Museums-Strukturdebatte „unnötig“

Gehrer, Schröder &copy APA
Gehrer, Schröder &copy APA
In „für Medienmenschen eher bedrohlicher Harmonie“, so „Presse“-Chefredakteur Michael Fleischhacker, endete eine von ihm moderierte Diskussion über die „Situation der Museen in Wien am Dienstag Abend im Wiener Liechtenstein Museum.

Einig waren sich die Podiumsmitglieder Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel und Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) insbesondere über die Unnötigkeit der aktuellen Museums-Strukturdebatte.

Debatte “künstlich herbeigeführt” und “entbehrlich”

Die Struktur der sieben Bundesmuseen sei eine gewachsene, und sie halte die Debatte darüber für eine „künstlich herbeigeführte“ und für „entbehrlich“, so Gehrer. Seipel sprach mit einem Medienzitat von einem „neostalinistischen Ordnungstrieb“, der „so unnötig wie ein Krebs“ sei. Und Schröder hält weder eine Strukturdebatte noch eine Strukturreform für notwendig, „angesichts des unglaublich hohen Niveaus“ der Wiener Museumslandschaft, die in den vergangenen zehn bis 15 Jahren eine “überwältigende“ Modernisierung erlebt hätten. Auch Johann Kräftner, der ebenfalls am Podium vertretene Direktor des privaten Liechtenstein Museums, sprach von einem „Quantensprung“ in der Museumslandschaft. Die Dichte des Angebots sei von der Republik allerdings „kaum zu bewältigen“, immer noch seien die finanziellen Mittel zu gering. Daher werde die Debatte zu Recht geführt.

Eine Neuordnung der österreichischen Museumslandschaft ergebe “überhaupt keinen Sinn“, so Seipel, gerade deren Vielfalt mache ihren historisch begründeten „Charme“ aus. Eine Zusammenführung der auf verschiedene Häuser verteilten Bestände der klassischen Moderne könne aber in einer gemeinsamen Ausstellung erfolgen, so Seipel. Man brauche auch keine Holding, die darüber entscheide, wer was ausstellen dürfe. „Wettbewerb ist überhaupt nichts Negatives.“

“Fundgrube an Verbesserungsvorschlägen”

Für Gehrer liefert das Bundesmuseengesetz von 1998 klare Zielvorgaben und Profilbeschreibungen für die einzelnen Häuser. Und die Evaluierung der Museen habe bestätigt, dass die Häuser im Zug der Vollrechtsfähigkeit ihre gewachsenen Profile „sehr gut positioniert“ hätten, auch wenn die Studie „eine Fundgrube an Verbesserungsvorschlägen“ liefere. So will etwa Seipel insbesondere für die bauliche Sanierung des Kunsthistorischen Museums (KHM) die Zusammenarbeit mit Sponsoren verstärken, hofft aber dafür auch auf den in der Studie angeregten Ausgleichsfonds.

Schröder, der laut Evaluierung die Bestandspflege der Albertina intensivieren soll, bemühte sich, eine behauptete „Spannung zwischen zugkräftigen Ausstellungen und dem Restaurierungsauftrag“ zu widerlegen. Erfolgreiche Ausstellungen seien im Gegenteil „das Rückgrat“ der Restaurierungsarbeit und würden eine solche oft erst ermöglichen. Vor der Ausgliederung sei es im Übrigen üblich gewesen, jedem Botschafter eine Kassette mit Hauptwerken der Albertina, die so genannte „Diplomatenmischung“, vorzulegen. „Solche Zugriffe finden heute nicht mehr statt.“ Auf die Dürer-Ausstellung im Prado könnte man „unter Vermeidung mancher Fehler, die ich selber begangen habe“ sehr stolz sein. Auf die Frage, wer eventuelle Schadenersatzforderungen des Prado zahlen werde, nachdem mehrere Leihgaben aus der Albertina dort nach vier Wochen durch Repliken ersetzt würden, meinte Schröder abschließend, es gebe „nicht den geringsten Hinweis“, dass der Prado solche stellen wolle.

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