Pinter: "Ich kann mich nicht erinnern!“

Im Gespräch mit Thomas Muck erklärt Philipp Pinter, der Villacher im Jersey der Capitals, wie es zur Gehirnerschütterung kam und warum die Nacht im Krankenhaus eine Premiere für ihn war.
Capitals beenden KAC-Siegesserie

Vienna Online: Philipp wir sitzen im heiligsten Raum der Vienna Capitals – in der Mannschaftskabine. Im letzten Spiel gegen Linz ging es hoch her. Du bist im zweiten Drittel verletzt ausgeschieden. Wie hast du das Spiel bis zu deiner Verletzung gesehen?

Philipp Pinter: Wir haben schon vor dem Spiel gewusst, dass es eine sehr intensive Partie werden wird. Die Linzer spüren immensen Aufwind. Sie sind praktisch dieselbe Mannschaft die letztes Jahr im Finale gestanden ist. So ist dann auch das Spiel geworden. Sehr eng und umkämpft. Es war ein härteres Spiel – es gab mit Sicherheit einige ruppigere Szenen als normal.

Am Ende vom zweiten Drittel hat es leider mich auch erwischt. Ich habe einen blöden Check erwischt. Ich habe den Gegenspieler leider nicht kommen gesehen und bin mit dem Kopf gegen die Bande geprallt. Dabei habe ich mir eine Gehirnerschütterung zugezogen und habe die Nacht im Krankenhaus verbringen müssen. Es geht mir mittlerweile ganz gut. Wie lange es aber noch dauert bis ich wieder fit bin kann ich noch nicht sagen. Ich habe am Mittwoch versucht mich im Training zu belasten aber das habe ich schnell abbrechen müssen. Mir ist rasch schwindlig geworden. Es sind nur noch zwei Spiele bis zur Pause. Ich will nichts übereilen trotzdem aber schnell wieder fit werden. Am kommenden Wochenende werde ich aber nicht spielen.

Vienna Online: Eishockeyspieler sind hart im nehmen. Aber eine ehrliche Frage. Was ist dir durch den Kopf gegangen wie du die Nacht im Krankenhaus verbringen musstest?

Philipp Pinter: Ehrlich gesagt war es wegen einem Spiel meine erste Nacht im Krankenhaus. Es ist mir trotzdem aber ganz gut gegangen. Witzigerweise kann ich mich an den Check und die Minuten danach nicht erinnern. Wie mich die Rettung dann ins Krankenhaus gebracht hat sind meine Erinnerungen auch wieder da! Rückblickend war es eigentlich eine ganz gemütliche Nacht ohne weitere Probleme. Eigentlich war die Situation halb so schlimm.

Vienna Online: Spiele Wien gegen Linz sind heuer sehr emotional. Wie war die Stimmung in der Mannschaft vor der Partie. Wart ihr besonders aufgeheizt?

Philipp Pinter: Nein, eigentlich nicht! Wir haben nur den Zeitungsbericht gelesen, wo der Linz Trainer (Anm.: Kim Collins) mehr oder weniger angedroht hat unseren Kapitän provozieren zu wollen. Wir waren darauf eingestellt, dass sie möglicherweise etwas probieren könnten. Aber am Ende muss man sagen es war ein normales Spiel.

Generell stimmt es aber, dass es in Spielen der Capitals gegen Linz etwas intensiver als normal zugeht. Wahrscheinlich erklärt es sich auch durch das Halbfinale der vergangenen Saison. Es ist aber auch eine interessante Paarung. Für die Fans ist es ein super Eishockeyspiel. Viele Checks mit vielen Strafen. Auch das wollen die Zuschauer sehen. 

Vienna Online: Wie war die Saison bislang aus deiner Sicht?

Philipp Pinter: Am Anfang haben wir mit Verletzungen zu kämpfen gehabt. Wir haben eigentlich gut begonnen aber Spiele verloren wo wir die bessere Mannschaft waren. Die Resultate haben zum Saisonbeginn nicht immer gepasst. Wir haben uns aber nicht verunsichern lassen und haben weiter hart an uns gearbeitet. Denn wir haben gewusst unser Team ist sehr stark und ausgeglichen. Wir haben vier ausgezeichnete Linien.

In letzter Zeit muss ich sagen funktionieren wir ausgezeichnet. Daheim sind wir sowieso eine Macht und auswärts beginnt unser System auch besser zu greifen. Zum Saisonstart hatten wir Probleme in Auswärtsspielen. Das sollte nicht sein. Aber das haben wir hoffentlich abgestellt. Denn unser Ziel ist es generell in Heim- und Auswärtsspielen gleich gut und effektiv zu spielen. Denn wir wollen vorne mit dabei sein und am Ende hoffentlich ganz oben stehen.

Vienna Online: Nach der ersten Länderspielpause sind die Capitals ungeschlagen. Woran hat der Trainer mit euch gearbeitet? Was habt ihr umgestellt?

Philipp Pinter: Der Trainer hat uns auf jedes Spiel perfekt vorbereitet und wir haben gewusst was uns zukommt. Das haben wir auch schon vor der ersten Länderspielpause schon so gemacht.

Wir haben mannschaftsintern unsere Fehler ins Auswärtsspielen aber genau angesprochen. In manchen Situationen waren wir nicht spritzig genug. Wir sind häufig in Konterangriffe gelaufen. Das darf uns eigentlich nicht passieren! Wir waren in den meisten Spielen das bessere Team und haben uns selbst um die Früchte des Erfolgs gebracht. Auch wenn wir ein Tor hinten sind dürfen wir nicht zu sehr aufmachen. Aber das haben wir jetzt ganz gut im Griff.

Vienna Online: Im nächsten Auswärtsspiel treten die Capitals die Reise zum KAC an. Wie sehr ärgert es dich als Villacher, dass die Rotjacken in der Tabelle so weit enteilt sind?

Philipp Pinter: (schmunzelt) Ja, als Villacher sieht man es natürlich nicht ganz so gerne wenn der KAC die Tabelle anführt. Für mich persönlich ist es aber wichtiger, dass ich vor meinen Ex-Verein dem VSV bin. Das ist ja auch der Fall. Mittlerweile glaube ich haben wir auch ein paar Punkte Vorsprung. So soll es auch bleiben! (schmunzelt)

Wer aber nach dem Grunddurchgang vorne steht ist eigentlich egal. Das Spiel nicht so eine wichtige Rolle!

Vienna Online: Es ist deine erste Saison bei den Capitals. Wie geht es dir in der Stadt, mit der Mannschaft und mit den Capitals. Als Kärntner wirst du mit Sicherheit einige Klischees im Vorfeld gehört haben oder?

Philipp Pinter: Ich war nur eine Saison in Villach. Vorher war ich lange Zeit in Salzburg. Das ist eine etwas größere Stadt als meine Heimatstadt aber natürlich nicht mit Wien vergleichbar.

Ich fühle mich extrem wohl in Wien. Auf und abseits des Eises passt hier nahezu perfekt. Die Mannschaft ist super und die Stimmung innerhalb der Truppe ist ausgezeichnet. Der Trainer schenkt mir viel Vertrauen das hilft mir sehr. Ich versuche aber in erster Linie auf dem Eis der Mannschaft zu helfen und mit den Rahmenbedingungen macht es mir natürlich einfacher.

Vienna Online: Den Capitals und dem Umfeld wurden viele Vorurteile entgegen gebracht. Jetzt als Spieler wie würdest du sie beurteilen? Stimmen diese aus deiner Sicht oder sind sie nicht mehr zeitgemäß?

Philipp Pinter: Naja vorher hat man gehört, dass hauptsächlich auf ausländische Spieler gesetzt wird. Aber ich muss sagen, dass ist nicht mehr richtig. Wir haben einen großen Stamm von österreichischen Spielern. Der Publikumsliebling ist Rafael Rotter – ein Wiener!

Wir haben ausgezeichnete Ausländer – aber das ist völlig normal! Die spielen in jeder Mannschaft. Ich persönlich habe aber nie was Negatives über Wien und die Capitals gehört. Ich habe vom ersten Tag gefreut, dass ich nach Wien komme. Ich bin begeistert von der Stadt, der Teamorganisation und der Mannschaft.

Vienna Online: Etwa ab Weihnachten beginnen bereits die Planungen für die kommende Saison. Wie sieht deine kurz- und mittelfristige Planung aus?

Philipp Pinter: Wie schon gesagt fühle ich mich sehr wohl in Wien. Hier passt für mich alles. Ich kann mir natürlich vorstellen in Wien zu bleiben. Es wird sicher zu einem Zeitpunkt mit den Vertragsverhandlungen begonnen werden. Ich denke man wird dann auch eine Lösung finden.

Ich würde mich selbst gerne in Wien sehen. In der Regel bin ich bin ein Spieler der gerne längerfristig plant. Wenn ich mich an einen Ort wohl fühle will ich auch dort bleiben. Daher spricht alles für Wien und die Capitals.

Vienna Online: Nach dem Saisonende was würdest du gerne in den Medien über dich und die Capitals lesen?

Philipp Pinter: (überlegt kurz) Gute Frage! Über die Capitals würde ich gerne so was lesen wie: „Endlich ist der Fluch besiegt. Die Capitals sind im Finale und gewinnen die Meisterschaft!“ Wichtig ist meiner Sicht, dass wir das letzte Spiel der Saison gewinnen (Anm.: Dann wären die Capitals automatisch Meister)! Das ist von jedem Spieler, dem Trainer und natürlich auch vom Vorstand das große Ziel! Ich denke wir haben dafür auch eine ganz gute Chance.

Was ich über mich lesen will? Keine Ahnung! (überlegt) Vielleicht „Pinter schießt im letzten Finale das entscheidende Tor für die Capitals“. Es wäre natürlich schön aber eigentlich ist es mir egal. Der persönliche Erfolg ist mir relativ egal. Wichtig ist, dass wir als Mannschaft Erfolg haben.

Das Gespräch führte Thomas Muck (sportreport.at)

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