenleinwand von Maler, Machtkampf und Madrider Königshaus noch Musik, die auffällt.

Einige wenige Momente wie die beklemmende Ertaubungsszene Goyas, bei der sich Domingo eindrücklich-gequälte Laute abringt, und die immer wieder gebrochene Verwendung von Belcanto-Elementen erregen kurze Zeit erhöhte Aufmerksamkeit, besonders, wenn eine Sängerin wie Breedt letztere derart fabulös interpretiert. Das Radio Symphonieorchester unter Emmanuel Villaume hangelt sich dann auch entsprechend freudlos durch die neoromantische Begleitmusik zu einem Film, von dem keine Bilder im Kopf entstehen wollen.

Goya (1746 bis 1828) ist bei Menotti eitler, ruhmsüchtiger Geck und hochsensibler Künstler, und beide Seiten werden von der Königin und ihrer Erzfeindin in einen Machtkampf hineingezogen – aus der durchaus operntauglichen Vita wird jedoch eine schwächelnde Oper, die emotional kalt lässt. Der Regisseur ringt dem Werk nicht mehr als eine brave Nacherzählung ab. Das Interesse an der Society-Liebesgeschichte, in die Menotti die Lebensrückschau des spanischen Malers zwängt, erlahmt schnell und wird bei der KlangBogen-Inszenierung durch das schwer zu liebende Bühnenbild (Ausstattung: Steffen Aarfing), das etwa im prunkvollen Saal im Königspalast ein Sesselbezug-Muster als Tapete verwendet und erst in der letzten Szene ein bisschen lebendig wird, nicht befördert.

Dass der Abend trotz Oper und Inszenierung funktioniert hat, ist allein den Darstellern zu verdanken. Eine schön schrille, selbstsüchtige und eitle Königin Maria Luisa gibt Martinez, Breedts Herzogin von Alba ist darstellerisch etwas steif, aber stimmlich umso eindrücklicher. Auch Christian Gerhaher als Martin Zapater zeigt Bühnenpräsenz, Andreas Conrad als Charles IV bleibt blass.

Unüberbietbar Domingos Erscheinung, sowohl als junger als auch alter, ertaubter Goya glaubwürdig. Die Stimme des spanischen Starsängers (eigentlich schade, dass das erzspanische Thema auf Englisch dargeboten wird) ließ nichts zu wünschen übrig, wenn auch Domingo zuweilen Töne nicht frei heraussang, sondern mit einem großen Maß an Spannung (er)schaffen musste. Ein Domingo in dieser Form lässt jedenfalls seine Kollegen spielend hinter sich. Wegen ihm und den Frauenstimmen ist „Goya“ trotz aller Schwächen einen Besuch wert.

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