"Pension Fritzl": Hubsi Kramar plant "Mediensatire"

"Mir bleibt die Sprache weg, täglich, stündlich, in diesem Land", empörte sich Theatermacher Hubsi Kramar bei einer PK zu seiner "Keller-Soap" mit dem provokanten Titel "Pension Fritzl", die am 23. Februar im 3raum-anatomietheater Premiere hat. Stadtreporter Video: Stadtreporter Beitrag

Seit der ersten Ankündigung des Stücks sei er seitens der FPÖ sowie von einigen Medien einer “Hetzkampagne” ausgeliefert gewesen, die bis zur Forderung nach Streichung seiner Subvention und Haftstrafe für ihn selbst gegangen sei. “Es ist völlig neurotisch zu denken, dass jemand wie ich eine Inzestkomödie machen würde”, so Kramar. “Ich plane eine Mediensatire.”

Die Reaktionen der Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen habe seinem Konzept nun noch ungeahnt mehr Nahrung gegeben. “Sie alle sind die eigentlichen Autoren dieses Stücks”, wandte er sich an die Journalisten. “Ich führe nur Protokoll.” “Pension Fritzl” sei dadurch “das erste Volksstück, das tatsächlich vom Volk verfasst wird”, man sei gespannt, was man in den fünf geplanten Vorstellungen bis zum 28. Februar erleben werde. Bei der Premiere am 23. Februar werde dann auch Hermann Fritzl, der laut Kramar die Idee für das Stück hatte, für Interviews zur Verfügung stehen. “Seien Sie versichert, es gibt ihn wirklich.”

Ursprünglich habe Kramar das Stück “Der Herr Fritzl”, frei nach dem “Herrn Karl”, betiteln wollen, denn es gehe um ein gesellschaftliches Phänomen “und sicher nicht um die Familie aus Amstetten”, so Kramar, der vor allem die Berichterstattung scharf kritisierte. “Über Inzest redet man nicht, nur dann wenn man es pornographisieren kann, wenn es sich als Wichsvorlage eignet.” Hinter dem medialen “Mitgefühlstheater” stünden “knallharte Profitinteressen”: “Das Fritzl-Monster Österreichs, das ist diese Dichand-Abteilung.”

Kramars Vorwürfen schloss sich auch die Psychotherapeutin Yasmin Randall an. Schon seit Monaten versuche sie, ihre Forderung nach höherer staatlicher Beteiligung an den Kosten von Psychotherapie für Opfer sexueller Gewalt an die Medien zu bringen. “Wenn Interesse bestand, wurde ich nur aufgefordert, Patienten vorzuführen”, so Randall. Sowohl die persönliche Geschichte der Opfer, als auch Fotos seien verlangt worden. “Das ist eine Retraumatisierung”, nicht nur für ihre Patienten, sondern vor allem auch für solche Opfer sexueller Gewalt, die noch nicht in Therapie sind.

Was genau auf der Bühne zu erwarten sein wird, konnte und wollte Kramar noch nicht näher ausführen. “Ich habe eine Struktur im Kopf und alle diese Texte gesammelt”, so der Regisseur, der auch als Darsteller fungieren wird. Die “laufenden Ereignisse” könnten allerdings noch manches verändern. Die Premiere, die bereits ausverkauft ist, könnte sich so auch durchaus von den nachfolgenden Vorstellungen unterscheiden.

 

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