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Pensionistinnen in Wien um Viertelmillion betrogen: Prozess gegen 38-Jährigen

Die Verhandlung wird am 15. Oktober fortgesetzt.
Die Verhandlung wird am 15. Oktober fortgesetzt. ©APA (Sujet)
Am Wiener Landesgericht ist am Freitag der Prozess gegen einen 38-Jährigen eröffnet worden, der als Mitglied einer Bande zahlreichen älteren Wienerinnen mit einer Betrugsmasche Geld herausgelockt haben soll.

Die Opfer wurden von vermeintlichen Polizisten angerufen und in weiterer Folge dazu gebracht, vorgeblichen Beamten ihre Geldreserven zu übergeben.

Falsche Polizisten luchsten älteren Damen in Wien Geld ab

Da diese Masche aus Sicht der Kriminellen gut funktioniert, agieren in der Bundeshauptstadt bereits mehrere Gruppierungen, die sich ähnlicher, aber nicht identer Methoden befleißigen. Laut Anklage gehörte der 38-Jährige einer Bande an, die seit 2018 ihr Unwesen treibt. Die Wiener Staatsanwaltschaft kennt auch den Chef, der dort die Strippen zieht. Dabei handelt es sich um einen türkischen Staatsbürger, der eine Zeit lang in Vorarlberg gelebt hat und sich mittlerweile im Raum Istanbul aufhält. Er kann von der heimischen Justiz nicht behelligt werden, da es mit der Türkei kein rechtsverbindliches Übereinkommen hinsichtlich der Strafverfolgung der jeweiligen Staatsbürger gibt.

Wie Staatsanwalt Joachim Wüstner nun vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Marc Farkas) ausführte, werden der Bande in ganz Österreich Hunderte Betrugsfakten mit einem Gesamtschaden von mindestens 4,5 Millionen Euro zugeschrieben. Den Opfern wird am Telefon vorgemacht, ihr Name befände sich auf einer von der Polizei sichergestellten Liste, die Einbrecher "abarbeiten" würden. Um ihr Geld und ihre Wertsachen zu retten, komme ein Kollege von der Polizei vorbei, der die Aufgabe habe, das Vermögen zu "sichern".

Angeklagter zum Teil geständig

Einer dieser Mittäter war der 38-Jährige, wie der von Verteidiger Nikolaus Rast vertretene Mann zugab. Er war zu einem Teil der inkriminierten Fakten und einem Schaden von einer Viertelmillion Euro geständig. Er habe sich aufgrund seiner Drogensucht und damit einhergehender Schulden auf die Sache eingelassen, machte er geltend. Man habe ihm einen gefälschten Polizeiausweis übergeben und ihm die Adressen genannt, die er "abgefahren" sei: "Es waren meist Frauen über 80. Sie haben mir leidgetan. Es war mir unangenehm, das zu machen. Ich habe immer gehofft, die Frauen kriegen keinen Herzinfarkt."

Einige der Betroffenen - darunter eine pensionierte Journalistin, der 30.000 Euro abgeluchst wurden - wurden als Zeuginnen vernommen. "Seit zweieinhalb Jahren sind die Gangster hinter mir her", verriet eine 81-Jährige. Bisher habe sie sich nicht übers Ohr hauen lassen. 68.500 Euro verlor dagegen eine Gleichaltrige, die am 10. Juli 2019 nach einem Anruf von einem falschen Polizisten zu fünf Banken chauffiert wurde, um Geld zu beheben. Allerdings erkannte sie im Angeklagten ihren damaligen Begleiter "nicht hundertprozentig wieder", wie sie betonte.

Die Verhandlung wird am 15. Oktober fortgesetzt.

(APA/Red)

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