Neue ÖBAG-Chefin Hlawati verdient zwischen 585.000 und 750.000 Euro im Jahr

Hlawati kann einen Bonus von bis zu 25 Prozent einstreichen.
Hlawati kann einen Bonus von bis zu 25 Prozent einstreichen. ©APA/ÖBAG/GEORG WILKE
Das Gehalt der designierten ÖBAG-Chefin Edith Hlawati ist Boni-abhängig. Grundgehalt ist 585.000 Euro im Jahr, es können jedoch bis zu 750.000 Euro ausgezahlt werden.
Hlawati wird neue ÖBAG-Chefin

Die designierte Chefin der Staatsholding ÖBAG, die Wirtschaftsanwältin Edith Hlawati, wird pro Jahr bis zu 750.000 Euro verdienen. Das Grundgehalt beträgt 585.000 Euro. Dazu kommt ein Bonus von maximal 25 Prozent. Statt eines Dienstwagens erhält Hlawati 500 Euro Zuschuss für eine private Zusatzversicherung. Das sagte ÖBAG-Aufsichtsratschef Kern am Freitag auf Nachfragen bei einem Gespräch mit Journalisten in Wien. Hlawati könnte die Geschäftsleitung der ÖBAG erweitern.

Die etwaige Erweiterung der Geschäftsleitung hatte die Juristin in dem Konzept, das sie bei ihrem Hearing präsentierte, sagte Kern. Kein anderer Bewerber habe diese Idee im Gegensatz zur Governance-Expertin genannt. Entstehen könnte demnach ein Executive Bord, dem neben der Alleinvorständin zwei der vier ÖBAG-Direktoren - die Senior-Direktoren - angehören könnten. "Es gebe ein Sechsaugenprinzip und die Letztverantwortung bliebe bei Hlawati. Ein Vorstandsprinzip könnte governancemäßig abgebildet werden", sagte Kern.

Wahl Hlawatis erfolgte einstimmig

Überhaupt habe Hlawati "ein extrem durchdachtes Konzept abgeliefert", so der Aufsichtsratschef. Er bekräftigte heute Ausführungen gegenüber der APA vom Donnerstag, wonach die vom ÖBAG-Nominierungsausschuss erstgereihte Person, Hlawati, unabhängig voneinander von den einzelnen Mitgliedern mit großem Abstand erst-gereiht worden sei. Die Wahl sei im Gesamt-Aufsichtsrat heute einstimmig erfolgt.

Kritik, dass dem Aufsichtsrat nur eine Person namentlich präsentiert wurde - die weiteren wurden vom Personalberater Zehnder anonymisiert vorgestellt - wischte Kern vom Tisch. Auf die Frage, warum nicht die drei Erstgereihten heute vorgestellt wurden, sagte Kern: "Weil es keine ersten Drei gab. Es gab eine Nummer 1 - mit Abstand. Die anderen Bewerber wurden nicht gerankt, alle waren gut." Entgegen anderslautenden Medien-Angaben sei Hlawati auch vom Personalberater erst-gereiht worden. "Alle waren völlig einer Meinung."

Governance an internationale Standards annähern

Was hatte Hlawati sonst noch in ihrem Konzept? Sie wolle die Governance an internationale Standards annähern. Hier gehe es um die Dauer, wie lange Personen in Aufsichtsräte entsendet werden, wie Aufsichtsräte und Ausschüsse zusammengesetzt werden. Auch welche Profile Menschen mitbringen müssen, die in Aufsichtsräte kommen sei Thema. "Es geht um Dinge, die auf dem internationalen Parkett selbstverständlich sind, bei uns aber noch nicht überall so wie wir es gerne hätten", so Kern.

Zum Thema eines Eingehens von Minderheitsbeteiligungen und Hlawatis Standpunkt dazu sagte Kern, dass die ÖBAG dafür grundsätzlich über rund eine Milliarde Euro verfüge. "Sie hat uns sehr interessante Ideen präsentiert, wie hier Früherkennung betrieben werden kann, um Schlüsseltechnologien, Firmen mit wichtigem Know-how nicht ins EU-Ausland abwandern zu lassen und wie man hier als ÖBAG agil agieren könnte." Corona und die Personalsuche, nachdem Hlawatis Vorgänger Thomas Schmid vorzeitig seinen Hut nehmen musste, haben Pläne für Minderheitenbeteiligungen zuletzt gebremst.

Ex-Aufsichtsrätin von Post und Telekom

Mangelnde Management- und internationale Erfahrung, wie dies manch Kritiker bei Hlawati sieht, stellte Kern in Abrede. Das Gegenteil sei der Fall. Sie habe eine Kanzlei aufgebaut und unzählige internationale Geschäfte begleitet. "Auf dem internationalen Parkett fliegt sie auf Oberflughöhe." Bei der Industrieerfahrung zähle Hlawatis Erfahrung in den Aufsichtsräten von Post und Telekom für die ÖBAG-Tätigkeit mehr als beispielsweise Chefin eines Industrieunternehmens gewesen zu sein.

Das Mandat der Aufsichtsratschefin bei der E-Control wird Hlawati zurücklegen. Ihre Kanzlei, die mit der ÖBAG einen Rahmenvertrag für Beratungen hat, wird vorerst nicht mehr für die ÖBAG tätig sein - "de facto per sofort, technisch ab 1. September". Auch nach dem Ausscheiden Hlawatis aus der ÖBAG werde es während einer Cool-Down-Periode, also vorübergehend, keine Aufträge für ihre Kanzlei geben. Die Dauer dieser Phase wird noch definiert.

Hahn kräht, Henne legt Eier

"Es mag der Hahn sein, der kräht, aber es ist die Henne, die die Eier legt", griff Kern tief in die Zitatekiste und wählte eines von Margaret Thatcher. Damit wollte er die Frauen-Männer-Thematik bei Bewerbungen erläutern. Zwar seien nur elf von 123 Bewerbungen von Frauen gekommen, diese seien aber allesamt stichhaltig gewesen. "Man kann zum Eindruck gelangen, Männer bewerben sich halt schnell wo. Frauen machen sich aber echte Gedanken, wenn sie sich bewerben", so Kern.

Zur ÖVP-Nähe, die Hlawati attestiert wird, sagte er: "Ja, jeder kriegt eine Punzierung. Aber man braucht nur ihren Lebenslauf anschauen. Etwa berät sie die Staatsholding seit rund 30 Jahren unter verschiedenen Bundeskanzlern." Freilich waren die Finanzminister alle schwarz oder türkis in dieser Zeit.

Der Vertrag zwischen Hlawati und der ÖBAG läuft drei plus zwei Jahre. Beide Seiten können die Zusammenarbeit nach drei Jahren beenden, wenn das nicht der Fall ist, läuft der Vertrag weitere zwei Jahre.

(APA/red)

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