Pflege: Land fordert mehr Geld

Bregenz - Die Vorarlberger Pflegelandschaft sehe großen Herausforderungen entgegen, sei dafür aber dank motivierter Mitarbeiter und sich gut entwickelnder Strukturen "gerüstet". Das erklärte Sozial-Landesrätin Greti Schmid (V) am Montag bei der Präsentation des Berichts zum Pflege- und Betreuungsnetz 2009 in Vorarlberg.

Da der Pflegebedarf bis zum Jahr 2020 stärker zunehmen werde als bisher angenommen, sei zusätzliches frisches Geld vom Bund und die Einführung einer Sozial- und Pflegelehre nötig, forderte Schmid.

In Vorarlberg werden über 80 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause betreut. “Unser Hauptaugenmerk liegt daher auf den pflegenden Angehörigen”, betonte die Landesrätin. Diesen komme über verschiedene Dienste und Informationsangebote Entlastung und Unterstützung zu. So leisteten die Mitarbeiter der Mobilen Haushilfe (MOHI) 2009 erstmals über eine halbe Million Stunden bei ihren rund 3.900 Klienten. 26.600 Stunden waren ehrenamtliche Hospiz-Begleiter im Einsatz, 14.000 Stunden trugen Heimhilfen bei, 211.000 Stunden selbstständige Personenbetreuer und 229.000 Stunden Hauskrankenpfleger – Tendenz überall steigend.

In den 49 Pflegeheimen Vorarlbergs mit ihren 2.161 Betten wurden im Vorjahr 3.800 Menschen betreut. Bis 2020 werden laut Prognosen 850 zusätzliche Betten für die Langzeitpflege benötigt. Der Bau neuer Heime bzw. der Ausbau bestehender sei in vielen Kommunen bereits in Umsetzung. Um die Entwicklung abzufedern, will Schmid betreutes Wohnen für ältere Menschen forcieren. Derzeit gebe es im Ländle 14.850 Pflegegeldbezieher, 2020 werden es rund 6.500 mehr sein. Voraussagen seien allerdings sehr schwierig, da sich viele Faktoren nur schwer abschätzen ließen, erklärte Schmid.

Die steigende Zahl demenzkranker Menschen lasse auch die Anforderungen für die Pfleger in den Heimen wachsen. Die Pflegegesellschaft connexia, die die Koordination des Vorarlberger Pflegenetzes übernimmt, startete dazu die “Aktion Demenz” mit dem Ziel einer Sensibilisierung und verstärkter Information in den Gemeinden, so Geschäftsführer Martin Hebenstreit. Laut dem Bericht 2009 werden rund 1.570 Personen in den Pflegeheimen beschäftigt. Um die Qualität der Betreuung sicherzustellen, arbeite man mit dem BESA-Modell. Es dient zur Mindestpersonalbemessung und sieht Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter vor, etwa eine Pflegemanager-Ausbildung für Führungskräfte über die connexia.

Um den wachsenden Anforderungen in personeller Hinsicht künftig gerecht werden zu können, setzt sich Schmid mit den anderen Soziallandesreferenten für die Einführung einer Sozial- und Pflegelehre ein. Dieses Thema sei auch bei der Soziallandesreferenten-Konferenz diskutiert worden, die Abstimmung mit dem Ministerium laufe bereits, so die Landesrätin. Es gebe durchaus junge Menschen, die sich für die Aufgaben im Sozialbereich und in Pflegeheimen interessierten. “Und wir brauchen jede Hand”, betonte sie.

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