Parken in Wien: Heftige Kontroversen um Gebühren-Änderungen

Das Parken in Wien ist ein ewiges Streitthema - die Gebührenerhöhungen bringen neuen Wirbel
Das Parken in Wien ist ein ewiges Streitthema - die Gebührenerhöhungen bringen neuen Wirbel ©vienna.at
Am 1. März ist es soweit: Die vieldiskutierte Änderung der Gebühren für das Parken in Wien tritt in Kraft. Während das Parkpickerl billiger wird, werden die Parkscheine teurer. Was die Grünen als Umsetzung ihrer Initiative begrüßen, erregt bei ÖVP, ÖAMTC und ARBÖ Unmut - und alternative Vorschläge.
Parken teurer und billiger
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Parkpickerl-Pläne: Bilanz

“Das Parkpickerl wird ab morgen für die Wienerinnen und Wiener billiger”, freut sich der Verkehrssprecher der Grünen Wien, Rüdiger Maresch in einer Aussendung über die Vergünstigung beim Parken in Wien. “Mit dem ersten März zahlen BezirksbewohnerInnen um 11 Prozent weniger für das Parkpickerl, statt wie bisher 12 Euro pro Monat wird es nur noch 10 Euro kosten. Zusammen mit den Verwaltungsabgaben sinkt damit der Jahrespreis des Parkpickerls auf rund 179 Euro.”

Fakt ist jedoch, dass demgegenüber die Preise für das Kurzparken teils empfindlich angehoben werden (Vienna Online berichtete). Ab ersten März 2012 kosten 30 Minuten Kurzparken einen Euro, 60 Minuten Kurzparken zwei Euro, 90 Minuten drei Euro und 120 Minuten vier Euro. Die neuen Preise orientieren sich an den Durchschnittspreisen für Kurzparkplätze in Garagen.

ÖAMTC fordert günstigere Garagen zum Parken

Dort setzt der ÖAMTC an, der in diesem Zusammenhang fordert, dass Garagen im Gegenzug zu den steigenden Parkgebühren, die bei Parkscheinen immer hin “satte 67 Prozent” ausmachen, günstiger werden müssen. “Die Parkscheingebühren werden diesmal um zwei Drittel angehoben. Damit bricht die Stadt Wien das vor fünf Jahren gegebene Versprechen, die Gebühren nur noch inflationsangepasst zu erhöhen”, kritisiert ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer. Auch Falschparker müssen zukünftig tiefer in die Tasche greifen: Statt bisher 21 Euro ist ab morgen eine Strafe von 36 Euro fällig.

Der ÖAMTC tritt demgegenüber dafür ein, dass Mobilität für alle leistbar bleiben muss. “Diese Gebührenerhöhungen bewirken das Gegenteil”, hält Hoffer fest. “Als Zeichen des guten Willens sollte die Stadt zumindest die Gratis-Parkzeit von zehn auf 15 Minuten erhöhen.” Der ÖAMTC wiederholt seine Forderung, dass die Mehreinnahmen aus Parkgebühren und Strafen für die Schaffung und Verbilligung von Garagenplätzen genützt werden. Die Preisreduktion für das Parkpickerl von 135 auf 120 Euro im Jahr ist für den Autofahrer-Club “nur ein Tropfen auf den heißen Stein.” “Die Erhöhung der Kurzparktarife belastet die Wiener Autofahrer mit einem Vielfachen des Ersparten”, so der ÖAMTC-Experte.

ARBÖ kritisiert und bewirbt eigene Vergünstigungen

Konkurrenz-Unternehmen ARBÖ gibt sich in einer Aussendung dagegen kämpferisch und macht sich die Gebührenerhöhungen zunutze, um die eigenen Angebote zu bewerben: “Wir kämpfen gegen diese Maßnahme der Stadt Wien, die einerseits das Parkpickerl um nur 15 Euro verbilligt, während Parken in Kurzparkzonen ohne Relation verteuert wird”, so Günther Schweizer, Landesgeschäftsführer des ARBÖ Wien. “Ein minimaler Ausgleich wäre, die 10 Minuten-Gratis-Parkregelung auf 15 Minuten anzuheben. Außerdem könnte man an den fliederfarbenen Parkscheinen einsparen, wenn man die Parkuhr wieder einführt”, so der ARBÖ Wien-Chef.

“Wir bieten darüber hinaus sehr viele Vergünstigungen über Partner, bei denen jedes ARBÖ-Mitglied beim Parken profitiert, denn während die Stadt Wien parken verteuert, macht es der ARBÖ billiger!”  Der Autofahrerclub gibt an, dass seit Februar ARBÖ-Mitglieder in gekennzeichneten Garagen des neuen ARBÖ-Geschäftspartners BOE Ermäßigungen erhalten. “Auch in allen ParkingNet-Standorten, also APCOA- und BIP-Garagen, lukrieren ARBÖ-Mitglieder mit der Klubkarte rund 10 Prozent Parkbonus. So macht der ARBÖ das Parken in rund 170 Parkgaragen Österreichs für alle seine Mitglieder billiger”, heißt es in der Aussendung.

ÖVP verteilt Kipferl und will Farb-Zonen-Modell

Einen anderen Vorschlag hat die Wiener ÖVP zur Lösung des Problems. Mit einer Verteilaktion unter dem Motto “Teurer als ein Kipferl: +77 Prozent bei Parkscheinen” unterstrich die Wiener ÖVP am Mittwoch ihre Forderung nach einem Neustart der Parkpickerldiskussion. Landesparteiobmann Manfred Juraczka, Klubobmann Fritz Aichinger und Landesgeschäftsführer Alfred Hoch verteilten in diesem Zusammenhang am Opernring Kipferl und Info-Material an Autofahrer.

Neben der Kritik an der einheitlichen Erhöhung der Parkgebühren ab 1. März 2012 schwebt der ÖVP nämlich auch eine neue Regelung des Parkraummodells vor. Sie fordert, dass sowohl Parkpickerl als auch Parkscheine kostenmäßig nach Zonen gestaffelt werden sollen . Das “Bezirkspickerl” wollen sie durch ein Drei-Zonen-Modell ersetzen. Je nach Bezirk würden Autofahrer dann ein rotes, oranges oder gelbes Pickerl brauchen, das zum Parken in den jeweiligen Zonen berechtigt. Diese Zonen sollen durch Bürgerbeteiligungsverfahren ermittelt werden. Auch die Parkscheine sollen diesem Vorschlag gemäß den Zonen angepasst werden. Auch an den kostenlosen 10-Minuten-Parkschein haben die Stadtschwarzen gedacht: er soll 10 Minuten in der Innenstadt, innerhalb des Gürtels 30 Minuten und in den Außenbezirken eine Stunde gelten.

“Die Erhöhung der Preise für das Kurzparken soll zu einer Reduktion des Autoverkehrs in Wien führen und ist damit eine weiterer wichtiger Beitrag für den Klimaschutz und für sanfte Mobilität in Wien”, verteidigt Grünen-Verkehrssprecher Maresch jedoch trotz allem die Teuerungen beim Parken in Wien.

Update: Alle Infos zum Thema Parken in Wien

(apa/red)

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